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Der Signal Iduna Park vor dem Spiel gegen Juventus
Das Spiel gegen Juventus Turin könnte für längere Zeit das letzte von Borussia Dortmund in der Champions League gewesen sein © Getty Images

Dortmund - Borussia Dortmund verabschiedet sich auf ungewisse Zeit aus der Champions League. Trainer Jürgen Klopp hat für Katerstimmung jedoch keine Zeit.

Es waren magische Nächte. Besondere Momente. Fantastische Flutlichtspiele. Unvergessliche Stunden. Alles vorbei.

Borussia Dortmund wird frühestens in anderthalb Jahren wieder der Champions-Leauge-Hymne lauschen dürfen.

Die besonderen Königsklassen-Momente werden irgendwann zu Erinnerungen für die Enkel verschmelzen, in schwarzgelben Bildern blumig ausgeschmückt und im schönsten Ruhrpott-Dialekt erzählt. (Die Highlights des Spiel zum Nachhören auf SPORT1.fm)

Königsklasse adé

So wie etwa vom Wunder gegen Malaga, dem dramatischen 3:2-Viertelfinalsieg in der Nachspielzeit im April 2013.

Mit ihrer schwarz-goldenen Fernglas-Choreo unter dem Motto "Auf den Spuren des verlorenen Henkelpotts" hatten die BVB-Fans damals ein Bild geschaffen, das noch lange nachwirkte.

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Die Choreographie der Dortmunder Fans vor dem Spiel gegen Malaga © Getty Images

Mit dem Fernglas können die Dortmunder jetzt erstmal die Königsklasse verfolgen. Die Juve-Fans riefen kurz vor Schluss, auf Deutsch wohlgemerkt, "Auf Wiedersehen!". Das wird es aber so schnell nicht geben.

Mindestens bis zum September 2016 wird die Crème de la Crème des europäischen Fußballs ohne den Finalisten von 2013 auskommen müssen.

"Alle nicht mit Ruhm bekleckert"

Katerstimmung herrscht deshalb nicht. Vielleicht bei den Fans. Nicht aber bei Klopp.

"Was gar nicht passieren wird, dass wir aus dem Champions-League-Spiel so eine Halb-Depression mitnehmen. Wir können da nicht noch so halbleidend in das nächste Bundesligaspiel stolpern", sagte Klopp am Donnerstag auf SPORT1-Nachfrage.

"Unter das Spiel muss ein dicker Strich drunter. Ich habe den schon gemacht. Dann kann man sich auf das, was uns bevorsteht, einlassen", so der 47-Jährige. "Es geht in Hannover um die Wurst, für uns und auch für den Gegner", blickte er auf den 26. Spieltag voraus.

Auf Kritik an Einzelnen wie Henrik Mkiytaryan lässt er sich öffentlich gar nicht erst ein. Dass dem Armenier der erhoffte Leistungssprung mit Ausnahme des Zwischenhochs gegen Schalke nicht gelingt, wiegelt er ab. "Es haben sich alle nicht mit Ruhm bekleckert", betonte Klopp.

Als Offenbarungseid hat Klopp das 0:3 am Mittwoch nicht gesehen. "Dieses Spiel war das, was am leichtesten zu verlieren war, weil die Qualität des Gegners so hoch war. Juve hat das clever gespielt."

Klopp dreht an "kleinen Schrauben"

Es gelte nur kleine Justierungen vorzunehmen, um die Spieler wieder in die Spur zu bringen. "Alles infrage zu stellen ist falsch, an kleinen Schrauben zu drehen ist oft das Richtige", meinte der Fußballlehrer.

"Wer das Gefühl entwickelt hat, das wir das falsche System gespielt haben: Das war ganz bestimmt nicht das Problem", stellte Klopp fest. "Der Hauptgrund waren die falschen Entscheidungen in den falschen Momenten."

Für die tiefgehende Analyse hat Klopp zumindest nach außen hin keine Zeit. Innerlich wird es ihn weiter umtreiben, ebenso wie BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

Wieso ist in dieser Saison nicht mehr rausgesprungen? Nicht nur in der Champions League, auch in der Liga? Fragen, auf die Dortmunds sportliche Leitung antworten finden will und muss.

Kader auf dem Prüfstand

Eine Antwort liegt in der Umgestaltung des Kaders zur neuen Saison. Ein Schnitt steht bevor, auch wenn es keinen kompletten Umbruch geben wird. Allein deshalb, weil die Transfersummen wie in den letzten beiden Jahren nicht aufgerufen werden können.

Erst kürzlich hatte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei SPORT1 den künftigen Sparkurs bestätigt. Allerdings zeigte er sich auch grundsätzlich gesprächsbereit, sollte es Angebote für Ciro Immobile oder Mkhitaryan geben.

Auch die Zukunft von Marcel Schmelzer, Kevin Großkreutz oder Roman Weidenfeller könnte sich nach dem Sommer woanders als in Dortmund abspielen.

Akut treibt die Dortmunder jedoch das Herausspielen von zu wenigen Torchancen um. Konnte sich Klopp in der Hinrunde noch über die vielfach ausgelassenen Möglichkeiten ärgern, kommt er aktuell erst gar nicht dazu, weil es schlichtweg keine Chancen gibt.

"Fehlende Konstanz ist keine Krankheit"

Die Chance auf den europäischen Wettbewerb gibt es dagegen noch. Der Umweg führt über den DFB-Pokal oder eine neuerliche Aufholjagd in der Liga.

Doch bei Klopp und seinen Spielern ist das aktuell (noch) kein Thema. Dass mit der Borussia früher oder später wieder zu rechnen sein wird, stellte der Cheftrainer aber in Aussicht.

"Fehlende Konstanz ist keine Krankheit, die man nicht heilen könnte. Sondern es ist tatsächlich etwas, was man ändern kann", sagte der fokussiert wirkende Klopp.

Der Patient Borussia Dortmund leidet. Am Tropf hängt er aber noch lange nicht.

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