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Gelsenkirchen - Max Meyer, Julian Draxler oder Leroy Sane: Auf Schalke ist die Nachwuchsarbeit die Lebensversicherung, sportlich wie finanziell. Gegen Real sah der Verein bereits die eigenen Möglichkeiten.

Der Jungspund mit der wilden Frisur lächelte.

Leroy Sane sprach über seinen beeindruckenden Auftritt bei Real Madrid, als hätte er bis dato nichts anderes gemacht, als sich mit Weltstars zu messen.

Dabei war der 19-Jährige im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League eingewechselt worden und hatte sein Debüt in der Königsklasse gefeiert. Dabei düpierte er Reals Stars ein ums andere Mal und schoss zur Krönung sogar ein Tor.

Auch wenn das beim sensationellen 4:3 nicht ganz zum Weiterkommen reichte.

"Besser kann man sich ein Debüt nicht vorstellen. Wir haben sehr gut Fußball gespielt, hatten keine Angst und sehr gute Chancen. Wir hätten noch ein Tor mehr schießen können. Aber da waren schon ganz gute Spieler dabei, an denen ich vorbeigelaufen bin", sagte Sane.

Leroy wer?

Ins kalte Wasser geworfen

Nicht das erste Mal, dass man sich fragt, wer die Schalker Protagonisten auf dem Platz eigentlich sind. Immer wieder bringt der Verein Jugendspieler auf den Platz, die vorher nur eingefleischte Königsblaue kannten. Und das seit Jahren.

Manager Horst Heldt hatte den Ausbau der Knappenschmiede nach seinem Amtsantritt auf Schalke forciert, nachdem die Zertifizierung der Nachwuchsarbeit vor knapp vier Jahren nicht so ausfiel, wie man sich das vorgestellt hatte.

Er stellte Geld und Personal zur Verfügung, schaffte neue Strukturen. Inzwischen gibt es bei der Zertifizierung wieder drei Sterne. Zu Recht.

So könnte das Team des FC Schalke nach der Sommerpause aussehen © SPORT1

Denn für S04 ist der schier unendliche Ertrag aus der Nachwuchsakademie unter dem Strich immer ein Gewinn. In jedem Fall aber ein Versprechen für die Zukunft.

Stattliche Ablösesummen

Zum einen kassiert der Klub, auch wenn es nicht das primäre Ziel ist, für die Eigengewächse bei einem Wechsel eine stattliche Ablösesumme, wie beispielsweise für die Weltmeister Manuel Neuer (knapp 30 Millionen Euro) oder Mesut Özil (fünf Millionen).

Oder aber der Nachwuchs verstärkt die Profi-Mannschaft nachhaltig, wie zum Beispiel die Weltmeister Julian Draxler und Benedikt Höwedes, oder aber Joel Matip oder nun eben U21-Nationalspieler Max Meyer.

70 Millionen für Draxler und Meyer

Glaubt man den kolportierten Ausstiegsklauseln, würden Draxler und Meyer bei einem vorzeitigen Wechsel mit einem Schlag rund 70 Millionen Euro in die Kassen spülen. Bei Investitionen in die Knappenschmiede im unteren einstelligen Millionenbereich in jedem Fall ein lukratives Geschäft für den Klub und letztendlich eine Art Lebensversicherung. Die Nachwuchsarbeit wird so auf Jahre hinaus gesichert.

Die Durchlässigkeit von der Jugend zu den Profis gibt Schalke bereits beim Wettbieten um die jüngsten Juwele entscheidende Argumente.

"Bei Schalke 04 die besten Karten"

"Es wird auch für uns immer schwieriger, vernünftig mitzuhalten und die Talente zu uns zu lotsen. Allerdings fällt es auch auf, dass bei einigen Vereinen trotzdem sehr wenige Spieler ganz oben ankommen. Daher sagen wir den Jungs: 'Wenn ihr in die Bundesliga wollt, dann habt ihr im Moment bei Schalke 04 die besten Karten'", sagte Schalkes Nachwuchsdirektor Oliver Ruhnert SPORT1.

Die Arbeit ist inzwischen so erfolgreich, dass sie zum Vorbild für andere Klubs in Deutschland geworden ist. Nicht umsonst hat sich der große FC Bayern bereits erkundigt, wie Schalke das mit der Nachwuchsarbeit so handhabt, selbst vom Revierrivalen Borussia Dortmund gibt es neidische Blicke rüber zum Berger Feld.

Hohes Maß an Identifikation

Denn auf Schalke bringen die Jungspunde im Gegensatz zu teuer eingekauften Stars zusätzlich ein hohes Maß an Identifikation mit, in einem Klub wie Schalke essentiell. Kaan Ayhan stammt direkt aus Gelsenkirchen, Meyer (Oberhausen), Höwedes (Haltern), Draxler (Gladbeck) oder Matip (Bochum) aus der direkten Umgebung.

Ein weiterer Vorteil: Schalke kann selbst Einfluss auf die Ausbildung nehmen, ob nun sportlich oder charakterlich. Ein wichtiger Faktor ist dabei A-Jugendtrainer Norbert Elgert, der den Rohdiamanten den Feinschliff verpasst. Und die angehenden Profis auf dem Boden hält.

"Veredler" Norbert Elgert

"Norbert Elgert ist ein absolutes Markenprodukt von Schalke 04 im U19-Bereich, weil kein anderer Trainer annähernd an seine Dienstjahre und an seine Erfolge heranreicht. Man muss ganz klar sagen: Keiner kann sie am Ende so gut veredeln wie er", sagte Ruhnert.

Doch bei aller Vorbereitung braucht es dann auch Trainer, die auf den Nachwuchs setzen. Jens Keller verstand es am besten, die Talente einzubauen. Der ehemalige Schalker Trainer hatte aus Verletzungsnot bereits in der vergangenen Saison auf zahlreiche junge Wilde zurückgegriffen und mit ihnen die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt.

Di Matteo bedient sich

Seinem Nachfolger Roberto Di Matteo fehlen wie Keller weiterhin Profis in Mannschaftsstärke, auch deshalb bedient er sich der immer mehr aus dem reichhaltigen Fundus der Knappenschmiede. Mit anhaltendem Erfolg. Mit den Youngstern ließe sich durchaus eine schlagkräftige Bundesliga-Truppe zusammenstellen.

In Madrid standen nun Talente wie Marcel Sobottka, Axel Borgmann, Thilo Kehrer, Maurice Multhaup und Janik Schilder im Kader.

Und eben Sane.

Bei seinem Namen klingelt es zumindest bei denen, die Bundesliga-Fußball bereits seit den 90er-Jahren verfolgen. Denn Leroys Vater Souleymane Sane kickte damals für Wattenscheid 09.

Von dort eiste Schalke 04 dann auch seinen talentierten Sohn los. Leroy war damals neun Jahre alt. Und ein Versprechen für die Zukunft.

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