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Hannover - Treueschwur oder Trainerwechsel - nach der Niederlage gegen Borussia Dortmund müssen die 96-Verantwortlichen entscheiden, wie es mit dem Chefcoach weitergeht.

Martin Kind verkniff sich nach dem nächsten schmerzlichen Tiefschlag ein Treuebekenntnis zu Tayfun Korkut.

Der mächtige Präsident von Hannover 96 ließ sich vor den anstehenden Krisensitzungen alle Optionen offen.

Hannover 96 v Hamburger SV - Bundesliga
Martin Kind ist seit 1997 Präsident von Hannover 96 © Getty Images

Räumt der 70-Jährige seinem Trainer trotz des anhaltenden Sinkflugs mit zehn Spielen ohne Sieg eine letzte Galgenfrist ein oder drängt er trotz eines "charakterstarken Auftritts" gegen Borussia Dortmund auf einen sofortigen Schlussstrich?

Sportdirektor Dirk Dufner sprach sich in seinem ersten Statement nach dem Schlusspfiff zumindest vorsichtig für einen Verbleib Korkuts aus.

"Stand jetzt ist die Tendenz, dass wir mit derselben Besetzung in das Spiel in Frankfurt gehen", sagte der 47-Jährige nach der bitteren 2:3 (1:1)-Pleite gegen den BVB: "Wir werden uns in Ruhe zusammensetzen und die Frage beantworten, ob wir mit dem Trainer den Abstieg vermeiden können." (Datencenter: Ergebnisse und Spielplan)

"Spüre immer noch das Vertrauen"

Die Niedersachsen hatten einen durchaus engagierten Auftritt gezeigt, doch unter dem Strich trennen sie jetzt nur noch zwei Punkte vom Relegationsplatz 16. (Datencenter: Tabelle)

Die dramatische Lage könnte den Zahlenmenschen Kind zum Handeln bewegen.

Dessen ist sich auch Korkut absolut bewusst, der trotz der dritten Niederlage in Serie weiter kämpferisch auftrat.

"Man hat gesehen, dass die Mannschaft unbedingt wollte. Wir haben es bis zur letzten Sekunde versucht", sagte der Deutsch-Türke, der zum Jahreswechsel 2013/14 Mirko Slomka beerbt hatte: "Wir sind jetzt mittendrin im Abstiegskampf und es geht um die Zukunft von Hannover 96. Ich habe die größte Verantwortung, spüre aber immer noch das Vertrauen."

Bärendienst von Bittencourt

Tiefe Augenringe zeichneten das Gesicht des Chefcoaches, der mit der spielentscheidenden Gelb-Roten Karte für Leonardo Bittencourt (55.) ebenso haderte wie der Mittelfeldspieler selbst.

"Ich hätte mir ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl gewünscht. Ich renne da nicht geisteskrank rein. Das tut mir unheimlich leid für die Mannschaft", zeigte sich Bittencourt zerknirscht.

Korkuts bis dahin tonangebende Mannschaft verlor danach vorübergehend die Ordnung, Doppeltorschütze Pierre-Emerick Aubameyang (19., 61.) und Shinji Kagawa (57.) sorgten vor 49.000 Zuschauern für die Entscheidung zugunsten der Westfalen. (Die Highlights zum Nachhören auf SPORT1.fm)

In der Schlussphase warfen die Gastgeber in Unterzahl zwar noch einmal alles nach vorne und bewiesen eine intakte Moral. Doch mehr als der zweite Treffer von Kapitän Lars Stindl sprang nicht mehr heraus (31., 82.).

Zieler macht sich für den Trainer stark

Ob die Roten die anstehende Länderspielpause für neue Impulse von der Trainerbank nutzen oder an Korkut festhalten, wollen Kind und Dufner in den kommenden Tagen klären.

Für Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler kann die Entscheidung dabei aber nur zugunsten Korkuts ausfallen. "Warum soll es nicht weitergehen?", fragte der 26-Jährige. Nach so einem Spiel gebe es überhaupt keinen Anlass für Diskussionen: "Ich bin nach wie vor von den Qualitäten des Trainers überzeugt."

Auch der Pechvogel des Tages sprach sich für seinen Chefcoach aus. "Mit elf Mann hatten wir gute Karten, das Spiel zu gewinnen", sagte Bittencourt: "So ist es einfach bitter. Wir müssen uns gemeinsam mit dem Trainer aus dieser Situation befreien."

Fraglich ist nur, ob Kind dies auch so sieht.

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