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Thomas Berthold über Robin Dutt
Für SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold (l.) ist Robin Dutt nicht unschuldig an der Stuttgarter Krise © SPORT1/getty

Thomas Berthold erklärt in seiner SPORT1-Kolumne, warum er sich inzwischen gegen einen Trainerwechsel in Stuttgart ausspricht. Die Probleme sieht er anderswo.

Hallo Fußball-Freunde,

der Abstiegskampf in der Bundesliga ist nach dem 25. Spieltag spannender als jemals zuvor.

Nur Hertha hat gepunktet, alle anderen Teams im Tabellenkeller haben verloren. Auch der VfB Stuttgart, der weiterhin Tabellenletzter ist.

Vor einigen Wochen habe ich an dieser Stelle die Ablösung von Huub Stevens in Stuttgart gefordert. Aber in der jetzigen Phase muss ich sagen: Es gibt mehr Argumente gegen einen Trainerwechsel als dafür.

Die Probleme des VfB entstanden schließlich nicht erst in dieser Saison, das sind Entwicklungen, die über Jahre schief gelaufen sind. Dafür kann man keinen Trainer verantwortlich machen, der erst 13 Spiele absolviert hat.

Man muss höchstens Robin Dutt fragen, warum er in der Winterpause nicht den ein oder anderen Spieler geholt hat. Es wurde nicht auf die Ausfälle von Antonio Rüdiger und Daniel Didavi reagiert.

Auf der Sechs gibt es mit Carlos Cruezo und Oriol Romeo Alternativen. Da stellt sich schon die Frage, warum man noch einen Sechser geholt hat. Im offensiven Mittelfeld haben die Stuttgarter außer Alexandru Maxim, den ich im Übrigen für den besten VfB-Spieler halte, nichts. Und in der Abwehr wird der verletzte Rüdiger schmerzlich vermisst. Ein junger Spieler wie Timo Baumgartl macht natürlich Fehler. Aber auf dieser Position werden solche Fehler gnadenlos bestraft.

Was Huub Stevens angeht, stellt sich die Frage: Welche Alternativen gibt es, welches Risiko geht man ein?

Der neue Trainer bräuchte ja auch wieder eine gewisse Eingewöhnungszeit von ein paar Wochen. Diese Zeit hat man jetzt nicht mehr. Diese Zeit hat keiner der Klubs, die da unten stehen. Wenn der neue Coach das erste Spiel gleich verliert, ist die Wirkung des Trainerwechsels sofort verpufft.

Das trifft auch auf Hannover 96 zu, wo Tayfun Korkut immer mehr unter Druck gerät. Aber gegen eine Mannschaft wie Gladbach kann man ohnehin verlieren. Gleiches gilt auch für den VfB, der in Leverkusen verloren hat. Punkten muss man gegen andere Mannschaften.

Die sogenannten K.o.-Spiele gegen die direkten Rivalen im Abstiegskampf entscheiden um den Klassenerhalt, darauf kommt es in der nächsten Zeit an. Dann geht es darum, wer mental besser drauf ist, um dann auch mal drei Punkte einzufahren.

Dann wird sich zeigen: Wer hat den besseren Charakter, wer hat die bessere Einstellung? In diesen Spielen gibt es keinen Schönheitspreis zu gewinnen.

Grundsätzlich bleibe ich dabei: Die Mannschaften in der Tabelle bis einschließlich Berlin spielen die beiden Abstiegsplätze und den Relegationsplatz aus.

Stuttgart hat noch Heimspiele gegen den HSV und gegen Freiburg und tritt am 34. Spieltag in Paderborn an. Es ist also noch alles drin für den VfB, zumindest der Relegationsplatz. Bis dahin sind es ja nur drei Punkte.

Wenn man Platz 16 erreicht, hat man zwei Endspiele gegen einen Zweitligisten. Und wenn man es als Erstligist dann nicht schafft, diese Chance zu nutzen wie der HSV in der Vorsaison, dann hat man es auch nicht verdient, in der Bundesliga zu bleiben.

Bis zum nächsten Mal, Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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