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Günter Grass zu Besuch auf St. Pauli © Getty Images

Der verstorbene Literaturnobelpreisträger Günter Grass war nicht nur ein großer Autor, er hat auch schöne Sätze zum Fußball hinterlassen. Hoffmanns Erzählungen.

Dass Günter Grass das mit den Anfängen gut konnte, war diese Woche ja nochmal überall nachzulesen.

"Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt…" etwa, der Beginn der Blechtrommel. "Ilsebill salzte nach", der preisgekrönte erste Satz aus "Der Butt".

Nicht ganz so bekannt, aber auch sehr schön, ist allerdings auch der Anfang der Geschichte, wie der Literaturnobelpreisträger sich im relativ hohen Alter noch für den Fußball begeisterte, dem Zutun seines Sohnes sei Dank.

"Wir zogen aufs Land, und das Erste, was er tat, war, in den Fußballklub von Wewelsfleth einzutreten. Das ist ein Dorf in der Wilstermarsch, in der Nähe von Glückstadt an der Elbe."

In Wewelsfleth in der Wilstermarsch nahe Glückstadt an der Elbe kam folglich auch Vater Grass mit dem Fußball in Berührung, der Sohn überredete ihn, für ein Spiel in der Altherrenmannschaft mitzuspielen.

"Ich wollte eigentlich nur eine Halbzeit mitspielen, habe dann aber bis in die zweite Halbzeit hinein ausgehalten und hinterher vier Tage lang mit geschwollenem Knie zugebracht", erzählte er später der Süddeutschen Zeitung: "Aber mein Sohn war sehr stolz und hat behauptet, ich hätte von links außen ein paar ganz gute Flanken gegeben. Wie heute Lahm."

In seinem sechsten Lebensjahrzehnt ist Grass auf diesem Weg also auch noch zum Fußballfreund geworden - was keine schlechte Sache ist, wenn man darauf zurückblickt, was er ab da noch alles zum Thema zu beizutragen hatte.

Vor 15 Jahren etwa: Grass verriet auf einer Buchmesse sein Faible für den SC Freiburg, womit er sich eine Einladung zum Liga-Spiel gegen Borussia Dortmund einhandelte.

Grass durfte (musste) auch in Freiburg ran © Getty Images

Er sah ein 1:1 seiner Freiburger - und war wenig beeindruckt vom Jahrtausendwenden-BVB mit seinen Evanilsons, Bobics und Ikpebas. "Die haben so teuer eingekaufte Spieler und da stimmt überhaupt nichts", befand er: "Dieses dauernde Einkaufen, damit wird man nicht Erster."

Versöhnlichere Töne kassierte auf BVB-Seiten einzig der junge Wladimir But, wobei Grass einschränkte: "Aber mein Butt ist besser."

Große Sätze wie diese hat er immer wieder eingeflochten in seinen sonst natürlich gewohnt fundierten Wortmeldungen.

Wunderbar zum Beispiel auch Grass' Loblied auf Deutschlands Mittelfeldkünstler bei der WM 2006: "Schneider! Schneider ist von seiner Technik her vergleichbar mit den Italienern. Bloß wenn er aufs Tor schießt, hört es auf. Leider."

Ansonsten? Hoffte Grass nach Abschluss des Turniers inständig, dass "wir stark genug sind, ein einmaliges Talent wie Klinsmann zu halten" – monierte aber: "Meiner Meinung nach hätte er Odonkor gegen Italien etwas früher einwechseln sollen, denn sowie er ins Spiel kam, kamen verwertbare Flanken."

Mit der WM an sich war er trotzdem zufrieden: "Trotz dieses kapitalistischen Zugriffs, dieser Gewinnmacherei, ist es zu einem Volksfest gekommen."

Und dann, ach ja, war da noch ein Fernsehexperte, der dem Großliteraten in Erinnerung blieb: "Am frischesten ist wirklich der Trainer von Mainz bei der ganzen Kommentierung. […] Das ist die Generation von Trainern, auf die man ein Auge haben sollte."

Was dann wurde aus dem Mainzer Trainer und was er machte aus dem Verein mit den teuer eingekauften Spielern, bei dem nichts stimmte: Man weiß es inzwischen. Trotzdem widerstehen wir besser der Versuchung, den Zusammenhang hier jetzt zu weit zu treiben.

Hoffen wir einfach, dass Günter Grass das Fußballgeschehen nun von einem Ort aus beobachtet, der mithalten kann mit Wewelsfleth in der Wilstermarsch nahe Glückstadt an der Elbe.

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