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Die SPORT1-Kolumne von Thomas Strunz © SPORT1/Getty

Thomas Strunz kritisiert in seiner Kolumne die Führungsebene des Hamburger SV und sieht Risse im Team. Für das zögerliche Verhalten von Trainer-Kandidat Thomas Tuchel hat er Verständnis.

Hallo Fußball-Freunde,

beim Hamburger SV scheint es in der Mannschaft nicht zu stimmen, die Spieler scheinen untereinander große Probleme zu haben.

Wenn so etwas wie der handfeste Streit zwischen Behrami und Djourou nach Außen transportiert wird, ist das ein klares Signal.

Da kann es einem Angst und Bange werden. Wie soll sich diese Mannschaft, die während der Halbzeitpause eines Bundesligaspiels aufeinander losgeht, auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich den HSV zu retten?

Es liegt sehr viel im Argen, es ist sehr viel falsch gemacht worden in den vergangenen Monaten.

Man hat Spieler gekauft, die schon bei anderen Klubs bewiesen haben, dass sie es können und dass sie Phantasie haben, sich weiterzuentwickeln. Doch es sind in den letzten Jahren keine Spieler entwickelt worden, man hat aus den Fehlern der letzten Saison in der Führungsetage nicht die richtigen Schlüsse gezogen.

Wie schon beim 0:4 in Leverkusen haben sich die Spieler auch beim 0:2 gegen Wolfsburg durch unerklärliche und katastrophale individuelle Fehler total aus dem Konzept gebracht.

Man hat das Gefühl, dass keine gefestigte Mannschaft da ist. In so einer Situation kann ich schwierig den Turnaround schaffen.

Der HSV hatte sechs Trainer in den vergangenen 18 Monaten - auf welcher Basis soll da etwas entstehen?

Dass Peter Knäbel weiter interimsweise auch als Coach fungiert, ist sicher der Tatsache geschuldet, dass es schwierig war, andere Trainer zu finden.

Ich glaube, die Krux lag darin, dass sie mit Thomas Tuchel schon relativ weit waren. Dann ist durch die aktuelle sportliche Lage eine Situation aufgetreten, die schwer zu handhaben ist.

Wenn ich mit dem Trainer für die neue Saison schon mehr oder weniger klar bin, ist es schwierig, jemanden für acht Spiele zu finden. Jeder will ja gerne langfristig arbeiten. Die klassischen Feuerwehrmänner gibt es nicht mehr.

Tuchel hat vor der Saison gesagt, dass er ein Jahr Pause einlegen wollle. Deswegen ist sein Verhalten jetzt konsequent. Er bleibt "straight", geradeaus. Das ist nachvollziehbar.

Wir sehnen uns in der heutigen Medienlandschaft und im Fußball nach Menschen, die zu dem Wort stehen, das sie gesagt haben.

Tuchel macht sich Gedanken über seine Zukunft und er will nicht der Getriebene von Fans und sonstigen Menschen sein. Ich kann deshalb nachvollziehen, wenn er sagt, er mache den Job nicht. 

Bis demnächst,

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz wechselt sich in dieser Saison als Experte im Volkswagen Doppelpass und bei der sonntäglichen SPORT1-Kolumne mit Thomas Helmer ab.

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