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Hamburg - Ohne Rafael van der Vaart findet der Hamburger SV nach der Blamage von München gegen Gladbach zurück in die Spur. Die Zeichen stehen auf Trennung, wie auch bei zwei Mitspielern.

Aus Hamburg berichtet Clemens Gerlach

Bloß keinen vergessen. So dauerte es etwas, bis Josef "Joe" Zinnbauer nach dem 1:1 gegen Mönchengladbach alle seine Schützlinge mit Lob eingedeckt hatte. Sogar die Ersatzspieler wurden bedacht.

"Sie haben gepusht und angefeuert", freute sich der Cheftrainer des Hamburger SV.

Dass zum Bankpersonal auch Rafael van der Vaart gehörte, war für die Fans ein wenig überraschend. Schließlich hatte der HSV im zentralen Mittelfeld einige Ausfälle zu beklagen. Doch Zinnbauer ließ den etatmäßigen Kapitän die komplette Spielzeit draußen.

"Keine angenehme Sache"

"Wir wollten defensiver spielen", begründete Zinnbauer seine Maßnahme. Kann man verstehen. Bei den Bayern hatte es zuvor mit dem 0:8 die höchste Niederlage für die Hamburger in der Bundesliga gesetzt.

Zwischenmenschlich sei die Ausbootung van der Vaarts "keine angenehme Sache", so Zinnbauer. Doch das gehöre zum Geschäft. "Rafael hat es akzeptiert und verstanden."

Dass der alternde Star noch eine große Zukunft beim HSV hat, ist nicht sehr wahrscheinlich.

Stieber überzeugt auf der Zehn

Gegen Gladbach ackerte das Hamburger Team und hätte einen Sieg verdient gehabt. In der Offensive glänzte Zoltan Stieber als Mann hinter der einzigen HSV-Sturmspitze (erst Ivica Olic, dann Artjoms Rudnevs).

Der im Sommer aus Fürth gekommene Ungar zeigte das, was dem inzwischen 32-jährigen van der Vaart immer mehr abgeht: Dynamik, Spritzigkeit und Torgefahr.

Beim Führungstreffer zog Stieber nach innen und schlenzte den Ball vom Strafraumrand gekonnt ins linke Eck. "Du hast mehr Selbstvertrauen, wenn du regelmäßig spielst", sagt der agile Zehner, "ich fühle mich auf der Zentralposition wohl."

Das sieht auch Zinnbauer so, der den 26-Jährigen anfangs zumeist auf dem Flügel eingesetzt hatte. "In der Mitte ist Zoltan mit seiner Spielintelligenz gut aufgehoben." Derzeit liegt Stieber deutlich vor van der Vaart.

Auf der sechs und der acht überzeugten Petr Jiracek und Gojko Kacar gegen Gladbach. "Sie haben es gut organisiert", stellte Zinnbauer eigens heraus.

Vorgeschmack auf kommende Saison

Van der Vaart dürfte es daher schwer haben, als Stammspieler wieder ins Team zurückzukehren. Seine jüngsten Leistungen bewertete auch der Niederländer selbstkritisch: "Ich habe zuletzt schlecht gespielt."

Da zudem Heiko Westermann nur für wenige Minuten eingewechselt wurde und Marcell Jansen verletzt fehlte, bekamen die Zuschauer gegen Gladbach einen Vorgeschmack auf die nächste Saison.

Es ist davon auszugehen, dass die drei Topverdiener beim aktuellen Tabellen-14. keine neuen Verträge bekommen werden. Im Sommer ist sehr wahrscheinlich Schluss.

Zinnbauer lobt Team

Zinnbauer muss davor nicht bange sein - im Gegenteil. Noch vom Europacupeinsatz müde Gladbacher kamen nur mit Glück und einem erneuten Kopfballtreffer in der Nachspielzeit zu einem Punktgewinn. Der HSV war besser.

Joe Zinnbauer enttäuscht
Nach dem späten Ausgleich der Gladbacher machte sich bei Joe Zinnbauer (r.) und seinem Team Enttäuschung breit © Getty

"Das Gegentor ändert an unserer Leistung nichts", sagte Zinnbauer, "die Mannschaft wollte etwas beweisen und hat Zähne gezeigt."

Nur eines hatte der HSV-Chefcoach doch zu bemängeln: "Drei Konter, kein Treffer."

Torschütze Stieber trauerte dem Sieg dennoch nicht hinterher. "Klar, das war ein bitterer Ausgang", sagte der Aktivposten, "aber das Leben ist fair, wir kriegen die Punkte zurück." Am besten schon kommenden Samstag in Frankfurt.

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