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Thomas Tuchel trainierte bis Ende der vergangenen Saison den FSV Mainz 05 © Getty Images

Hamburg - Neben Dietmar Beiersdorfer gibt auch Aufsichtsrat Karl Gernandt Wissenswertes zum Hamburger Trainerkandidaten Thomas Tuchel bekannt. Bruno Labbadia bringt sich bei SPORT1 selbst ins Gespräch. Rafael van der Vaart muss gehen.

Beim Bundesliga-Dino Hamburger SV muss Kapitän Rafael van der Vaart als einer der Ersten von Bord.

Dafür soll Thomas Tuchel das schlingernde HSV-Schiff als künftiger Chefcoach wieder auf Kurs bringen:

"Alles ist offen. Bekannt ist, dass wir uns immer wieder mal austauschen", sagte Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer der Bild am Sonntag zu den Spekulationen über den 41-Jährigen, den der Klub gerne zur neuen Saison verpflichten würde.

Und fügte an: "Wir wollen versuchen, auch mal auf der Position des Trainers auf Jahre Kontinuität zu bekommen."

Auch Gernandt bereit für Tuchel

Die Planungen mit dem ehemaligen Mainzer Coach sind schon weit vorangeschritten.

Aufsichtsratschef Karl Gernandt betonte im Interview mit dem NDR-Sportclub, dass die Option mit Tuchel "sehr, sehr intensiv und detailliert durchdekliniert" worden sei. Der HSV sei bereit, "ein Konzept mit Tuchel zu gehen".

Der Fußballlehrer gilt seit geraumer Zeit als Wunschkandidat bei den Norddeutschen. Bei Beiersdorfer klang es das Bemühen um ihn gar nach einer Art Zwang: "Es wäre aus unserer Sicht nicht machbar gewesen, sich nicht um Thomas Tuchel zu kümmern."

Zu den finanziellen Konditionen einer Verpflichtung sagte Gernandt: "Thomas Tuchel kostet viel Geld. Ob er teuer ist, muss man rausarbeiten. Wenn er es wert ist, ist er nicht teuer."

Labbadia bringt sich ins Spiel

Sollte der HSV Tuchel nicht überzeugen können, würde Bruno Labbadia gerne zu den Hanseaten zurückkehren.

"Es gibt wenige Klubs, die mir so nahe stehen wie der HSV", sagt der 49-Jährige, der den Klub 2009/10 trainiert hatte, im Interview mit SPORT1.

"Ich habe immer gesagt, dass Hamburg einer der Vereine ist, die man sich immer vorstellen kann - zumal ich für mich die Sache nie beendet habe. Wenn Sie auf Platz sieben und im Europa-League-Halbfinale entlassen werden, dann kann etwas nicht fertig sein. Das ist etwas, was immer in mir drin war", meint der vereinslose Trainer, der nach wie vor in Hamburg wohnt.

Labbadia sieht "genügend Schlaumeier" 

Mit Ratschlägen an Interimscoach Peter Knäbel, dem Peter Hermann als Assistent zur Seite gestellt wurde, hält sich Labbadia zurück.

"Es gibt genügend Schlaumeier, die etwas dazu sagen. Und es ist auch so schon ein wahnsinniger Druck, der auf alle herrscht. Da kann man sich nur hineinversetzen, wenn man es selber erlebt hat", erklärt der ehemalige Profi.

Knäbel bekam auch von Beiersdorfer Rückendeckung: "Peter macht das, was ihn auch in seiner Rolle als Direktor Profifußball auszeichnet. Er arbeitet intensiv, analytisch und tritt unserer Mannschaft mit einer großen Entschlossenheit und Klarheit entgegen."

Beiersdorfer bleibt auch bei Abstieg 

Der HSV-Boss bestätigte außerdem, dass alle Spielerverträge auch Gültigkeit für die Zweite Liga besitzen. Beiersdorfer selbst will auch im Fall des Abstiegs an der Elbe: "Was auch passiert, ich werde sicher nicht weglaufen."

Im Volkswagen Doppelpass erntet der HSV-Lenker für sein Krisenmanagement bislang wenig Anerkennung:   

Zwar habe Beiersdorfer einen Plan, urteilte SPORT1-Experte Thomas Strunz.  Aber er sei "enttäuscht, den Plan nicht so umsetzen zu können. Dann verstehe ich, dass man resignierend rüberkommt". Das Tagesgeschäft habe den HSV überholt.

Strunz glaubt an Tuchel - wenn...

Strunz führte weiter aus: "Ich glaube, dass Thomas Tuchel zur neuen Saison Trainer wird - wenn der HSV in der Bundesliga bleibt."

Der bisherige Plan, mit Zinnbauer die Saison "irgendwie" zu Ende zu spielen, sei "gescheitert" - und die Entscheidung für Knäbel habe gezeigt, dass die Hanseaten in der Trainerfrage "handlungsunfähig sind. Wer übernimmt denn diesen Verein in den letzten acht Spielen?"

Der 32 Jahre alte niederländische Mittelfeldstar van der Vaart hat dagegen wie Ex-Nationalspieler Marcell Jansen (29) überhaupt keine Chance mehr auf einer Weiterbeschäftigung an der Elbe.

Die Asse, die zu den Topverdienern in Hamburg zählen, müssen am Saisonende gehen.

Van der Vaart und Jansen müssen gehen

"Beide Spieler haben sehr große Verdienste für den HSV und waren auch lange in unserer Mannschaft. Es gibt dann einen Zeitpunkt, wo es besser ist, getrennte Wege zu gehen. Und das haben wir ihnen mitgeteilt", sagte HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer im Gespräch mit SPORT1.

"Der Schritt war überfällig", meinte SPORT1-Experte Strunz.

Eine Hintertür gibt es aber für van der Vaart:

"Er wird nach seiner Profilaufbahn wieder nach Hamburg zurückkommen", kündigte Beiersdorfer an. "Er ist einer der bedeutendsten Spieler der jüngeren HSV-Geschichte und ich denke, dass wir ihn in den Klub integrieren werden. Ob das administrativ ist oder auf dem Platz als Trainer, das werden wir dann sehen." 

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