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München - Ein Jahr nach seiner Verurteilung taucht Uli Hoeneß wieder verstärkt beim FC Bayern auf. Mit dem prominenten Freigänger soll die Nachwuchsabteilung die Konkurrenz wieder überholen.

Über die Stufen am Mainzer Bruchweg ging es für Uli Hoeneß zurück in Richtung Normalität.

Er setzte sich auf die Tribüne und machte das, was er früher jedes Wochenende gemacht hatte: Hoeneß sah sich ein Spiel des FC Bayern an.

Allerdings war an diesem Märzsonntag alles eine Nummer kleiner. Auf dem Rasen standen die A-Jugendteams von Mainz 05 und des FC Bayern. Den 2:0-Erfolg der Münchner verfolgten ganze 200 Zuschauer.

Trotzdem hatte das Spiel eine historische Dimension. Schließlich besuchte Uli Hoeneß zum ersten Mal als Freigänger und Mitarbeiter der Bayern-Jugend ein Stadion. Das fast ein Jahr nach seiner schwersten Niederlage. 

Am 13. März 2014 verurteilte ihn das Landgericht München zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Hoeneß hatte Steuern in Höhe von 28,5 Millionen Euro hinterzogen. Der gefallene Bayern-Patron nahm die Urteilsverkündung auf der Anklagebank regungslos hin.

Seit 2. Juni im Gefängnis

Einen Tag später legte er seine Ämter beim Rekordmeister nieder und bereitete sich auf den Haftantritt vor. Hoeneß' Leben in der Justizvollzugsanstalt Landsberg begann schließlich am 2. Juni.

Damit brach auch eine Zeit der Spekulationen an. Die Fragen: Wie verkraftet Hoeneß seine Zeit hinter Gittern? Kehrt er jemals wieder zum FC Bayern zurück? Und wenn ja, in welcher Rolle?

Erste Antworten gab der Rekordmeister im November. Bayern-Präsident Karl Hopfner verkündete bei einer Pressekonferenz Hoeneß' Comeback.

Fester Arbeitsplatz als Voraussetzung

Die Münchner schufen einen Posten in der Jugendabteilung. Ein fester Arbeitsplatz war Voraussetzung für Hoeneß' Hafterleichterung. Nun verbringt der Verurteilte die Nächte in Freigängerhaus Rothenfelde, zwischen 9 und 17 Uhr arbeitet er werktags an der Säbener Straße.

Die Jobbeschreibung klingt sperrig: Hoeneß heißt offiziell "Assistent der Abteilungsleitung Junior Team". Doch der 63-Jährige schleppt bei seinem Verein nicht den Ballsack oder baut einen Stangenparcours auf.

Hoeneß ist da, um die Zukunft seines Klub erfolgreich zu gestalten. 

Es gibt schließlich Nachholbedarf. Während die Profis auf dem Weg zum Titelhattrick sind, hinken die Bayern im Nachwuchsbereich hinterher. 

VfL Wolfsburg, Schalke 04, TSG Hoffenheim stellen die Topteams. Um es mit Hoeneß zu sagen: Der FC Bayern sieht die Konkurrenz derzeit mit dem Fernglas. 

"Wir werden da jetzt Vollgas geben. Davon kann jeder in der Liga ausgehen", erklärte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im Vorjahr. In ein neues Nachwuchsleistungszentrum wollen die Bayern angeblich 35 Millionen Euro investieren.

Müller freut sich auf Hoeneß

Das hören auch einige Bundesliga-Profis gerne. Thomas Müller würde sich freuen, wenn wieder mehr Talente den Sprung in den Profikader schaffen würden. Ihm ist das gelungen, Holger Badstuber ist es gelungen.

Später kam David Alaba dazu, und dann so recht keiner mehr. "Deswegen ist Uli Hoeneß wichtig für den Nachwuchsbereich, damit dieser etwas besser wird", sagte der Torjäger zuletzt im SPORT1-Interview.

Auch Bastian Schweinsteiger glaubt, dass es mit Hoeneß wieder aufwärts geht. "Der Nachwuchs kann viel von ihm profitieren, gerade von seiner Erfahrung. Er ist immer das Herz des Vereins gewesen. Und das ist er immer noch", sagte der Vizekapitän jüngst bei SPORT1.

Hoeneß selber vermeidet öffentliche Statements. Was nicht heißt, dass er nur im Verborgenen arbeitet. So traf SPORT1-Chefreporter Christian Ortlepp den Freigänger im Februar zufällig beim Jugendtraining. Er sah einen Mann, der im Gefängnis rund 20 Kilogramm abgenommen hat.

Vorbild FC Barcelona 

Hoeneß ist also topfit für kommende Aufgaben. Gemeinsam mit Michael Tarnat, dem Leiter der Nachwuchsabteilung, und dem Technischen Direktor Michael Reschke soll er an Zukunftskonzepten feilen.

Der FC Barcelona mit seiner Akademie "La Masia" gilt dabei als großes Vorbild. Die Katalanen schaffen sich selber ihre Stars. Einst waren es Xavi, Andres Iniesta und Lionel Messi.

Heute sind es Rafinha, Marc Bartra und Munir El Haddadi.

Auch der FC Bayern hat Juwelen, doch diese müssen noch geschliffen werden. Gianluca Gaudino, der zu Saisonbeginn vier Bundesligaspiele bestritt. Lucas Scholl, der Spielgestalter der Münchner U 19. Oder der 16-Jährige Felix Götze, der seinem Bruder Mario zum FC Bayern folgte.

Ob sie die Gesichter der Bayern-Zukunft werden, kann aktuell niemand sagen. Einst ist sicher: Einzelgespräche mit einem Uli Hoeneß dürften den Ehrgeiz der Talente verstärken.

Der Bayern-Patron kann begeistern, Traumtänzer aber auch schnell wieder einnorden.

Entlassung im März 2016 möglich

Für Hoeneß ist diese Phase des Strafvollzugs also mehr als eine Übergangslösung. Im März 2016 könnte sie vorbei sein. Da hat Hoeneß die Hälfte seiner Haftstrafe verbüßt. Bei guter Führung könnte er darauf hoffen, dass der Rest zu Bewährung ausgesetzt wird.

Ein weitere Amtszeit als Präsident ist nicht ausgeschlossen, Hopfner will sich seinem Freund nicht in den Weg stellen. 

Hoeneß' Rede kurz vor Haftantritt lässt auch auf ein Comeback schließen. "Dann, wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zu Ruhe setzen. Das war es noch nicht", hatte er bei der Mitgliederversammlung ins Mikrofon gebrüllt.

Sein nächster Schritt zurück zur Normalität wird erstmal die Rückkehr in der Arena sein. Sein Ehrenplatz ist seit dieser Saison verwaist.

Womöglich steht zunächst der Besuch des Robert-Schlienz-Stadions auf dem Programm: Dort spielt am Samstag der VfB Stuttgart gegen den FC Bayern.

A-Jugend. Vor wenigen hundert Zuschauern.   

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