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Schalkes Manager Horst Heldt müsse seinen Ankündigungen Taten folgen lassen, meint SPORT1-Experte Thomas Berthold © SPORT1/Imago

SPORT1-Experte Thomas Berthold hält nichts von Schalkes Kurz-Trainingslager und nimmt Sportchef Heldt in die Pflicht. Bei Trainer Di Matteo vermisst er den zweiten Schritt.

Hallo Fußball-Freunde,

sechs Spiele ohne Sieg - die Luft wird dünner auf Schalke. Das Ziel Champions League ist verpasst, jetzt droht Königsblau auch noch die Europa League zu verspielen.

Die Konkurrenz kommt immer näher, gerade Dortmund. Hoffenheim und Bremen sind auch nicht mehr weit weg. Erreicht Schalke auch die Europa League nicht, wäre das für den Klub mit seinem Anspruch der Super-GAU. 

Wenn man aber einmal nach den Offensiv-Optionen der Mannschaft schaut, dann gibt es dort vorne nur Klaas-Jan Huntelaar. Das ist ein typischer Boxspieler. Wenn er keine Bälle bekommt, wer soll denn da ein Tor schießen?

Schalke hat keinen torgefährlichen Mittelfeldspieler, bei dem man davon ausgehen kann, dass er mal zehn, zwölf Kisten macht. Zur Schalker Verteidigung muss man allerdings anführen, dass die langfristigen Verletzungen von Julian Draxler und Jefferson Farfan nicht zu kompensieren waren. Das ist Fakt.

Wenn Draxler und Farfan auf hohem Niveau spielen, wird der Druck von Huntelaar ein bisschen weggenommen. Ist das nicht so, dann ist Schalkes Offensive sehr leicht auszurechen. Die Gegner wissen ja, was Huntelaar kann und was nicht. Er hat nicht das Tempo wie beispielsweise ein Robert Lewandowski. Er kann nicht von außerhalb des Strafraums kommen und einem Verteidiger wegrennen und dann das Tor machen. Die Qualität hat Huntelaar einfach nicht.

Dazu kommt der Mangel an spielstarken Mittelfeldspielern. Schalke hat mit Roman Neustädter oder Marco Höger eher Sechsertypen, die gegen den Mann stark sind und abräumen. Aber sie können dem Spiel keine Linie geben.

Nach dem 0:2 in Mainz hat Sportchef Horst Heldt nun "kurzfristige Konsequenzen" angekündigt. Davon halte ich gar nichts. Wenn du so einen Spruch machst, musst du auch Taten folgen lassen, sonst wirst du als Dampfplauderer abgestempelt.

Substanzlos daher quatschen kommt bei keinem Fußballer gut an. Auch das Streichen des trainingsfreien Tages oder die Fahrt ins Trainingslager ist für mich purer Aktionismus.

Der Ansatz von Roberto Di Matteo, erst die Defensive stärken zu wollen und dann das Offensivspiel zu verbessern, mag ja grundsätzlich in Ordnung gewesen sein. Aber anders als zum Beispiel Lucien Favre in Mönchengladbach hat er den zweiten Schritt nicht hinbekommen.

Sollte Schalke den internationalen Wettbewerb verpassen, ist dieser Trainer den Fans schwer weiter zu vermitteln. Dann hat auch Heldt ein massives Problem. Von den letzten vier Gegnern geht es für drei - Stuttgart, Paderborn und Hamburg - noch um die Existenz. Spielt Schalke dort wie zuletzt, dann schaut Königsblau international künftig nur zu.

Bis zum nächsten Mal, Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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