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Filip Kostic vom VfB Stuttgart
Filip Kostic steht mit dem VfB Stuttgart aktuell auf Relegationsplatz 16 © Getty Images

München - Die Verantwortlichen beim VfB Stuttgart verteidigen trotz Torflaute und Platz 16 den Weg der kleinen Schritte. Doch gerade gegen den FC Bayern ist Mut gefragt.

In schöner Regelmäßigkeit wird Huub Stevens von der eigenen Vergangenheit eingeholt. Von dem Spruch, den er einst prägte. Und ihn auch immer noch auslebt.

"Die Null muss stehen", hatte Stevens um die Jahrtausendwende einmal gesagt, als er noch Trainer auf Schake war. Die Aussage läuft ihm seitdem hinterher, der 61-Jährige kann sie selbst wahrscheinlich schon lange nicht mehr hören.

Huub Stevens guckt betrübt
Huub Stevens ist seit Armin Vehs Rücktritt wieder Trainer beim VfB Stuttgart © Getty Images

Seit der Niederländer allerdings mal wieder Trainer des VfB Stuttgart ist, steht sie wieder, die Null. Und dann darf der inzwischen legendäre Spruch auch nicht fehlen. Denn der ist nicht nur zeitlos, sondern vor allem auch immer noch aktuell.

Gegentore minimiert

Seit November hat Stevens die Abwehr, zuvor mit mehr als zwei Gegentoren im Schnitt die schlechteste der Liga, auf Vordermann gebracht. Lediglich zwei Tore kassierten die Schwaben in den vergangenen fünf Spielen. Und aus den bislang sieben Spielen unter seiner Regie holte der VfB immerhin neun Punkte. "Seit Huub Stevens da ist, sieht es wesentlich besser aus", bestätigte Kapitän Christian Gentner.

Der Zweck heiligt die Mittel, möchte man meinen. Doch das Problem ist, dass die Stabilität der Defensive zu Lasten der Offensive geht: Im selben Zeitraum schoss der VfB selbst nämlich auch nur zwei Treffer und ist seit 318 Minuten ohne Tor.

Zuletzt beim 0:0 in Köln präsentierte sich der VfB diszipliniert, aber auch mut- und größtenteils ideenlos im Spiel nach vorne. Zu mutlos für den Abstiegskampf? Zu wenig also für den im Abstiegskampf so dringend benötigten Befreiungsschlag?

"Es sind zwar keine Offensivfeuerwerke dabei, die sich jeder wünscht, aber das ist momentan auch nicht gefragt", stellte Gentner klar. Stevens nimmt die Debatte vor dem Spiel gegen Bayern München (ab 15 Uhr, im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) mit Humor.

"Haben wir die Qualität eines Ronaldo oder Messi? Dann wäre die gefragt. Aber die Qualität haben wir nicht. Und selbst die beiden haben es gegen Bayern München nicht immer geschafft. Es ist schwierig. Man muss immer nach der Balance suchen", sagte der VfB-Trainer am Freitag.

0:0 am Ende Gold wert?

Sportdirektor Robin Dutt verteidigt zuletzt auch die Taktik seines Coaches. "Stevens fand eine Konstellation vor, in der man sich erstmal defensiv verbessern musste", so Dutt. Das 0:0 sei ein typisches Ergebnis, bei dem man erst Ende der Saison wisse, was es gebracht habe. "Das 0:0 könnte Gold wert sein", so Dutt.

In Zeiten des Abstiegskampfes nimmt man eben das, was man bekommt. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, getreu dem Motto: Kalkuliertes Risiko, lieber einen Punkt in der Tasche als die Gefahr, am Ende mit leeren Händen da zu stehen. Nach dem "Wie" fragt am Ende sowieso keiner mehr. Und tabellarische Momentaufnahmen interessieren Stevens sowieso nicht. "Es geht darum, wie es nach 34 Spielen aussieht."

Eine Frage des Anspruchs

Doch natürlich ist es immer eine Frage des Blickwinkels, des eigenen Anspruchs. Und der ist beim VfB schon seit längerem bescheiden geworden. Abstiegskampf statt Aufbruch, Kampf statt Kreativität, Stagnation statt Selbstvertrauen.

"Natürlich fehlt das Selbstvertrauen, wir stehen unten drin. Wir müssen trotzdem versuchen, es nach vorne spielerisch zu lösen. Es ist wichtig, dass man da unten drei Punkte holt", sagte Torhüter Sven Ulreich SPORT1. Ohne Tore ist das jedoch schwierig.

Wütende Bayern kommen

Der Vorteil: Bereits am Samstag kann der VfB es wieder versuchen. Der Nachteil: Ausgerechnet jetzt kommen nach nur einem Punkt aus zwei Spielen  wütende Bayern.

Ein äußerst undankbarer Gegner also, um auf den ersten Heimsieg seit mehr als vier Monaten zu hoffen. Und endlich mal einen großen Schritt nach vorne zu machen. Für Stevens ist es eh egal, wann die Bayern kommen. Auch wenn die schwach gestartet sind.

Ein kleiner Vorteil vielleicht? Stevens lacht. "Man spielt gegen eine der besten Mannschaften Europas. Wenn man da punktet, ist das überraschend", sagte der Niederländer.

"Egal, wann die Bayern kommen"

"Die sind immer schwierig, egal wann die kommen. Wir wollen trotzdem kompakt in der Defensive stehen und dann versuchen, Nadelstiche zu setzen", kündigte Ulreich an.

Dafür braucht man allerdings nicht nur besagte Disziplin, sondern eben auch Mut. Das bewies der VfL Wolfsburg beim 4:1 zum Rückrundenauftakt eindrucksvoll. Schalke verfolgte zuletzt beim 1:1 den ängstlichen Ansatz und konnte froh sein, am Ende trotz 73 Minuten langer Überzahl nicht verloren zu haben.

"Vielleicht können wir die 'Negativserie' der Bayern - wenn man sie so nennen kann - ausnutzen. Wenn wir so auftreten wie die letzten Male und ein bisschen Glück haben, dann können wir gegen die Bayern vielleicht auch etwas holen", sagte Timo Werner.

Kapitän Gentner verteidigte die Konzentration auf die Defensive, den eher unattraktiven Weg der kleinen Schritte. "Wir würden gerne größere machen, aber für uns zählt jetzt gerade jeder Punkt."

Auf Dauer wird das jedoch nicht reichen.

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