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München - Die Verletzung von David Alaba trifft den FC Bayern in der entscheidenden Saisonphase. Aus vielen Gründen ist der Österreicher nur schwer ersetzbar.

Für David Alaba und den FC Bayern München sind es sieben Sekunden Pech mit gravierenden Folgen: Ermin Bicakcic dreht sich im Zweikampf und fällt im Stolpern auf Alabas Bein. Der greift sich sofort ans Knie.

Alaba spürt einen stechenden Schmerz und hat eine böse Vorahnung, die sich inzwischen bestätigt hat. Der Linksverteidiger fällt nach dem 1:1 zwischen Österreich und Bosnien-Herzegowina zirka sieben Wochen lang aus.

Die Diagnose: Innenbandriss im linken Knie. Der Ausfall trifft den FC Bayern hart. 

Denn nach seinem Comeback Anfang 2015 war Alaba für die Münchner Woche für Woche immer wichtiger geworden. Jetzt wird er beim Hit bei Borussia Dortmund (Sa. ab 18 Uhr LIVE im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) fehlen, im DFB-Pokal in Leverkusen, im Champions-Leauge-Viertelfinale gegen Porto und so weiter.

Mister Vielseitig

Ein frühstmögliches Comeback wäre im letzten Saisonspiel gegen den FSV Mainz 05 - bei bestmöglichem Heilungsverlauf versteht sich.

Den Bayern fehlt bis dahin ein Spieler, der schwer zu ersetzen ist. Denn der 22-Jährige kann sowohl in der Dreier- als auch Viererkette links agieren, ist ebenso im linken offensiven und im zentralen Mittelfeld einsetzbar. Mister Vielseitig, also.

Und für Pep Guardiola unverzichtbar: Alaba hat ein Ticket für die Startelf. In der stand er in seinen 29 Pflichtspielen der Saison jedesmal, wenn er fit war.

"David kann überall spielen: weiter vorne, weiter hinten, außen, in der Mitte", sagte Guardiola jüngst. Anschließend pries er dessen permanent starken Leistungen.

"Er spielt auch immer auf hohem Niveau. Mal bei acht, mal bei neun, mal bei zehn auf der Skala." Vielmehr geht nicht.

Begehrt von Real Madrid

Goldene Fähigkeiten, die auch andernorts aufgefallen sind.

Zuletzt buhlte laut der spanischen Zeitung Marca Real Madrid heftig um Alaba, so dass sogar sein Vater öffentlich jegliche Wechselabsichten des begehrten Außenverteidigers bestreiten musste.

Enorm ballfertig

Datendienstleister deltatre hat für Bundesliga aktuell Alabas Wert statistisch unterlegt: Die Ballsicherheit des 22-Jährigen zeigt sich unter anderem an seiner äußerst geringen Fehlpassquote von nur acht Prozent. Nur Holger Badstuber ist stärker.

Zudem kommt Alaba fast ohne Fouls aus, eine Qualität, die Pep Guardiola ebenfalls schätzt: In 1665 Spielminuten musste Alaba in dieser Saison nur elfmal zu unfairen Mittel greifen.

Die Bayern müssen jetzt ohne ihre Wunderwaffe Richtung Titel und Pokale streben, was vor allem Franck Ribery schmerzen dürfte. Der Franzose hofft nach seiner Sprunggelenksverletzung in Dortmund wieder dabei zu sein, sein kongenialer Partner auf der linken Seite wird ihm fehlen.

Alaba hält Ribery sonst den Rücken frei, versteht sich mit ihm auf (und neben) dem Platz prächtig.

"Bin natürlich tieftraurig"

Doch jetzt muss der Österreicher zwei Wochen lang Gips tragen, ehe er mit der Reha beginnen kann. "Ich bin natürlich jetzt tieftraurig", sagte Alaba nach der niederschmetternden Diagnose bei Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

In Krücken verließ er die Praxis in der Münchner Innenstadt. Ein Bild, das auch die Bayern-Bosse mit Sorge sahen.

Rummenigge verbietet Lamentieren

"Das tut uns natürlich weh, weil David in einer guten Verfassung war und wichtige Tore erzielt hat mit seinen Freistößen", sagte Karl-Heinz Rummenigge.

"Aber wir können es nicht ändern. Es wäre ein Fehler, wenn Bayern München jetzt lamentieren würde", fügte Bayerns Vorstandboss an.

"Wir haben einen guten Kader, der das jetzt auffangen muss. Ich wünsche ihm alles Gute und eine gute Genesung, damit er zumindest im Endspurt wieder dabei ist, wenn es um die Titel geht."

Bernat gefordert

Zuvor muss Pep Guardiola den Ausfall bestmöglich kompensieren, wie bereits im November und Dezember, als Alaba wochenlang verletzt zuschauen musste.

Zugang Juan Bernat darf auf mehr Einsätze auf der linken Außenbahn hoffen, eine permanente Umstellung auf eine Dreierkette könnte zudem eine Option sein.

Alabas Pech, zusammengepresst in eine Spielszene von sieben Sekunden, wird den FCB noch lange beschäftigen.

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