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BVB-Trainer Jürgen Klopp bleibt trotz vier Siegen in Serie zurückhaltend © Getty Images

Dortmund - Borussia Dortmund pirscht sich an die Plätze für den europäischen Wettbewerb heran. Die sportliche Leitung gibt für den Abstiegskampf aber noch keine Entwarnung.

Von Thorsten Langenbahn

Die Derbysieger hatten gut lachen. "Heja, BVB" schallte es nach dem 3:0-Erfolg gegen Schalke sangesfreudig aus der Kabine.

Und auch am Tag nach dem Prestigeerfolg überstrahlten die Gesichter der Derbyhelden den morgendlichen Sonne-Wolken-Regen-Mix im östlichen Ruhrgebiet.

Die Anhänger kosteten den Sieg ebenfalls aus. Zwei weibliche Fans hielten am Trainingsgelände in Dortmund-Brackel ein Banner hoch mit der Aufschrift "Danke Jungs!"

Nach der Regenerationseinheit schrieben viele BVB-Spieler bei ihrer Abfahrt vom Gelände noch bereitwillig Autogramme und lächelten ihr Derbysieger-Lächeln in die Handykameras der Fans.

"Endlich geht es in eine andere Richtung"

Der Aufwärtstrend von Platz 18 vor vier Wochen bis hoch auf Rang zehn - die drittbeste Platzierung für den BVB in dieser Saison - hat die Stimmung deutlich aufgehellt.

"Jetzt haben wir in der Liga endlich diesen kleinen Lauf gestartet, den wir uns schon deutlich früher erhofft hatten. Das ist eine schöne Momentaufnahme, weil es endlich in eine ganz andere Richtung geht, als das 19 Spieltage lang der Fall war", sagte Kapitän Mats Hummels nach dem vierten Ligasieg in Folge.

"Wir haben jetzt 13 Tore in den letzten vier Spielen geschossen, in den 19 Spielen davor waren es 18 insgesamt. Daran lässt sich ablesen, dass wir spielerisch einen deutlich besseren Weg eingeschlagen haben", erklärte der Nationalspieler gegenüber SPORT1.

Durch den achten Saisonsieg rückte der Noch-Vizemeister mit nun 28 Zählern bis auf sieben Punkte an den Revierrivalen aus Gelsenkirchen heran, der bekanntlich um die Champions-League-Plätze mitspielen will.

"Den Lauf durchziehen"

Die Weichen zur schwarzgelben Aufholjagd nach Europa sind gestellt. Das vor Kurzem noch in weite Ferne liegende Ziel ist wieder in greifbare Nähe gerückt.

Doch vom strahlenden Derbysieger-Glanz ist beim BVB niemand so verblendet, nun zu träumen. So einfach stoppen lassen wollen sich die schwarzgelben Arbeitsbienen aber auch nicht.

"Wir haben einen Lauf – den wollen wir durchziehen. Und dann ist vielleicht noch ein bisschen was möglich", wagt sich Defensispezialist Oliver Kirch im Gespräch mit SPORT1 vorsichtig vor. 

Hamburg (auswärts), Köln (zuhause) und Hannover (auswärts) heißen die Gegner im März, Anfang April kommt dann der FC Bayern nach Dortmund.

Zorc gibt keine Entwarnung

Die sportliche Leitung hebt warnend den Zeigefinger. Ist der BVB schon aus dem Gröbsten raus? "Nein", sagt Dortmunds Manager Michael Zorc deutlich. "Punktemäßig sieht es gut aus, da haben wir uns vom 17., 18. Platz ein wenig weg bewegt, aber es sind ja weiterhin nur ein paar Punkte. Deshalb gibt es da alles andere als Entwarnung, betonte Zorc auf SPORT1-Nachfrage: "Die anderen Mannschaften drumherum punkten ja auch und es ändert sich an den Abständen nicht so ganz viel."

In der Tat: Selten war die Liga so eng zusammen. Von Platz vier bis Platz 18 scheint noch ziemlich viel möglich zu sein. (Datencenter: Ergebnisse und Spielplan)

Geduldsprobe bestanden

Doch im Gegensatz zu manchem Konkurrenten im verrückten Europa- und Abstiegskampf, haben die Dortmunder einen großen Vorteil: Sie haben den Glauben an die eigene Stärke zurückgewonnen.

So cool, wie die Mannschaft trotz ausgelassener Großchancen im Derby gegen Schalke geblieben ist, so geduldig wird die zurzeit noch unausgesprochene Europa-Mission angegangen.

Auch der frühere Borussia-Spieler und heutige Augsburg-Manager Stefan Reuter zeigte sich im Volkswagen Doppelpass davon überzeugt, dass der BVB "weiter marschieren wird und gute Chancen hat, noch ins internationale Geschäft zu kommen".

Klopp denkt nicht an Europa

Für BVB-Trainer Jürgen Klopp, der nach eigener Aussage keinen Gedanken an Europa verschwendet, steht unverändert die Mission Klassenerhalt im Fokus.

"Wir haben weiterhin nur fünf Punkte Vorsprung nach hinten, obwohl wir vier Spiele in Serie gewonnen haben. Daran sieht man, in was für einer Situation wir waren und immer noch sind. Wir dürfen jetzt nicht nachlassen", mahnte Klopp nach der Top-Leistung gegen Schalke.

Trotz des kräftigen Rückenwindes aus den vergangenen Wochen wollte sich auch Mats Hummels nicht zu verbalen Höhenflügen davontragen lassen. Europa? Das sei "wirklich viel zu weit gedacht".

Noch keinen einstelligen Tabellenplatz

"An irgendwelche höheren Sphären zu denken, macht gar keinen Sinn, weil wir noch ein sehr straffes Programm vor uns haben", erklärte der 26-Jährige und verwies darauf, noch nicht einmal einen einstelligen Tabellenplatz erreicht zu haben.

Zwölf Spieltage vor dem Bundesliga-Saisonfinale setzt die Borussia vielmehr auf die Politik der kleinen Schritte: "Es ist unser Ziel für nächste Woche, dass wir in Hamburg gewinnen und Wiedergutmachung für das sehr schwache Hinspiel betreiben. Vorher wollen wir in Dresden im DFB-Pokal weiterkommen", sagte Hummels.

Gelingen die kleinen Schritte weiter so gut, wird der große Schritt nach Europa automatisch folgen.

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