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Jürgen Klopp von Borussia Dortmund und Lucien Favre von Borussia Mönchengladbach im Gespräch
Jürgen Klopp (l.) hofft gegen den FC Bayern auf einen ähnlichen Coup wie er zuletzt Lucien Favre mit Gladbach gelang © getty

Dortmund - Vor dem Duell mit dem FC Bayern nimmt sich der BVB-Trainer seinen Gladbacher Kollegen zum Vorbild. Schnelle Konter und ein Systemwechsel sollen den Erfolg bringen.

Wenn Jürgen Klopp sich in dieser Woche auf das Duell mit dem FC Bayern (Sa., ab 18 Uhr LIVE im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) vorbereitet, wird er sich einen geschätzten Kollegen zum Vorbild nehmen: Lucien Favre.

Klopp und Favre, das sind zwei, die sich schätzen. Beide fußballverrückt, beide detailverliebt, beides Taktikexperten. Der Schweizer Coach von Borussia Mönchengladbach hat sich in seiner Laufbahn als veritabler Bayern-Besieger erwiesen. Vier Mal hat er die Münchner mit Hertha BSC und Gladbach in der Bundesliga schon bezwungen.

Zum letzten Mal vor anderthalb Wochen. Da gewann sein Team in der Allianz Arena mit 2:0 und brachte dem souveränen Tabellenführer die erste Heimniederlage der Saison bei.

Kontern, kontern, kontern

Geht es nach Klopp, steht am Samstag gegen 20.17 Uhr die zweite Auswärtsniederlage für den alten und neuen Deutschen Meister fest. Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, liegt die DVD vom Gladbach-Sieg ganz oben in Klopps Ablage.

Mit der Favre-Taktik zum Erfolg? Die Möglichkeiten dazu besitzen die Dortmunder allemal. "Wir haben da schon eine Chance. Wir können unser Konterspiel ausspielen, was unsere Stärke ist", sagte Allrounder Oliver Kirch vergangene Woche bei einer Talkrunde des BVB-eigenen TV-Senders.

Die Kontertaktik führte auch die Gladbacher Borussia am 26. Spieltag zum Sieg. Am Ende standen dabei zwar nur 32 Prozent Ballbesitz, aber eben auch die Null.

"Zack, zack, Tor!"

"Gegen Bayern wird es ein ganz spezielles Spiel und seit langem mal wieder eins, das wir vielleicht, was Ballbesitzphasen angeht, aus der Hand geben werden", sieht Kirch eine ähnliche Herangehensweise.

Der Plan: Die gewohnt hoch stehenden Bayern kommen lassen, um nach erfolgreicher Balleroberung aus einer kompakten Defensive heraus blitzschnell zuzuschlagen.

Kirch, der Klopp in den nächsten Wochen aufgrund einer Sehnenzerrung im linken Knie fehlen wird, beschreibt das Vorgehen so: "Wir können den Bayern ein bisschen das Feld überlassen und dann geht es mit unseren schnellen Leuten: Zack, zack, Tor!"

Doch kann der BVB das auch so effizient wie die Gladbacher umsetzen? Die schossen in München nur vier Mal aufs Tor, zwei Schüsse waren drin, einer davon dank Manuel Neuers tatkräftiger Unterstützung. Gerade die Chancenverwertung zählte in dieser Saison nicht zu den Stärken der schwarzgelben Borussen. Effektivität wird aber am Samstag mehr denn je gefragt sein.

4-4-2 statt 4-2-3-1?

Die Gladbacher machten den Bayern im 4-4-2-System mit Andre Hahn und dem zweifachen Torschützen Raffael in der Spitze den Garaus.

Dortmund könnte nach diesem Vorbild mit seinen schnellen Angreifern Marco Reus und Pierre-Emerick Aubameyang agieren. Für die notwendigen Sprints in die Tiefe ist das Duo prädestiniert. Doch ob Klopp vom gewohnten 4-2-3-1-System abrückt und die Formation ändert, erscheint fraglich.

Im 4-4-2 lief die Klopp-Elf in der Liga in dieser Saison nur im Hinspiel bei Schalke 04 auf. Eine Fortsetzung dieser Strategie gab es nicht, auch weil Ciro Immobile und Adrian Ramos bei der 1:2-Derbyniederlage kein Empfehlungsschreiben abgaben.

Im Hinspiel mit zwei Dreierreihen

Vielversprechender erscheint da schon die Dortmunder Taktik aus dem Hinspiel in München, wo der BVB beim 1:2 nah dran war, etwas mitzunehmen. 

Damals überraschte Klopp mit einem 4-3-3. Die Mittelfeldreihe bildeten Sebastian Kehl zentral, Henrikh Mkhitaryan links und Sven Bender auf der rechten Seite. Vorne machten Reus, Shinji Kagawa und Aubameyang die Räume eng.

Trotz des Heimvorteils wird die Borussia auch am Samstag wohl zunächst abwartend agieren und die Bayern kommen lassen. Das extrem frühe Gegenpressing in vorderster Linie, das sonst so typisch ist für den BVB, wäre eher kontraproduktiv.

Jüngster Sieg im Supercup

In der Vorsaison hatte in den Bundesliga-Duellen der beiden Topteams jeweils die Auswärtsmannschaft mit 3:0 gesiegt. Vor knapp einem Jahr traten die Dortmunder ebenfalls in einer 4-4-2-Formation an, mit Reus und Aubameyang an vorderster Front.

Pierre-Emerick Aubameyang jubelt im Supercup als Spiderman
Im Supercup siegten "Spiderman" Aubameyang und Co. im Signal Iduna Park gegen den FC Bayern © getty

Der letzte Sieg gegen den Rekordmeister liegt aber gar nicht so lange zurück. "Im Supercup haben wir sie zuhause geschlagen", erinnert sich Kirch an das 2:0 im August. Da bildeten Immobile und Aubameyang die Doppelspitze im - Favre, ick hör dir trapsen - 4-4-2-System.

Dabei präsentierte der Comic-affine Torschütze Aubameyang auch erstmals seinen Masken-Jubel, als er "Spiderman" aus dem Stutzen zog. Geht es nach den BVB-Fans, ist es an der Zeit für ein neues "Zack, zack, Tor!"-Abenteuer der Derbyhelden Batman und Robin.

Aber wer weiß: Vielleicht zaubert ja auch Jürgen Klopp eine Favre-Maske hinter der Trainerbank hervor.

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