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München - Für Peter Knäbel steht mit dem Spiel in Leverkusen der erste Härtetest als neuer HSV-Coach an. Die Meinungen über seine Tauglichkeit und die Erfolgschancen gehen auseinander.

"Schweizer Fußball verliert sein Hirn" titelte eine renommierte Schweizer Zeitung im Herbst 2014, nachdem die Verpflichtung von Peter Knäbel als neuer Sportdirektor des Hamburger SV bekannt geworden war.

Seit Kurzem sind die geistigen Fähigkeiten des 48-Jährigen zusätzlich in anderer Funktion gefordert. Am Samstag steht sein Debüt als Interimscoach in Leverkusen (ab 15 Uhr LIVE im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) an.

Für Knäbel, der den Job an der Seitenlinie des HSV auf Grund mangelnder Alternativen angenommen hat, ist es die Feuertaufe in einer für den Verein sehr riskanten Situation. Seine Aufgabe ist es, den Klub vor dem ersten Abstieg aus der Bundesliga zu retten.

Mit Doppelspitze gegen die Torflaute

Dennoch tritt er seine Mission - zumindest nach außen hin - mit großer Gelassenheit und Abgeklärtheit an. "Ich freue mich, den Platz mit der besten Sicht zu haben", scherzte Knäbel als Antwort auf die Frage nach einer möglicherweise höheren Anspannung.

Gemeinsam mit seinem neuen Co-Trainer Peter Hermann legt er den Fokus auf das Beenden der Torflaute. Die Übungen im Training wurden speziell darauf ausgerichtet. "Wir versuchen, Drucksituationen für unsere Stürmer zu schaffen", sagt Knäbel.

Gegen Leverkusen wird er vermutlich auf eine Doppelspitze mit Zoltan Stieber und Artjoms Rudnevs setzen: "Zwei Stürmer sind für uns eine echte Option."

Mit gerade einmal 16 Toren aus 26 Spielen hat der HSV die mit Abstand schlechteste Offensive der Liga.

Arbeitsteilung mit Co-Trainer Hermann

Um die mangelnde Erfahrung Knäbels als Coach auszugleichen, stellten ihm die Verantwortlichen Hermann zur Seite, der unter anderem schon für den HSV-Gegner am Samstag, Bayern und Schalke als Assistent aktiv war. Mit den Bayern gewann er als Co-Trainer von Jupp Heynckes 2013 sogar das Triple.

Möglichen Uneinigkeiten die Hierarchie betreffend schob er gleich mal einen Riegel vor.

"Es muss keiner den Chef markieren. Die letzte Entscheidung liegt bei mir", legt Knäbel fest. Die Arbeit während der Übungseinheiten ist jedoch klar aufgeteilt: Hermann kümmert sich ums Aufwärmen und Ballübungen, der Interims-Chef ist für taktische Abläufe zuständig.

Die Entscheidung über die Nummer eins im Tor wurde bereits getroffen: "Rene Adler hat sich seinen Einsatz verdient", sagte Knäbel am Donnerstag. Der ehemalige Nationaltorhüter Adler nutzt damit die Chance, die er durch Drobnys Platzverweis beim 0:3 in Hoffenheim erhalten hatte.

Verwunderung bei Fußballgrößen

Die Mission Knäbels hat unter ungünstigen Voraussetzungen begonnen. Der Klub erntete von vielen Seiten Kritik und Verwunderung für seine in der Bundesliga einzigartige Personalrochade.

"Da wird von einer Woche zur anderen ein Sportdirektor plötzlich Trainer, da darf man schon etwas verwundert schauen", meinte Felix Magath im Interview mit SPORT1.

Auch Marcel Reif bezweifelt bei Sky die Tauglichkeit der gewählten Konstellation beim HSV: "Dieser Vorgang ist für mich völlig rätselhaft. Im Moment sieht es so aus, als müssten Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen, damit dieses Modell aufgeht und der HSV nicht absteigt."

Ottmar Hitzfeld dagegen traut Knäbel die Rettung der Hanseaten "auf jeden Fall" zu. "Peter Knäbel ist ein Fachmann mit einer hohen Kompetenz. Er kennt auch seine Mannschaft. Das sind gute Voraussetzungen, um den HSV zu retten", sagte der ehemalige Schweizer Nationaltrainer zu SPORT1, der mit Knäbel jahrelang bei den Eidgenossen zusammengearbeitet hat.

Förderung von Rakitic und Shaqiri

Beim Schweizer Fußballverband hat Knäbel bewiesen, dass er für Erfolg stehen kann. In seiner Zeit als technischer Direktor (2009 - 2014) feierte die U 17 den WM-Titel, weitere Ausrufezeichen im Juniorenbereich folgten.

Zuvor war Knäbel als Jugendverantwortlicher beim FC Basel aktiv. Unter ihm schafften unter anderem die heutigen Stars Ivan Rakitic und Xherdan Shaqiri den Sprung zu den Profis.

Während seiner aktiven Karriere war Knäbel vorwiegend in der 2. Bundesliga für Bochum, St. Pauli, 1860 München und Nürnberg im Einsatz. Der große Durchbruch als Stammspieler in der Bundesliga gelang ihm jedoch nie.

Das lag vielleicht auch daran, dass er des Öfteren mehrere Funktionen inne hatte. Der ehemalige Spielmacher trainierte beispielsweise Jugendmannschaften des Club, beim FC Winterthur agierte er als Spielertrainer.

Von 2000 bis 2003 war er Manager sowie Jugend- und Amateurkoordinator des Schweizer Drittligisten und weiterhin gleichzeitig Spieler.

Arbeit an mehreren Fronten gleichzeitig ist Knäbel also gewohnt. Das könnte für die kommenden Wochen für den Hamburger SV ein entscheidender Vorteil sein.

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