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München - Vor dem Klassiker zwischen Dortmund und Bayern spricht Trainerlegende Ottmar Hitzfeld bei SPORT1 über die Brisanz der Partie, Pep Guardiolas Pläne und die beiden Klubs.

Kaum einer kennt Borussia Dortmund und den FC Bayern besser als Ottmar Hitzfeld. Insgesamt sieben Meisterschaften und zwei Champions-League-Titel feierte er als Trainer beider Vereine.

Von 1991 bis 1997 coachte er den BVB, später verbrachte der mittlerweile im Ruhestand angekommene 66-Jährige sieben Jahre beim Rekordmeister.

Vor dem Duell seiner beiden Ex-Klubs am Samstag (ab 18 Uhr LIVE im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) erklärt Hitzfeld, warum das Aufeinandertreffen trotz der Differenz in der Tabelle nicht an Brisanz verloren hat, was in Dortmund im Sommer geschehen muss und was der Ausfall von Arjen Robben für den FCB bedeutet.

SPORT1: Den FC Bayern und den BVB trennen in dieser Saison im Gegensatz zu den Vorjahren sportlich Welten. Hat das Spiel dennoch die Brisanz wie vor ein, zwei Jahren und in den 90er Jahren?

Ottmar Hitzfeld-1997-Borussia Dortmund
1997 gewann Ottmar Hitzfeld mit dem BVB die Champions League © Getty Images

Ottmar Hitzfeld: Ich glaube, dass es nach wie vor ein Prestigeduell ist. Gerade für die Borussia und vor allem für die eigenen Fans ist ein Erfolgserlebnis gegen die Bayern enorm wichtig, um den internationalen Wettbewerb doch noch zu erreichen.

SPORT1: Glauben Sie, dass die Europacupteilnahme noch möglich ist?

Hitzfeld: Ich habe im Winter schon gesagt, dass ich noch die Hoffnung und den Glauben habe, dass Dortmund die Qualifikation für das internationale Geschäft schaffen kann. Die Champions League sehe ich allerdings weniger, weil Gladbach und Leverkusen sehr konstant sind. Auch Schalke muss man erst noch einholen. Aber ein Europa-League-Platz ist im Bereich des Möglichen.

SPORT1: Das heißt, das Spiel gegen den FC Bayern könnte richtungweisend sein?

Hitzfeld: Natürlich. Mit dem Abstieg wird Dortmund nichts zu tun haben, der Blick muss nach oben gehen. Vor diesem Hintergrund zählt jeder Punkt.

SPORT1: Es gab Anfang Februar sogar mal Gerüchte, dass Sie als Retter in der Not Jürgen Klopp ersetzen könnten. Jetzt sitzt er wieder sicher im Sattel. Welche Konsequenzen müssen Klopp und der Klub aus dieser Saison ziehen?

Hitzfeld: Zuerst mal ist es erfreulich, wie der Vorstand auch in der Krise immer zu Jürgen Klopp stand. Das war eine Einheit, da gab es keine Sekunde zögerliches Verhalten. Der Vorstand hat Jürgen Klopp immer den Rücken gestärkt. Das schweißt natürlich zusammen. Am Ende der Saison muss man natürlich analysieren, was schief gelaufen ist, vor allem in der Vorrunde.

SPORT1: Glauben Sie, dass der BVB im Sommer reagieren wird?

Hitzfeld: Der Verein muss ja irgendwie handeln. Das Beste ist immer, ein paar Spieler auszutauschen, um Konkurrenzsituationen zu schaffen. Und man muss genau schauen, auf welche Spieler man in der Zukunft setzen kann.

Ottmar Hitzfeld-2001-Champions League- FC Bayern München
Jubel nach dem Elfmeterschießen: Bayerns Spieler feiern ihren Coach nach dem Champions-League-Triumph 2001 © Getty Images

SPORT1: Haben Sie eine Erklärung, warum diese Mannschaft trotz ihrer nominell starken Besetzung so hinter den Erwartungen zurück geblieben ist?

Hitzfeld: Nein, dafür gibt es selbst für einen Fußballfachmann keine Erklärung. Man könnte natürlich sagen, dass es an der WM gelegen hat. Aber das Problem haben andere Mannschaften ja auch gehabt. Vielleicht am ehesten noch die vielen Verletzten. Man musste immer wieder mit einer anderen Abwehr spielen, auch im Mittelfeld gab es immer wieder Ausfälle. Aber trotzdem hat man immer noch einen hochkarätigen Kader, mit dem man nie in Abstiegsgefahr hätte geraten dürfen.

SPORT1: Zum Gegner: Es ist nach der Niederlage gegen Mönchengladbach eine gewisse Nervosität in München zu spüren vor den schweren Aufgaben in Dortmund und danach im Pokal in Leverkusen. Zu Recht?

Hitzfeld: Nein. Die Meisterschaft ist Bayern nicht zu nehmen. Das ist praktisch unmöglich, so viele Punkte werden sie nicht abgeben. Natürlich hinterlässt eine Niederlage in München immer Spuren, aber ich sehe das nicht so dramatisch. Allerdings hat sich zuletzt ein bisschen herauskristallisiert, dass Robben und Ribery doch nicht zu ersetzen sind. Gerade der Ausfall von Robben ist schon gravierend und wirft die Bayern zurück.

SPORT1: Wie wichtig ist das Spiel in Dortmund für den FC Bayern?

Hitzfeld: Jedes Spiel bei Bayern ist wichtig. Ein Mal kann man einen Ausrutscher haben, aber zwei Mal hintereinander zu verlieren, würde eine gewisse Unruhe bringen.

SPORT1: Wie sehen Sie die Formkurve in der Champions League - ist der FC Bayern noch Favorit oder eher der FC Barcelona oder ein anderer Verein?

Hitzfeld: Es ist normal, dass es immer wieder mal einen Rückschlag gibt. Das ist Real kürzlich passiert, das ist auch Barcelona vor einigen Wochen passiert. Das gehört zum Verlauf einer Saison. Das darf einen nicht nervös machen.

SPORT1: Das heißt, Sie halten auch das Triple für den FC Bayern weiterhin für möglich?

Hitzfeld: Auf jeden Fall.

SPORT1: Viele vermuten, dass Pep Guardiola seine Zukunft davon abhängig machen wird, wie erfolgreich die Saison verläuft. Glauben Sie, dass er seinen Vertrag bis 2016 auf jeden Fall erfüllt?

Hitzfeld: Ja, natürlich. Ich sehe keine Veranlassung, dass er den nicht erfüllen sollte. Er hat diese Mannschaft so zusammenstellen können, sie hat sein System mit verschiedenen taktischen Formationen und Systemen verinnerlicht. Das ist aber nach wie vor in der Entwicklung, er ist noch nicht fertig mit seiner Arbeit bei Bayern.

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