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Pep Guardiola gewann 2014 mit dem FC Bayern das Double © Getty Images

München - Der FC Bayern bleibt gegen Spitzenteams anfällig bei Kontern. Bastian Schweinsteiger verteidigt Pep Guardiolas System, doch Gladbach hat einige Schwachstellen entlarvt.

Es ist ein Glaubenssatz in Pep Guardiolas Fußballsystem: Die Verteidiger sollen hoch aufrücken, helfen, den Gegner in dessen Hälfte einzuschnüren. Und nach Ballverlust soll die Kugel zurückerobert werden. Schnellstmöglich natürlich. Damit der der Gegner ja nicht kontern kann.

"Wir müssen die Konter kontrollieren", das war ein Standardsatz des Bayern-Trainers in den vergangenen Wochen. Vor den Champions-League-Partien gegen Schachtjor Donezk hörten ihn die Spieler in Dauerschleife. Vor allem wegen des 1:4 zum Rückrundenstart in Wolfsburg.

Jetzt scheint alles auf Anfang gesetzt. Das 0:2 gegen Borussia Mönchengladbach - auch begünstigt durch einen Torwartfehler von Manuel Neuer - ist das nächste Menetekel für die Bayern. An die Wand projiziert just vor dem Monat April mit Partien gegen Dortmund, Leverkusen (DFB-Pokal) und Porto (Champions League).

Die erste Pressinglinie als Knackpunkt

Andere Teams könnten Gladbach nacheifern, das hohe Verteidigen so kühl bestrafen wie die Borussen beim zweiten Streich von Raffael.

"Wir wussten, wenn wir die erste Pressinglinie der Bayern überstehen, ergeben sich dahinter Räume für uns. Das hatte ich in der Situation", sagte Vorlagengeber Christoph Kramer.

In der Spieltaganalyse auf SPORT1 analysierte Ex-Profi Stefan Schnoor die Entwicklung der Szene: "Da hat die Abstimmung gefehlt". Bastian Schweinsteiger sei fast auf der Innenverteidiger-Position gestanden, Jerome Boateng dagegen im Mittelfeld. Und der gerade eingewechselte Kapitän Philipp Lahm habe "gepennt, ist nicht mit Kramer mitgegangen".

Nur zwei Siege gegen die Top 5

Europameister Thomas Strunz hielt als Ergebnis fest: "Die Bayern haben Probleme gegen Mannschaften, die defensiv viel spielerisch lösen". Soll heißen, wem es gelingt, von hinten raus trotz Dauerdrucks schnell das Spiel aufzubauen, der kann die Münchner Maschine aushebeln.

Spitzenteams in der Bundesliga können dem FCB so gefährlich werden. Gegen die Top 5 der Liga gaben die Bayern daher auch reichlich Punkte ab: In sieben Partien gegen Wolfsburg, Gladbach, Schalke, Leverkusen stehen bis dato nur zwei Siege zu Buche.

Fluch und Segen zugleich

Dabei hat Guardiola seit Wochen an der Feinabstimmung gearbeitet. Detailversessen und akribisch. Greift ein Rädchen ins andere, entstehen erst gar keine Räume für Konter. Und die Münchner feiern Kantersiege wie gegen Hamburg (8:0), Paderborn (6:0), Donezk (7:0) oder zuletzt in Bremen (4:0).

Das Dilemma: Das hohe Verteidigen, das Einpressen des Gegners, macht Bayern einerseits so stark und im schlechtesten Falle auch anfällig. Nutzen können das aber nur technisch versierte Teams mit schnellen Spielern.

Der FC Porto wird im Champions-League-Viertelfinale darauf schielen, und sollte es dann im Halbfinale gegen Real Madrid oder Barcelona gehen, wird die Gratwanderung noch heikler.

Hoffen auf Ribery

Wer Bayerns Flügelspiel lähmt, die Viererketten wie Gladbach fast undurchtrennbar verbindet, holt sich weitere Vorteile. "Wir haben die Zwei-gegen-Zwei- und Drei-gegen-Zwei-Situationen auf den Flügeln so gut gespielt, dass die Bayern nur über Flanken kommen konnten", kommentierte Kramer.

Bastian Schweinsteiger-David Alaba-FC Bayern München
Bastian Schweinsteiger (l.) und David Alaba diskutieren nach der Niederlage gegen Gladbach © Getty Images

Der Ausfall von Arjen Robben wiegt für die Bayern daher schwer. Umso mehr hofft man an der Säbener Straße, dass Franck Ribery nach seinen Sprungelenksproblemen rechtzeitig für den heißen Saisonendspurt fit ist.

Grundsätzlich wollen die Münchener am System der hohen Verteidigungslinie jedenfalls nichts ändern.

"Das ist unsere Philosophie"

"Das ist unsere Philosophie und die verfolgen wir", sagte Schweinsteiger bei Sky: "Wir haben auch schon viele Spiele gut gespielt, in denen wir hoch gestanden sind."

Auch Lahm will zwar die Fehler aus dem Gladbach-Spiel genau analysieren, sich jedoch keine Konterdebatte einreden lassen.

"Welche Schwäche? Wir führen die Bundesliga mit zehn Punkten Vorsprung an, stehen im DFB-Pokal und Champions League im Viertelfinale", sagte der Münchner Kapitän im Gespräch mit SPORT1.

Die Ausgangsposition für die Tod-oder-Gladiolen-Spiele, wie die K.o.-Partien seit Louis van Gaal bei Bayern heißen, ist perfekt. Das System dafür steht, inklusive des Risikos.

Um es zu minimieren, muss Guardiola seinem Team perfektes Arbeiten eintrichtern, die Szenen aus dem Gladbach-Spiel sollten als abschreckendes Exempel dienen.

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