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Thomas Müller jubelt nach dem Treffer zum 0:3 © Imago

Bremen - Thomas Müller ist beim souveränen Sieg der Bayern in Bremen der Matchwinner und gleichzeitig das Sinnbild für die Münchner Siegesserie. Der Rekordmeister hat auf alles eine Antwort.

Von Frank Hellmann

Gut, dass kein Mikrofon in der Nähe war.

Mit allerlei Theater und Theatralik lieferte sich Thomas Müller in Bremen ein langwieriges (Verbal-)Duell mit seinem raubeinigen Widerpart Santiago Garcia.

Doch rückblickend wird der Bayern-Spieler über die hitzigen Szenen mit dem Argentinier lächeln können.

Denn weder von Garcia noch von den Strapazen der Englischen Woche ließ sich Müller aus der Spur bringen.

Müller fand die Duelle mit Garcia "ganz amüsant - so war wenigsten ein bisschen Stimmung drin. Ist doch nix passiert, dann ist doch alles wieder gut."

Und so locker wie der Weltmeister die Szenen bewertete, spielte er beim 4:0-Sieg des FC Bayern bei Werder Bremen auch auf.

Thomas Müller und Santiago Garcia
Thomas Müller vom FC Bayern lieferte sich immer wieder verbissene Zweikämpfe mit Santiago Garcia vom SV Werder Bremen © Getty

Leichtfüßig, als gäbe es keine englischen Wochen. An drei von vier Toren war er beteiligt.

Es war der sechste Bundesliga-Sieg der Bayern in Folge, der Gewinn der Meisterschaft ist nur eine Frage der Zeit.

Auch Bremen war am Samstag kein ernstzunehmender Konkurrent.

Bremer zahm wie ein Schoßhund

Der im Vorfeld so aufmüpfige Widerpart gebärdete sich letztendlich wie ein Schoßhund - anstatt wie ein Tiger die Krallen auszufahren.

Die meisten Bremer Berufsfußballer hatten "einen Kolben in der Hose", wie Werder-Kapitän Clemens Fritz zu Recht kritisierte.

"Die Aussagen waren uns Spielern ziemlich egal", meinte Müller, der im medialen Verhör immer wieder dies herausstellte: "Uns war nach dem Highlight in der Champions League wichtig, dass wir im Bundesliga-Alltag  dagegenhalten."

Das aber war eingedenk der spielerischen Dominanz der bayrischen Ballzirkulationsmaschine gar nicht notwendig - teilweise kam der hanseatische Hausherr gar nicht dazu, die Zweikämpfe giftig und gallig zu bestreiten, weil der designierte Meister einfach Ball und Gegner laufen ließ.

Kunstvoller Führungstreffer

Und bezeichnend wie Müller dann den Brustlöser anbrachte: Nach einer von ihm selbst vergebenen Großchance gelangte die Kugel wieder zu ihm, wobei er dann den Ball einfach mit seinem schwächeren linken Fuß in die linke Ecke zirkelte - der gebürtige Münchner Raphael Wolf im Werder-Tor flog ins Leere (24.). Damit war der Werder-Widerstand fast schon gebrochen.

Wie hat der Kunstschütze das nur angestellt? (Die SPORT1-Noten des 25. Spieltags)

Es gebe ein "altes Gesetz", erläuterte Müller grinsend: "Man sollte mich mit links außerhalb des Strafraums nicht schießen lassen. Das haben die Bremer missachtet." Und fügte im Ernst an: "Ich habe einfach das gemacht, was zu tun war. Und mein linker Fuß hat mitgespielt."

Auf allen Positionen zu Hause

Lob gab es dafür reichlich. "Der Abschluss von Thomas war sensationell. Den schießt nicht jeder ins Tor", konstatierte der spät eingewechselte Kapitän Philipp Lahm anerkennend.

Der 62-fache Nationalspieler Müller, von dem Bundestrainer Joachim Löw beinahe noch mehr hält als Vereinstrainer Pep Guardiola, ist weit mehr als das unverwechselbare Sprachrohr, der erklärte Fanliebling oder das stets gut gelaunte Unikum des FC Bayern.

Die Nummer 25 erweist sich als höchst effizient vor dem gegnerischen Tor; ganz gleich, ob Müller nun aus dem Sturmzentrum, dem offensiven Mittelfeld oder dem rechten Flügel agiert.

So als habe es die WM in Brasilien nie gegeben, reiht er als Immer-Spieler eine Gala an die nächste.

Fünf Pflichtspieltore binnen acht Tagen sprechen eine deutliche Sprache. Zu seiner Glanzleistung im früheren Hoeneß'schen Feindesland  zählte ja auch noch, Torjäger Robert Lewandowski zweimal für einen Doppelpack (76. und 90.+1) zu servieren.

Famose Quote

In dieser Saison hat der bereits seit 15 Jahren für den FCB kickende Tausendsassa nunmehr exakt ein Dutzend Bundesliga-Tore erzielt, darüber hinaus ein Dutzend vorbereitet.

Hinzu kommen fünf Treffer in der Champions League und eines im DFB-Pokal. Seit der Mann mit den spindeldürren Waden für den Rekordmeister bei den Profis aufläuft, hat er in 189 Bundesligaspielen bereits 70-mal vollstreckt und 73-mal vorbereitet.

Eine famose Quote eines außergewöhnlichen Fußballers, bei dem sich der FC Bayern glücklich schätzen kann, ihn bis 2019 unter Vertrag zu haben.

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