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Stuttgart und Leverkusen - Beim 0:4 in Leverkusen präsentiert sich der VfB Stuttgart wie ein Absteiger. Sportvorstand Robin Dutt spricht Trainer Huub Stevens trotzdem weiter das Vertrauen aus.

Von Andreas Reiners und Thorsten Siegmund

Huub Stevens schritt mit gutem Beispiel voran. Bereits um 9.30 Uhr traf der Trainer am Tag nach dem 0:4 bei Bayer Leverkusen auf dem Gelände des VfB Stuttgart ein.

Eine Stunde später gesellte sich Sportvorstand Robin Dutt dazu. Beide zogen sich zu einem kurzen Gespräch zurück, ehe sie die Begegnung der U19 gegen den FC Bayern verfolgten. Gemeinsam. Es wirkte wie ein demonstratives Signal.

Um kurz vor zwölf schließlich trat Dutt vor die Medienvertreter und verkündete: "Huub Stevens genießt weiter unser volles Vertrauen. Es gibt keinen Grund, nicht am Trainer festzuhalten, weil das Auftreten der Mannschaft stimmt."

Zusätzliches Training

Trotz des nächsten Tiefschlags in Leverkusen und dem letzten Tabellenplatz in der Bundesliga legen die Schwaben also ihr sportliches Schicksal in die Hände des Niederländers.

Und der hatte reagiert, für 12 Uhr eine Trainingseinheit angesetzt.

"Bei einem guten Ergebnis hätten wir frei gemacht, so können wir es nicht machen", hatte Stevens seine Maßnahme schon vorher begründet.

Dutts Auftrag

Dutt war schon unmittelbar nach der Schlappe in Leverkusen nicht in helle Aufregung und Aktionismus verfallen.

"Wir haben uns immer eindeutig positioniert und uns in den letzten Wochen nicht an der Trainerfrage beteiligt. Wir haben dem Trainer den Rücken gestärkt, das machen wir auch in dieser Situation", sagte Dutt. Schickte aber auch gleich einen Auftrag hinterher: "Es ist klar, dass wir unsere Punkte jetzt vor allem Zuhause holen müssen."

Auch die Spieler stellten sich vor den Trainer. Auch wenn der Wert der Aussagen übersichtlich ist. Denn was sollen sie als Angestellte des Klubs auch anderes sagen.

Spaß mit Stevens

"Wenn man sieht, wie wir die letzten Spiele angegangen sind, gibt es keine Diskussion, ob uns der Trainer nicht mehr erreicht", sagte Christian Gentner. Und Timo Werner unterstrich: "Es macht Spaß mit ihm und er bringt uns voran. Das Spiel haben wir nicht wegen der Taktik verloren, sondern wegen anderer Sachen."

Doch bei allen offiziellen Treuebekundungen ist auch klar: Die Luft für den VfB wird dünner und dünner, dem Klub laufen langsam aber sicher die Spiele weg.

Alexander Zorniger steht als Nachfolger für die Zeit nach Stevens bereit, doch offenbar scheuen sich die Verantwortlichen davor, den neuen Coach durch die Mammut-Aufgabe auf Anhieb zu verbrennen, als Abstiegstrainer zu brandmarken.

Gut möglich aber, dass der neue Trainer so im Sommer den Wiederaufstieg in die Bundesliga in Angriff nehmen muss. Was beim aktuellen Zustand der Mannschaft keine minder schwere Aufgabe wäre.

So oder so: Es ist ein schmaler Grat und ein unangenehmer Spagat, den man beim VfB vollzieht. Und er wird mit jeder Niederlage unangenehmer.

Stevens spürt noch den Glauben der Spieler

Doch Stevens ist um Optimismus bemüht. "Ich weiß, dass ich kämpfen muss. Wenn ich spüre, dass die Spieler nicht mehr an mich glauben, melde ich mich beim Verein. Ich konzentriere mich auf meine Aufgabe", sagte der Niederländers.

Doch die wird nicht einfacher, im Gegenteil.

Seit nunmehr neun Spielen sind die Stuttgarter ohne Sieg, mit nur 20 Punkten liegen sie nach 25 Spielen weiter am Tabellenende. Stevens hatte erst am 25. November 2014 Armin Veh beerbt. Seitdem ist von einer Verbesserung der Lage aber nichts zu sehen.

Hoffnung aus erster halben Stunde

Doch Stevens kann auch aus einem 0:4 noch etwas Positives ziehen. "In den ersten 30 Minuten haben wir den besten Fußball gespielt, seit ich hier Trainer bin", sagte er.

Eine bemerkenswerte Aussage, die hinsichtlich des Zustands beim VfB tief blicken lässt. Denn ein Spiel dauert ja bekanntlich 90 Minuten. Und die verbliebene Stunde befand sich der VfB in beängstigenden Auflösungserscheinungen.

Auf dem Feld sowieso, aber auch im Fanblock. Nach dem 0:4 verließen zahlreiche Anhänger fluchtartig das Stadion. Hatten sie in den vergangenen Wochen noch leidenschaftlich mit den Spielern nach dem Abpfiff diskutiert, nahm nun der Großteil Reißaus.

Ein untrügliches Alarmzeichen.

Ebenso wie das fahrige, fehlerhafte und leidenschaftslose Spiel des VfB, der sich praktisch ohne Gegenwehr in sein Schicksal ergab und wie ein Absteiger spielte.

Hochform nur auf der Pressekonferenz

Zumindest Stevens war auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zur Hochform aufgelaufen.

"Wie man auch aufstellt – es geht immer um Ballbesitz und Ballverlust. Ich finde es immer so super, dass man von bestimmten Leuten hört, dass wir nur defensive Leute auf dem Platz haben. Ich schaue immer, was wir zur Verfügung haben", sagte Stevens.

Schwieg und schaute mit grimmigem Blick in die Runde. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass mit dem Spielermaterial derzeit schlicht nicht mehr möglich ist. 

Schließlich giftete Stevens: "Und gleich kommt die Frage: "Warum hat Ibisevic nicht gespielt?'". Eine Steilvorlage, klar. Denn natürlich kam die Frage.

"Da musst du alles geben"

"Haben Sie die letzten Spiele von uns gesehen? Jeder Spieler hat jeden Tag die Chance", wetterte Stevens.

Bleibt die Frage, ob Stevens selbst auch bei einer Niederlage am kommenden Samstag gegen Eintracht Frankfurt noch eine weitere Chance hat.

"Es gibt nur einen Weg. Es sind noch neun Spiele. Da musst du alles geben", betonte Stevens mit nachdruck und unterstrich, dass ihn der Tabellenstand nicht interessiere.

Er dürfte so ziemlich der Einzige sein.

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