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SPORT1-Experte Thomas Strunz prangert in seiner Kolumne ein deutsches Mittelstürmer-Problem an. Lob findet er dagegen für Gladbachs Sportdirektor Max Eberl und Bayerns Arjen Robben.

Hallo Fußball-Freunde,

mit Blick auf die Länderspiel gegen Australien und in Georgien ist mir aufgefallen: Die Hierarchie der deutschen Mannschaft ist zuletzt durch die vielen Rücktritte ins Wanken gekommen. Innerhalb der Gruppe ist eine Findungsphase zu erkennen.

Die Dreierkette ist schön, aber schwer umzusetzen, wenn man nur ein paar Tage Zeit hat. Viele übrigens, die aktuell Rechtsverteidiger spielen, sind eigentlich Mittelfeldspieler. Da muss eine Spezialisierung und ein Umdenkprozess stattfinden.

Es gibt keine herausragenden Spieler mehr auf dieser Position, da wurde in der Ausbildung in den letzten Jahren etwas verpasst.

Wir haben auch kaum noch deutsche Stürmer, die in ihrer Mannschaft Stammspieler sind. Es gibt nur drei Mannschaften, die mit einem deutschen Spieler vorne spielen: Frankfurt mit Alex Meier, Gladbach mit Max Kruse und Stuttgart gerade erst wieder mit Daniel Ginczek. Pierre-Michel Lasogga war in Hamburg zuletzt lange verletzt.

Es gibt also keine deutschen Mittelstürmer mehr, das ist ein echtes Problem.

Ich war übrigens schon im Vorjahr überrascht, dass Lukas Podolski bei der WM dabei war. Er hat nicht regelmäßig gespielt, bei Inter ist die Lage jetzt sogar eine Katastrophe für ihn.

Das ist auch bitter für alle anderen offensiven Außenbahnspieler, die sich in der Bundesliga durchgesetzt haben, aber nie eine echte Chance bekommen, weil Joachim Löw auf Podolski setzt.

Loben will ich Gladbachs Sportdirektor Max Eberl: Ich finde, dass er in den letzten Jahren unglaublich an Profil gewonnen hat. Die meisten Spieler, die Max Eberl geholt hat, haben funktioniert.

Er hat ein gutes Gespür für Spieler, die zum Trainer passen. In den letzten Jahren haben die Gladbacher immer eine Entwicklungsstufe mehr genommen. Sie sind jetzt nicht mehr nur eine reine Kontermannschaft, sondern spielen jetzt Ballbesitz-Fußball.

Anders sieht die Situation nach dem Trainerwechsel beim HSV aus, wo man gehofft hatte, dass Joe Zinnbauer die Saison noch rettet - und dass man dann im Sommer einen neuen Trainer mit großem Namen hat.

Ich glaube, dass es Thomas Tuchel wird - aber nur, wenn der HSV in Liga eins bleibt.

Peter Knäbel hat inhaltlich keine richtigen Erfahrungen, was die Trainingsarbeit angeht. Deswegen ist die Verpflichtung von Peter Hermann als Co-Trainer sehr wichtig.

Ich finde es auch richtig, künftig nicht mehr mit Rafael van Vaart zusammenzuarbeiten - der Schritt ist überfällig.

Noch ein Blick zum FC Bayern: Dort wiegt der Ausfall von Arjen Robben schwer: Für mich ist er seit 18 Monaten der beste Spieler in der Bundesliga.

Von seiner Effektivität und seiner Mannschaftsdienlichkeit her ist er einzigartig. Er freut sich auf jedes Spiel, damit reißt er die Mannschaft mit.

Er ist ein Leader und für die Bayern sein Ausfall deshalb ein Riesenproblem.

Das Spiel gegen Leverkusen im DFB-Pokal wird daher der erste Gradmesser sein. Sie können mit ihrer Spielweise die Bayern ärgern. Gegen Porto in der Champions League werden die Bayern aber auch ohne Robben weiterkommen.

Bis demnächst,

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz wechselt sich in dieser Saison als Experte im Volkswagen Doppelpass und bei der sonntäglichen SPORT1-Kolumne mit Thomas Helmer und Mario Basler ab.

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