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München - Der Hamburger SV wird in den Medien und von eigenen Spielern lächerlich gemacht. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt schwindet nach einem chaotischen Wochenende.

Auf das Chaos folgte der Spott. Der Hamburger SV hatte mal wieder ein Wochenende zum Vergessen hinter sich:

0:2-Pleite gegen den VfL Wolfsburg, Kabinenschlägerei zwischen Johan Djourou und Valon Behrami, auf Tabellenplatz 18 abgerutscht - da war kein Platz für Optimismus.

Die Redaktion der Hamburger Morgenpost gab sich trotzdem auf die Suche nach dem Hoffnungsschimmer. Vergeblich.

Und so erschien am Montag ein ungewöhnlicher Artikel. Unter der Überschrift "Das macht den HSV-Fans jetzt noch Hoffnung" fand der Leser eine doppelseitige weiße Fläche.

Darunter gab es den Hinweis: "Der Redaktion ist dazu beim besten Willen nichts mehr eingefallen."

Ein guter Gag, über den kein HSV-Fan lachen dürfte. Er führt ihnen nämlich die bittere Realität vor Augen. Einige Anhänger haben die Hoffnung aber ebenso wie Uwe Seeler noch nicht aufgegeben: "Das kann einem schon Angst machen, aber meine Hoffnung stirbt zuletzt."

Nun gegen Heidenheim und Kiel?

Vieles spricht für den ersten Abstieg der Bundesliga-Geschichte und damit für Duelle mit dem SV Sandhausen, dem 1. FC Heidenheim und Holstein Kiel.

Felix Magath richtet sich schon auf die Zweite Liga ein. "Es fällt mir jetzt auch schwer, nach diesem Spiel zu sehen, wie man noch ans rettende Ufer kommen soll", sagte das Klub-Idol im NDR.

Thomas Strunz teilt Magaths Meinung. Für den SPORT1-Experten ist der Niedergang auch in der Transferpolitik begründet. "In der Mannschaft scheint es nicht stimmen. Es sind viele Spieler verpflichtet worden, aber alle sind irgendwie beim HSV schlechter geworden", sagte Strunz im Volkswagen Doppelpass.  

Seine These trifft besonders auf Valon Behrami zu. Der Schweizer gehörte beim Champions-League-Teilnehmer SSC Neapel zum Stammpersonal, spielte eine starke WM, doch nach dem Wechsel nach Hamburg ging es abwärts.

Keine Torbeteiligung, eine Rauferei

Auf eine Torbeteiligung wartet Behrami noch. Schlagzeilen produziert er trotzdem: Mit einer ungesühnten Tätlichkeit gegen Dortmunds Henrikh Mkhitaryan, nun durch seine Rauferei mit Djourou - auch wenn er den Zwischenfall etwas kleinreden wollte: "Es war eine laute Diskussion, aber keine Schlägerei", sagte er der Hamburger Morgenpost: "Johan ist wie ein Bruder für mich."

Dennoch: Behrami ist Sinnbild für den Selbstzerfleischungsprozess beim HSV.

Trotz der Boxeinlage wird Behrami im Nordduell bei Werder Bremen voraussichtlich wieder auf dem Platz stehen. Er gilt als Lieblingsspieler von Interimstrainer Peter Knäbel.

Die Personalie Behrami zeigt das Dilemma beim HSV. Eigentlich bräuchte der Querulant eine Denkpause. Doch Alternativen gibt es nicht. Petr Jiracek und Gojko Kacar sind beim HSV nie richtig angekommen. Marcelo Diaz plagt sich ständig mit Verletzungen herum.

Cleber und Olic müssen ran

Auch in anderen Mannschaftsteilen sind Knäbel die Hände gebunden. In der Innenverteidigung muss der völlig verunsicherte Cleber regelmäßig ran.

Rafael van der Vaart bekommt ständig neue Bewährungschancen. Doch spätestens seit der Niederländer weiß, dass am Saisonende für ihn Schluss in Hamburg ist, geht seine Formkurve nach unten.

Auch Ivica Olic steht Spieltag für Spieltag in der Startelf. Dabei ist seine Bilanz für einen Angreifer indiskutabel: In zehn Spielen hat Olic noch kein Tor erzielt.

Treffer landet der Kroate nur vor dem Mikrofon. So zitierte Olic zuletzt seinen Bruder und machte damit den Arbeitgeber lächerlich. "Er hat gesagt, da kann selbst Cristiano Ronaldo kommen - und der hilft nicht", erklärte der Angreifer. Ein Spieler, der noch an die Wende glaubt, spricht anders.

Holtby zeigt Emotionen

Wen es am Wochenende eine Szene gab, die den Hamburgern Mut macht, dann ist es Lewis Holtbys Kurvengespräch. Der Mittelfeldspieler suchte nach der Pleite den Dialog mit den Fans. Ein Handyvideo dokumentierte Holtbys Ausbruch.

 

"Ich will nicht, dass dieser Verein absteigt. Ich sage dir: Ja, ich will mir den Arsch aufreißen. Komm jeden Tag zum Training, guck dir an, was ich mache. Ich versuche ja, aus der Scheiße herauszukommen. Ich bin auch nur ein Mensch!", sagte der HSV-Profi.

Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, schlug Holtby mehrfach auf den Zaun. Er will sich gegen den Niedergang wehren. Die Hamburger Morgenpost hat Holtby jedoch nicht überzeugt.

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