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Die Polizei bei einem Einsatz in einem Fußballstadion
Die Polizei will auffällige Hooligans in "Manndeckung" nehmen © getty

Manndeckung für Krawallmacher: Nordrhein-Westfalen setzt als erstes Bundesland ab sofort das bundesweite Programm gegen Gewalt beim Fußball um und wird die Anstifter von Randalen nicht mehr aus den Augen lassen.

"Wir nehmen die Intensivtäter von Krawallen in Manndeckung", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger am Mittwoch: "Diese Rädelsführer sind das größte Problem, weil sie prügeln und andere zu Gewalt anstiften. Jeder von ihnen befindet sich künftig im Visier von erfahrenen Ermittlern."

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) reagierte positiv.

"Wir begrüßen diesen Vorstoß ausdrücklich, weil damit genau die Richtigen im Fokus stehen und zur Rechenschaft gezogen werden können. Somit steht auch nicht mehr der weit überwiegende Teil der friedlichen Fans unter Generalverdacht", sagte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig.

Doch nicht nur mit der Ermittlung, auch mit der Bestrafung soll es künftig schneller gehen. "Durch eine Verbesserung der Koordination von Polizei und Justiz können wir künftig noch schneller reagieren und Straftäter konsequent und umfänglich für ihre Taten zur Rechenschaft ziehen", versicherte Justizminister Thomas Kutschaty.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) begrüßt das neue Konzept. "Alle Ermittlungen gegen Intensivtäter, egal, ob sie ihre Gewalttaten in München, Hamburg oder Berlin begehen, werden bei der Polizei zentral an einer einzigen Stelle geführt.

Sogenannte Drittort-Auseinandersetzungen, die der Polizei eine Strafverfolgung bislang erschwerten, wird es künftig nicht mehr geben, wenn gefährliche Rädelsführer von der Polizei identifiziert und alle Erkenntnisse an einer zentralen Stelle gebündelt werden", sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt.

Keineswegs euphorisch beurteilt dagegen der Bund der Richter und Staatsanwälte in Nordrhein-Westfalen den Schritt.

Die Absicht, "die Gewalt im Umfeld von Fußballspielen effektiver zu bekämpfen, ist grundsätzlich zu begrüßen", hieß es in einer Stellungnahme: "Die bundesweite Bündelung der Strafverfahren an den Wohnorten der Angeklagten wird vom Bund der Richter und Staatsanwälte in NRW allerdings kritisch gesehen." Grund hierfür sei "ein deutlicher Arbeitsanstieg an Justizstandorten mit problematischem Fußballumfeld", der "bei unverändertem Personaleinsatz" sogar "eine Verlängerung der Verfahrensdauern zur Folge" haben werde.

Nordrhein-Westfalen stellt in Borussia Dortmund, Schalke 04, Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, dem 1. FC Köln und dem SC Paderborn aktuell sechs Vereine und damit ein Drittel aller Klubs der Bundesliga und ist Vorreiter bei dem neuen "täterorientierten Konzept", das Jäger als Vorsitzender der Innenministerkonferenz (IMK) entwickeln ließ und das bald in ganz Deutschland angewandt werden soll.

Die gefährliche Gruppe der Rädelsführer umfasse rund 150 Intensivtäter, erklärte Jäger. Diese würden durch die gesamte Republik reisen.

"Jeder Gewalttäter muss spüren, dass Polizei und Justiz ihm bundesweit auf den Füßen stehen. Wer randaliert und zuschlägt, hat bei Fußballspielen nichts verloren", betonte Jäger.

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