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1899 Hoffenheim v Hamburger SV - Bundesliga
Lewis Holtby, Matthias Ostrzolek und Valon Behrami sind nach der Niederlage gegen Leverkusen bedient © Getty Images

München - Der HSV leistet sich auch unter Peter Knäbel einen sportlichen Offenbarungseid. Der Interimscoach will jedoch erkannt haben, auf wen jetzt noch Verlass ist.

Die Worte von HSV-Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer sollen Entschlossenheit signalisieren. Doch es klingt inzwischen auch Verzweiflung mit durch.

"In den restlichen sieben Spielen müssen die Profis um ihr Leben kämpfen", forderte er, und stellte damit unmissverständlich klar: Jetzt ist die Mannschaft gefordert, sie muss nun liefern!

Eine andere Möglichkeit bleibt dem HSV im Abstiegskampf der Bundesliga auch nicht mehr. Interimstrainer Peter Knäbel ist bereits der dritte Mann auf der Bank in dieser Saison. Mirko Slomka und Joe Zinnbauer scheiterten vor ihm gnadenlos.

Kein Aufbäumen

Die jüngste 0:4-Pleite in Leverkusen - ein spielerischer Offenbarungseid - war der denkbar schlechteste Auftakt, den sich Knäbel überhaupt hätte vorstellen können. Ein Aufbäumen war von der Mannschaft zu keiner Zeit erkennbar, ideen- und leidenschaftslos präsentierte sich sein Team. Der sogenannte Trainer-Effekt? Verpufft.

Immerhin: Knäbel wollte bei seinem Debüt festgestellt haben, "auf wen ich mich verlassen kann". Angesichts der besorgniserregenden Leistung wird seine Liste keine epischen Ausmaße annehmen. Genau genommen: Sie dürfte aus drei Namen bestehen, die da lauten: Rene Adler, Marcelo Diaz und Pierre-Michel Lasogga. Die Zahlen belegen das. (Mehr zum BVB ab 18.30 Uhr in Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1)

Schlussmann Adler, unter Knäbel die Nummer eins zwischen den Pfosten, verhinderte den Total-Schaden in der BayArena. Fünf Torschüsse wehrte der 30-Jährige ab. Auf ihn scheint in diesen schlimmen Tagen Verlass.

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Marcelo Diaz (l.), hier gegen Leverkusens Lars Bender, macht dem HSV etwas Hoffnung © Getty Images

Winterneuzugang Marcelo Diaz gab nach seinem Innenbandanriss ein halbstündiges Comeback. 30 Minuten, die für zumindest ein wenig Hoffnung in der trüben HSV-Welt sorgen. Der Chilene gewann 80 Prozent seiner Zweikämpfe und war damit der beste Hamburger. Zum Vergleich: Petr Jiracek, der für Diaz weichen musste, gewann zuvor 33 Prozent. Ein katastrophaler Wert für einen zentralen Mittelfeldmann.

Zudem sagt Knäbel: "Wir werden mit Diaz eine bessere Passgenauigkeit haben." Fraglich ist nur, ob er nach fast zweimonatiger Verletzungspause in dieser Saison noch zu vollen Kräften gelangt.

Zu guter Letzt: Pierre-Michel Lasogga. In Leverkusen wurde er nun das zweite Mal nach seinem Muskelfaserriss eingewechselt. Allein seine Anwesenheit auf dem Platz kann für Aufbruchstimmung sorgen. Immerhin war er es, der den HSV in der letzten Saison mit seinen Treffern maßgeblich in der Liga hielt, vor allem durch seinen Treffer im Relegationsspiel bei Greuther Fürth. Zudem symbolisiert er die richtige Einstellung, den unbedingten Willen.

"Kassieren wir ein Tor, sind wir tot"

Genau darin liegt eins der vielen Probleme beim HSV. "Schlimm ist, dass wir noch nicht einmal kämpfen. Ich weiß auch nicht, ob das am Druck liegt oder ob wir einfach nur Angst haben", erklärte Johan Djourou: "Wir gehen zu einfach unter, müssen uns viel mehr dagegen stemmen. Du hast das Gefühl: Wenn wir ein Tor kassieren, sind wir tot." 

Auch bei Sportchef Dietmar Beiersdorfer blieb die Erkenntnis: "Wenn wir uns so präsentieren, werden wir keine Chance haben, die Klasse zu halten." Zur Unterstützung dieser Worte: Knappe acht Kilometer liefen die HSV-Stars im Schnitt weniger als Bayer, gewannen miserable 45 Prozent ihrer Zweikämpfe.

Offensive weiter wirkungslos

Das Elend ist aber nicht nur in der Defensive zu suchen. Erneut war auch die Offensive ein Totalausfall. Mit kümmerlichen vier Torschüssen stellten Ivica Olic und Co. ihren Negativrekord der bisherigen Saison ein. Das vierte Spiel in Folge ohne Treffer war die logische Konsequenz. Sky-Experte Dietmar Hamann hat den Bundesliga-Dino deshalb schon abgeschrieben: "Ich bin mir sicher, dass die Hamburger absteigen. Und zwar direkt."

Hoffnung macht dem Hamburger Anhang aktuell in erster Linie der Umstand, dass sich mit Paderborn und Stuttgart zwei Mannschaften seit Wochen zwei Mannschaften ähnlich offensiv für einen Platz in Liga zwei bewerben.

Wiederholt sich die Geschichte?

Aufsteiger Paderborn wurde nach gutem Start längst nach hinten durchgereicht und scheint die Kurve nicht mehr zu bekommen. Nur der VfB, der schon seit acht Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz festsitzt, hat noch weniger Punkte gesammelt.

So könnte sich für den HSV Geschichte wiederholen. Schon in der vergangenen Saison hatten die Hamburger die letzten fünf Spiele allesamt verloren, retteten sich aber im Schneckenrennen mit Braunschweig und Nürnberg dennoch in die Relegation und hielten am Ende mit zwei Unentschieden gegen Fürth die Klasse.

Die Schwäche der Kontrahenten als letzter Trumpf im Abstiegskampf? Vielleicht kann sich Knäbel zumindest darauf verlassen.

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