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Dortmund - Bayerns Matchwinner führt dem Ex-Klub schmerzhaft seine ganze Klasse vor Augen. Sportvorstand Matthias Sammer hat den Leistungssprung des polnischen Torjägers kommen sehen.

"Lewy, Lewy", skandierte Thomas Müller, als er auf dem Weg zum Mannschaftsbus an seinem Sturmpartner vorbeiging. Der Matchwinner beim 1:0 der Bayern über Borussia Dortmund stand umringt von Medienvertretern und gab sein x-tes Interview an diesem Abend.

Als der Bayern-Bus um 21:10 Uhr bereit zum Aufbruch mit laufendem Motor wartete, musste ein Mitarbeiter der FCB-Presseabteilung den gefragtesten Mann des Abends von den Mikrofonen wegziehen.

Thomas Müller gewann mit den Bayern in Dortmund
Pep Guardiola (l.) bedankt sich bei Vorbereiter Thomas Müller © Getty Images

Auch in den 90 Minuten zuvor war der Angreifer äußerst gefragt. Und fraglos der beste Mann auf dem Platz. Erst gewann Lewandowski in der 36. Minute den wichtigen Zweikampf gegen Mats Hummels und leitete mit seinem Pass auf Müller das Tor ein, dann war er schnell genug in der Gefahrenzone, um selbst zu vollstrecken. 

Der beste Lewandowski, den es je gab

Schnell, zweikampfstark, körperlich robust. Seit seinem Wechsel von Dortmund nach München im Sommer 2014 hat der 26-Jährige nochmal einen Leistungssprung gemacht – zum besten Lewandowski, den es je gab.

"Da gewinnt er den Zweikampf, weil er einfach eine gewisse Klasse hat, das muss man uns in Dortmund nicht sagen", sagte Mats Hummels SPORT1 über das verlorene Duell vor dem Tor.

"Fußball entscheidet sich manchmal in diesen kleinen Momenten", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp über den Zweikampf, ohne seinem Abwehrchef einen Vorwurf zu machen.

Sammer voll des Lobes

Über 90 Minuten gewann Lewandowski für einen Stürmer starke 30 von 62 Duellen, wie die deltatre-Daten belegen. Bayerns Nummer 9 gab sich nach seinem ersten Ligaspiel an alter Wirkungsstätte so bescheiden wie möglich.

Schon auf den Torjubel nach seinem 14. Saisontreffer hatte der polnische Nationalspieler aus Respekt verzichtet. "Es war ein sehr knappes Spiel. Wir mussten kämpfen bis zum Ende und sind zufrieden, dass wir heute gewonnen haben", sagte der Torjäger.

Durch die Ausfälle von Arjen Robben und Franck Ribery lief das Bayern-Spiel weniger als sonst über die Flügel und mehr durch die Mitte, wo Lewandowski seine Stärken ausspielen konnte.

"Das war fantastisch heute", sagte Matthias Sammer über die Leistung des Polen. Es sei schon seit einigen Wochen im Training zu erkennen gewesen, dass Lewandowski die "zwei, drei Prozent, die ihm noch fehlten, wieder hat", so Bayerns Sportvorstand.

Das Resultat: Sein bisher wohl bestes Spiel im Dress des Rekordmeisters.

FC Bayern Muenchen-Matthias Sammer
Matthias Sammer war als Spieler und Trainer beim BVB © Getty Images

Getöse im Spielertunnel

Mit dem Erfolg über den Noch-Vizemeister tilgten die Bayern auch die Schmach der 0:2-Niederlage gegen Mönchengladbach. "Wir haben nicht gut gespielt, aber wir haben dagegengehalten. Wir waren ein gutes Team", lobte Trainer Pep Guardiola vor allem das Kollektiv.

Bei aller Abgebrühtheit ihrer Vorstellung vor mehr als 80.000 Zuschauern im Signal-Iduna-Park ließen die Münchner der Erleichterung über den Erfolg nach dem Abpfiff freien Lauf.

Mit lautem Getöse kamen sie vom Platz, machten den Spielertunnel zur Jubel-Röhre. "Gut so", "jaaa", hallte es dort lautstark heraus, ehe Rafinha, Medhi Benatia, Thomas Müller und Xabi Alonso feixend auf der Treppe zum Kabinengang auftauchten.

In der Kabine feierten die Münchner dann mit "Thiago, Thiago"-Gesängen das Comeback des über ein Jahr verletzten Spaniers.

Zorc: "Bayern haben robuster gespielt"

Bei so viel guter Laune hatten die Dortmunder nach diesem Ergebnis wenig dagegenzuhalten. Hummels fasste das große Plus der Münchner an diesem Abend in einem Wort zusammen: "Effektivität."

Die Borussen ließen zwar wenig Torchancen zu, nutzten aber wieder einmal die wenigen eigenen nicht. "Im Endeffekt kann man sagen, uns haben Sachen gefehlt. Aber ich glaube, wenn wir dieses Spiel 1:0 gewinnen, würde niemand sagen, dass es glücklich war", meinte Hummels.

"Die haben es clever gemacht, sie haben mehr Körper gebracht und robuster gespielt als wir, auch mehr Fouls", zollte BVB-Sportdirektor Michael Zorc auf SPORT1-Nachfrage den Bayern Respekt. "Und in der Schlussphase hatten sie in der einen oder anderen Situation das Glück, dass nicht gepfiffen wurde", spielte Zorc auf die elfmeterreifen Szenen an.

Klopp wollte sich trotz dreier torloser Heimspiele nicht allzu sehr grämen, drei Tage vor dem wichtigen Spiel im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Hoffenheim. "Wir sollten unsere Gemütslage nicht an einem Spiel gegen Bayern München festmachen", sagte der 47-Jährige sachlich-nüchtern.

Die Bayern saßen da längst feiernd im Mannschaftsbus. Schon nächste Woche kehren sie in den Westen zurück. Die Pokalreise nach Leverkusen werden sie nach diesem Prestigeerfolg in bester Gemütsverfassung antreten - und mit einem Robert Lewandowski in Topform.

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