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Fritz Sörgel gehört der Evaluierungskommission an © Imago

Kommissions-Mitglied Fritz Sörgel kritisiert die Einstellung des DFB bei der Doping-Affäre. Der Verband dürfe derartige Vorfälle nicht einfach ignorieren. Auch einen Kollegen greift Sörgel an.

Pharmakologe Fritz Sörgel nimmt den DFB bei der offenbar dunklen Doping-Vergangenheit der Bundesliga in die Pflicht und kritisiert die Haltung des Verbandes.  "Der Deutsche Fußball-Bund sitzt da wie ein Buddha in Frankfurt", meinte das Mitglied der untersuchenden Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin im Interview mit sueddeutsche.de.

Er ergänzte: "Fußball als Sport Nummer eins in Deutschland hat eine hohe gesellschaftliche Verantwortung. Er kann sich nicht erlauben, dass etwas ungeklärt bleibt." Auch die Zusammensetzung der Ethikkommission beim DFB halte er für fragwürdig. "Ich vermute, der Verband wird eine Erklärung herausgeben, die lauten wird: 'Es gibt kein Dopingproblem im Fußball.' Und das mit einem beliebten Satz des Kohl-Nachfolgers Schröder versehen: 'Und damit basta!'"

Diese Einstellung teile Sörgel nicht. Er verweist dabei vor allem auf die unterklassigen Ligen. "Eben wurde ein Spieler des Viertligisten Rot-Weiss Essen gesperrt, weil bei ihm wie bei der Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle in einem Nahrungsergänzungsmittel Methylhexanamin entdeckt worden war", erklärte er. "Ich bin skeptisch, ob die Geschichte stimmt, es riecht mir zu sehr nach dem Sachenbacher-Fall als Vorbild. Man muss genauer hinschauen."

Eine zentrale Figur der Doping-Affäre soll der ehemalige Freiburger Sportmediziner Professor Armin Klümper (79) gewesen sein. Er soll dem Bericht der Kommisssion zufolge Spieler beim VfB Stuttgart und dem SC Freiburg in den "späten 1970er und frühen 1980er Jahren" mit Anabolika versorgt haben.

Diese Ergebnisse seien deshalb interessant, weil sie eine ganz andere Qualität hätten "als all das, was bislang bekannt war", meinte Sörgel: "Ich kann aber keine weiteren Details nennen, die die Kommission zutage gefördert hat. Mich als Pharmakologe interessiert dabei vor allem, was der Arzt Klümper alles verabreicht hat, was er sich dabei gedacht hat und wie das alles wirkte."

Gleichzeitig kritisierte er Kommissionsmitglied Andreas Singler, der erste Erkenntnisse der Ermittlungen der Evaluierungskommission an die Öffentlichkeit gebracht hatte.

"Das Verhalten von Singler ist dreist", sagte der Anti-Doping-Experte. "Letizia Paoli (die Vorsitzende der Kommission, Anm. d. Red.) hat uns Mitglieder mehrmals darauf hingewiesen, dass jetzt noch nichts publiziert werden darf. Die Kommission wollte ungestört und sachlich arbeiten, nicht das Spektakuläre in den Vordergrund stellen. Das Vorpreschen von Singler schadet der Kommission."

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