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München - Der Rücktritt von Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt hat den FC Bayern überrumpelt. Ein echtes Beben. Die Folgen zeigten sich auch bei der PK einen Tag danach.

Der Rücktritt von Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hat den FC Bayern am Donnerstagabend ohne Frage überrumpelt.

Doch das Bild, das der selbsternannte „größte Klub der Welt“ in den vergangenen 24 Stunden in dieser Sache abgibt, ist mit unglücklich noch höflich umschrieben. Als wäre die sportliche Lage nach dem 1:3 in Porto nicht schon angespannt genug, wirft der Arzt öffentlich und ohne Absprache mit dem Klub das Handtuch.

Mediendirektor Markus Hörwick musste am späten Donnerstagabend den Journalisten am Telefon schmallippig mitteilen, dass der Verein nichts wisse: „Der FC Bayern ist über diesen Schritt nicht informiert“, sagte Hörwick am Donnerstagabend um 21.13 Uhr zu SPORT1. Dies bestätigte er auch wenig später dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Pressekonferenz als Farce

Als wäre das nicht schon schlimm genug, gab es eine am Freitag eine Pressemitteilung des Vereins. Zwei Absätze, ein kurzes Danke, ein bisschen Bedauern. Es sind lediglich ein paar schmale Zeilen für einen Mann, der fast vier Jahrzehnte im Dienste des Klubs stand. Die Pressekonferenz am Freitag geriet dann aber endgültig zur Farce: Genau eine einzige Nachfrage lässt Hörwick zum Thema zu, und das auch nur sehr widerwillig.  

Mehr Zitate zum großen Aufregerthema gibt es an diesem Tag nicht, da können die Journalisten noch so nachbohren oder versuchen, über Hintertürchen zum eigentlichen Thema zu kommen. Zumal Guardiola mit seinen knappen Worten („Es ist seine Entscheidung“) der Erklärung von Müller-Wohlfahrt auch noch widersprach. Der hatte seinen Rücktritt damit erklärt, dass ihm und seinem Team „aus unerklärlichen Gründen“ die 1:3-Niederlage in Porto angelastet worden sei. Konfusion allerorten.

Angeblich soll es nach Informationen von Bild und Sport-Informations-Dienst in der Kabine einen Disput zwischen dem Arzt und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge gegeben haben. Rummenigge ist bekennender Anhänger Guardiolas, Mediendirektor Hörwick musste an diesem Freitag demnach den Spagat meistern, niemanden in die Pfanne zu hauen. Aus Sicht des Vereins hat Hörwick, selbst seit 31 Jahren im Amt, schlicht seinen Job gemacht. Dass das Journalisten nicht gefällt, ist klar.

Eine Posse namens "Säbener Sigi"

Die Pressekonferenz an diesem verregneten Freitag in München geriet zum skurrilen Schlussakt eines Dramas, das an schlimmere Zeiten des "FC Hollywood" erinnerte. SPIEGEL ONLINE brach gar den Liveticker von der Pressekonferenz ab, weil keine Nachfragen zum Ärztestreit möglich waren.

Der FC Bayern igelt sich beim Thema ein, weil der Rücktritt des Mannschaftsarztes den Klub im Mark trifft. Es ist bemerkenswert, wie nervös und wenig souverän dieser Klub mit all seiner Erfahrung und in der ausgewiesenen Medienstadt München in solchen Fällen immer und immer wieder reagiert.

Die Posse um den ominösen "Säbener Sigi" war da nur das i-Tüpfelchen. Da versteckte sich der Klub hinter einem "unabhängigen Satiriker", der Ex-DFB-Boss Theo Zwanziger via FCB-Homepage in die Parade fuhr. Dass dabei "Säbener Siggi" nicht Hörwicks Idee war, sondern von anderen Kräften im Verein gesteuert wurde, spielt für die Außendarstellung keine wesentliche Rolle.

Pikanter Randaspekt in diesem vereinsinternen Spiel aus Interessen und Verantwortlichkeiten ist die jüngst bekanntgewordene Verpflichtung des Journalisten Christopher Keil, der als "Leiter Public Affairs" eine Art persönlicher PR-Experte des Vorstandes wird. Nicht selten fällt rund um die Säbener Straße die rhetorische Frage: "Ob es das auch mit Uli Hoeneß gegeben hätte?"

Im Austeilen war der FC Bayern zuletzt besser als im Einstecken. Das aber vor allem abseits des Platzes.

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