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Mitchell Weiser vom FC Bayern München im Dribbling
Mitchell Weiser spielt seit 2012 für den FC Bayern © imago

München - Mitchell Weiser spielt sich beim FC Bayern immer mehr in den Vordergrund. Bei SPORT1 erklärt sein Jugendtrainer, wie er tickt und warum er ein Kandidat für die Nationalelf ist.

Von Christian Geisler

Das Potenzial von Mitchell Weiser hat Manfred Schadt schon früh erkannt, seinen Werdegang erahnt.

"Er hat immer schon das Talent gehabt, das man braucht, um sich in der Bundesliga durchzusetzen. Er hat sowohl Schnelligkeit, als auch die Fähigkeit etwas taktisch umzusetzen. Dazu ist er technisch versiert und kann in allen Lagen den Ball annehmen", sagte Schadt SPORT1.

Schadt war Weisers Trainer in der A-Jugend. Er kann dessen Fähigkeiten also gut einschätzen.

Sportliche Ausrufezeichen

Auch wenn Weiser nach seinem Wechsel 2012 vom 1. FC Köln zum FC Bayern Probleme hatte - inzwischen hat er den Schalter umgelegt.

Einer guten Rückrundenvorbereitung im Trainingslager in Katar folgten mehrere Bundesliga-Einsätze für den FC Bayern und sein erster Liga-Treffer gegen Paderborn. Ein sehenswerter obendrein.

Jetzt kommt der 1. FC Köln nach München (ab 20 Uhr LIVE im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER). Gegen seinen Ex-Klub will Weiser an seine guten Leistungen aus den Vorwochen anknüpfen.

"Ihm steht eine große Zukunft bevor"

Für Weiser ist die Partie gegen die Geißböcke eine besondere: Der 20-Jährige durchlief nicht nur die Jugendmannschaften der Kölner, sondern bestritt mit 17 Jahren auch sein erstes Bundesliga-Spiel für den FC.

Jetzt fasst er im Starensemble des FC Bayern immer besser Tritt.

Um in München den absoluten Durchbruch schaffen zu können, müsse sich Weiser jedoch noch einiges von seinen Mitspielern abgucken. "Dann steht ihm eine große Zukunft bevor", glaubt Schadt.

Zwischen Genie und Wahnsinn

Beim 1. FC Köln erzielte Weiser schon früh seine ersten Erfolge. Mit der B-Jugend der Domstädter gewann er 2010/11 die deutsche Meisterschaft, mit der A-Jugend den Pokal. Trotzdem war Weiser bei den Kölnern nicht immer unangefochten.

"Er wurde in der B-Jugend deutscher Meister und wollte dann in der A-Jugend direkt nachlegen. Das hat man gemerkt, aber vielleicht wollte er da zu viel. Er hat dann so Dinge gebracht, wo er innerhalb von acht Wochen zwei Rote Karten gesehen hat", erinnert Schadt an den nicht immer steil nach oben verlaufenden Weg des Mittelfeldspielers.

Selfie im Strintanga

Zuletzt eckte er in München mit einem im Internet veröffentlichten Selfie mit Mannschaftskollege David Alaba im Stringtanga an.

David Alaba und Mitchell Weiser bei Instagram
David Alaba und Mitchell Weiser bei Instagram © instagram@mitch23elijah, instagram@da_27

Es war nicht sein erster Aussetzer seit seinem Wechsel 2012 zum FC Bayern.

Vergangene Saison ging es für die zweite Mannschaft der Bayern in der Regionalliga gegen Fortuna Köln um den Aufstieg in die Drittklassigkeit. Doch Weiser weigerte sich, in den Relegationsspielen aufzulaufen und verabschiedete sich stattdessen in den frühzeitigen Urlaub.

Kurze Zeit später bot er seine Fußballschuhe als Gewinn auf seiner Facebook-Seite an. Die Anhänger der Münchner verzichteten darauf und quittierten das Angebot mit Verschmähungen und negativen Kommentaren.

Schadt erklärt Weisers Eskapaden wie folgt: "Mitchell ist ein absoluter Freigeist. Das ist noch jugendlicher Leichtsinn, den er ablegen muss. Wegen solcher Dinge muss mit ihm gesprochen werden. Der Verein reagiert darauf und das ist auch gut so. Das muss er einsehen."

Weisers Wandel

Weiser, dessen Vater Patrick ebenfalls Profifußballer war, scheint seine Lektion gelernt zu haben.

Sportdirektor Matthias Sammer sowie Trainer Pep Guardiola attestieren ihm seit geraumer Zeit gute Leistungen.

Auch Schadt stellt einen Wandel fest: "Ich habe ihn kurz vor Weihnachten beim Shoppen mit zwei, drei Bayern-Kollegen getroffen. Dort habe ich direkt eine Veränderung gespürt. Mitchell ist deutlich reifer und erwachsener geworden. Es wundert mich nicht, dass er jetzt durchstartet", sagt der heutige U-19-Trainer des FC Viktoria Köln.

Lob von Guardiola

Natürlich profitiert Weiser von der Ausleihe von Pierre-Emile Hojbjerg an den FC Augsburg und dem Verkauf von Xherdan Shaqiri an Inter Mailand. Doch die Talente Gianluca Gaudino und Sinan Kurt hat er zuletzt verdrängt. Wegen Sinan Kurt musste Weiser im Sommer noch seine Rückennummer ändern.

Nun ist es nicht mehr unwahrscheinlich, dass Weisers am Saisonende auslaufender Vertrag verlängert wird.

"Ich bin sehr zufrieden mit Mitchell. Er ist ein guter Junge. Er ist sehr laufstark und hat in den letzten Spielen gut gespielt, muss sich aber noch verbessern. Wie es mit ihm weitergeht, weiß ich aber nicht", sagte Guardiola am Donnerstag auf der abschließenden Pressekonferenz. Das könne Matthias Sammer besser beantworten.

Spielwitz und Profitum

"Ich würde Mitchell raten noch ein Jahr bei den Bayern zu bleiben, um zu sehen, wo seine Reise hinführt. Sicherlich haben andere große Vereine wie Wolfsburg und Co. auch schon ein Auge auf solch einen Spieler geworfen. Aber die Bayern wären gut beraten, ihn zu halten", sagt Schadt.

Er traut Weiser zu, bei den Bayern Stammspieler zu werden. "So wird er dann auch ein Thema für die Nationalmannschaft. Es gibt wenige Spieler mit solch einem Potenzial", betont Schadt.

Einen Rat hat er noch für seinen früheren Schützling: "Er sollte sich dabei seinen Spielwitz beibehalten, denn der zeichnet ihn aus. Konzentriert sich Mitchell darüber hinaus auf das Profitum, steht seiner Karriere nichts mehr im Weg."

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