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VfL Wolfsburg v Hamburger SV - Bundesliga
Peter Knäbel ist Direktor Profifußball des Hamburger SV © Getty Images

Als Peter Knäbel im Oktober 2014 die Nachfolge von Oliver Kreuzer als Sportdirektor beim Hamburger SV antrat, war im ganzen Verein eine gewisse Erleichterung spürbar.

Knäbel war immerhin sowas wie der Wunschkandidat von Klub-Boss Dietmar Beiersdorfer. Und die Unruhe, die in der Vergangenheit bei den Hanseaten herrschte, hat sich auch dank des früheren St. Pauli-Profis etwas gelegt. Auch sportlich hat sich der Klub etwas berappelt. Nach zuletzt zwei Siegen aus drei Spielen in der Rückrunde stehen die Hamburger auf Platz zwölf. (DATENCENTER)

Vor dem Spiel am Samstag beim FC Bayern (ab 15 Uhr LIVE im Sportradio SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) spricht Knäbel über die "Rothosen", HSV-Coach Joe Zinnbauer und Kapitän Rafael van der Vaart. 

SPORT1: Herr Knäbel, was haben Sie bei Ihrem Amtsantritt vorgefunden und wie sieht es Ihrer Meinung nach jetzt aus beim HSV?

Peter Knäbel: Ich habe sehr viele engagierte und fleißige Mitarbeiter vorgefunden. Jeder möchte seine Kompetenzen und seine Energie einbringen. Generell richtet sich unser Blick nur nach vorne. Auch durch die Siege gegen Paderborn und Hannover ist nur ein kleiner Schritt getan, da gerade der Erfolg gegen 96 etwas glücklich zustande kam. Es ist jetzt unser aller Aufgabe, die Rückschläge in Zukunft zu minimieren. Dass viel Willen und Charakter in unserer Mannschaft steckt, hat sie mehrfach bewiesen. Sie bringt die zur Verfügung stehenden Mittel entsprechend ein, hat verinnerlicht, was in unserer Situation gefragt ist.

SPORT1: Sportlich ist man ordentlich in das neue Jahr gestartet. Erstmals seit April 2013 wurden zwei Spiele in Folge gewonnen - zwar mit wenig spielerischem Glanz, aber großem Aufwand. Wie ist die neue Philosophie, gibt es eine neue Spielstruktur beim HSV? Zufrieden kann man trotzdem nicht sein, gegen Hannover fielen zwei glückliche Tore.

Knäbel: Wir sind auch nicht zufrieden. Das wäre fahrlässig, diesem Vorwurf wollen wir uns nicht irgendwann ausgesetzt sehen. Aufgrund von Verletzungen haben wichtige Spieler Großteile unserer Vorbereitung in Dubai verpasst oder fehlen immer noch. Da ist es nicht möglich, den Gegner spielerisch zu beherrschen und ständig in Ballbesitz zu sein. Außerdem haben wir festgestellt, dass wir den Ball während der Hinrunde zu oft im eigenen Ballbesitz abgegeben und so Gegentore kassiert haben. Grundsätzlich wollen wir aber auch wieder mutiger agieren, das ist klar.

SPORT1:  Aus Basel kam Mittelfeldspieler Marcelo Diaz, der schon jetzt eine zentrale Figur ist. Wie ist die Erwartungshaltung an diesen Spieler?

Knäbel: Zunächst liegt die Verantwortung bei uns. Wir müssen Marcelo Diaz begleiten und dafür Sorge tragen, dass er sich hier schnellstmöglich integrieren kann. Wenn uns das gelingt, wird er uns durch seine fußballerischen Qualitäten und seine Spielintelligenz weiterbringen. Er ist in der Lage, unser Spiel durch seine Auffassungsgabe und seine Passsicherheit schneller nach vorn zu tragen. Dazu bringt er als chilenischer Nationalspieler eine gewisse Mentalität mit. Was diese Mannschaft zu leisten in der Lage ist und über welch großen Willen sie verfügt, hat sie bei der WM in Brasilien eindrucksvoll demonstriert.

SPORT1: Wie sehen Sie inzwischen die Rolle von Rafael van der Vaart?

Knäbel: Wir müssen die Rolle von Rafael van der Vaart nicht von Tag zu Tag überdenken. Rafael ist Kapitän unserer Mannschaft und ein Teil der Marke HSV. Er übernimmt immer wieder Verantwortung und präsentiert sich in sehr guter Verfassung. Er ist fit, hat in der Vorbereitung richtig Gas gegeben und nicht eine Trainingseinheit verpasst.

SPORT1: Pierre-Michel Lasogga ist zuletzt etwas aus dem Rampenlicht verschwunden. Wie sehen Sie seine aktuelle Entwicklung?

Knäbel: Pierre hatte zu Beginn der vergangenen Woche leider einen Rückschlag, hat sich einen Faserriss im Oberschenkel zugezogen. Jetzt arbeitet er in Verbindung mit unseren Medizinern an seinem Comeback. Wir wünschen uns alle, dass uns Pierre so schnell wie möglich wieder zur Verfügung steht. Auch für ihn selbst wünschen wir uns das. Pierre ist ein Spieler, der auf den Platz gehört, der diese spezielle Wettkampfatmosphäre braucht. Und wir brauchen Pierre.

Hamburger SV v 1. FC Koeln - Bundesliga
Joe Zinnbauer ist seit September 2014 Cheftrainer des HSV © Getty Images

SPORT1: Zu Trainer Joe Zinnbauer gibt es offenbar ein uneingeschränktes Vertrauen, der Vertrag wurde zuletzt bis 2016 verlängert. Dennoch gab es Stimmen, die sagten, dass er weiter unter genauer Beobachtung stehe. Können Sie uns die Position des Trainers erklären?

Knäbel: Welche Stimmen? Ich habe keine Stimmen vernommen. Wir haben schon vor dem Beginn der Rückrunde mit unserem Trainer zusammen gesessen und ihm ganz klar das Vertrauen ausgesprochen. Das braucht man, um seine Arbeit erfolgreich machen zu können. Joe hat sich stark entwickelt, sich dabei aber nicht verändert.

SPORT1: Ihre Arbeit erhält viel Lob. Kritiker wenden noch ein, dass dem Verein Ihre Handschrift fehlt.

Knäbel: Es geht hier nicht darum, dass die Handschrift eines Einzelnen zu erkennen ist. Das ist auch gar nicht möglich und nicht unser Ziel. Wir wollen den HSV gemeinsam und insgesamt wieder nach vorn entwickeln. Niemand beansprucht hier irgendein Lob für sich selbst. Jeder versteht sich als Teil des Ganzen und bringt sich ein. Von dieser Basis aus agieren wir.

SPORT1: Der Gang zu den Bayern ist sicher kein leichter. Wie geht der HSV es an?

Knäbel: Erstmal müssen wir hinkommen. Am Hamburger Flughafen wurde zuletzt gestreikt. Aber wenn wir da sind, wollen wir uns auch so teuer wie möglich verkaufen. Es ist jedoch nicht meine Art, im Vorfeld von Spielen Ankündigungen oder Prognosen abzugeben. Ich wünsche mir nur, dass wir uns als HSV am Sonnabend in München so präsentieren wie wir es uns vorgenommen haben. 

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