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Sie sind oder waren in Stuttgart am Werk: Armin Veh, Huub Stevens, Bernd Wahler, Jochen Schneider und Robin Dutt (v.l.) © SPORT1/Getty Images

München und Stuttgart - Trainer und Manager: in dieser Saison bereits getauscht und wohl bald wieder weg. Präsident und Sportvorstand: Verwalter des Misserfolgs. Beim VfB Stuttgart hat die Krise erschreckend viele Gesichter.

Es droht Ungemach beim VfB Stuttgart, einmal mehr.

Beim Aufeinandertreffen mit Hertha BSC am Freitagabend (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER bei SPORT1 und LIVE im Sportradio auf SPORT1.fm) wüchse sich die Stuttgarter Krise bei einer Pleite weiter aus.

Verliert der VfB das neunte Heimspiel der Saison, bebt es mal wieder beim Tabellenletzten. Und nicht jede der handelnden Personen dürfte dieses Beben überstehen.

SPORT1 zeigt, wer in Stuttgart wofür verantwortlich ist:

  • Huub Stevens

Der Stuttgarter Trainer mischt in der Öffentlichkeit launigen Limburger mit kantigem Knochen. Auf Pressekonferenzen lacht er am lautesten über seine Kalauer, nur um Sekunden später Journalisten für unpassende Fragen zu Staub niederzustarren.

Stevens ist spätestens zum Saisonende weg, versucht das Beste daraus zu machen. Schlau wird aus ihm in diesen Tagen aber kaum jemand.

Bei jeder sich bietenden Gelegenheit piekt sein Zeigefinger auf seine enorme Erfahrung. Standardsatz: "Das ist nicht mein erstes Spiel in der Bundesliga." Papa Stevens wird es richten.

Auf der anderen Seite wirkt seine Aussage, er werde die paar Monate in Stuttgart schon noch herumbekommen, wie ein Muskelentspanner wider Willen auf den ganzen Verein: wo Spannung sein sollte, schlafft es. Ist ja sowieso bald weg, der Stevens.

Bei einer Pleite gegen die Hertha dürfte der mächtige Stuttgarter Aufsichtsrat massiven Druck auf den Vorstand machen, Stevens müsste wohl sofort gehen.

Vor einem Jahr rettete er den VfB dank der unterirdischen Konkurrenz noch mit einer durchschnittlichen Bilanz von zwölf Punkten aus zehn Spielen. Diesmal klappt das mit dem Fußballspielen nach einem ordentlichen Start vor allem seit der Rückrunde selten.

Drei Punkte aus den letzten sieben Spielen, nur eines der letzten vier Tore spielte der VfB heraus. Stevens als Teilzeitkraft kann die Mannschaft spielerisch nicht weiterentwickeln.

  • Bernd Wahler

Der Präsident strukturiert um. Seit seinem Amtsantritt im September 2013 besetzte er den Posten des Sportdirektors neu, des Finanzvorstands, des Verwaltungs- und des Mediendirektors.

Außerdem verkleinerte er den Vorstand von neun auf fünf Mitglieder, Wahler gab sich selbst zusätzlich die Aufgabenbereiche Personal und Strategie.

Seine wichtigste Entscheidung war aber zugleich die umstrittenste: Er holte Robin Dutt als Sportvorstand, genau 73 Tage nach dessen Entlassung in Bremen. In Stuttgart lernten viele Fans in diesen Tagen eine neue Form der Fassungslosigkeit kennen.

Im Januar hielt Wahler auf dem Neujahrsempfang des Vereins noch eine kämpferische Rede, die lokalen Medien feierten ihn. Zu dieser Zeit verkündete er auch mehrfach, mit Stevens verlängern zu wollen. Davon ist längst keine Rede mehr.

  • Robin Dutt

Seinen Job als Sportvorstand trat er rechtfertigend an. Schließlich hatte Dutt nach seiner Zeit als DFB-Sportdirektor den Trainingsplatz geküsst. Plötzlich schwärmte er von den Möglichkeiten als Funktionär, freute sich im SPORT1-Interview darauf, "meine Erfahrungen aus der Trainer-Arbeit ganz eng mit den Manager-Aufgaben im operativen Geschäft zu verzahnen".

Dutt blieb auf Anhieb keine Zeit, der einzige Transfer unter seiner Regie blieb zunächst Serey Die.

Er strebt eine einheitlichere Ausbildung im Nachwuchsbereich an, etwa sollen die Scouts in verschiedenen Altersklassen besser auf die Philosophie des VfB abgestimmt suchen.

Das aber sind langfristige Projekte, während der Abstiegskampf akute Aufmerksamkeit erfordert. Dabei kann Dutt im Moment wenig machen.

Er vertreibt sich die Zeit etwa mit einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Ralf Rangnick über die Frage, wer in der kommenden Saison Stuttgarts Trainer sein wird.

Rangnicks Hinweis, der Name Zorniger stehe bereits in diversen Stuttgarter Zeitungen, zeigt ein weiteres Problem des Klubs: Viel zu oft dringen interne Informationen nach außen.

  • Armin Veh

Kein halbes Jahr hielt er es aus nach seiner Rückkehr. Dann merkte Veh: Mit diesem Verein und dieser Mannschaft freut sich vor allem der Rest der Bundesliga über den VfB.

Im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 kritisierte er jüngst die Stuttgarter Entwicklung der vergangenen Jahre. All das war und ist nichts Neues - Vehs zweite Amtszeit geht als allseitige Fehleinschätzung in die Geschichte ein.

  • Jochen Schneider

Felix Magath, Horst Heldt, Fredi Bobic: Schneider hat sie alle durch, war in den letzten zwölf Jahren seit Rolf Rüssmanns Entlassung die Konstante in Stuttgarts sportlicher Leitung.

Der studierte Betriebswirt ist von allen aktuell Verantwortlichen der wohl loyalste. Noch hat ihn der Verein nicht vom Amt des Managers entlassen, verschiedene Medien berichten aber, dass Schneider aus seinem aktuellen Urlaub nicht mehr zum VfB zurückkehren wird.

"Diese Meldung kommentieren wir nicht", heißt es dazu von Vereinsseite. Was das heißt, weiß jeder, der im Fußballgeschäft schon mal einen Job verloren hat.

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