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Lob für den SC Freiburg, extrem dunkle Aussichten für den HSV: Peter Neururer widmet sich den Abstiegskandidaten der Bundesliga. Mit überraschendem Ergebnis.

Abstiegskämpfe hat Peter Neururer schon viele erlebt, kaum ein Trainer im deutschen Fußball kennt die Mechanismen des brutalen Endspurts so gut wie der 60-Jährige.

Auch in diesem Jahr wäre er beinahe wieder mitten hinein geraten - Hannover 96 entschied sich aber letztlich für Michael Frontzeck.

Für Bundesliga Aktuell (18.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) widmet sich die Trainerlegende jedem Abstiegskandidaten und blickt auf die vier verbleibenden Spieltage. Für den HSV hat Neururer eine besonders düstere Prognose. (BERICHT: So klappt es mit dem Klassenerhalt)

SC Freiburg

"Wie die Freiburger muss man sich im Abstiegskampf verhalten: überhaupt keinen Gedanken daran verschwenden, den Trainer zu wechseln. Christian Streich hat seine Ziele mit dem SC Freiburg immer erreicht - warum soll man sich über ihn Gedanken machen?

Man versucht einfach gemeinsam, die Liga zu halten. Das reicht. Das ist beispielhaft. Für Freiburg spricht, dass sie vorher wussten: Es wird wieder eng. Sie haben ein Umfeld, das ruhig bleibt. Gegen den SC spricht der Spielplan. Es warten noch Paderborn, der HSV, der FC Bayern und Hannover. Freiburg ist aber noch am weitesten entfernt von der eskalierenden Tabellenzone." Tendenz: Freiburg bleibt drin

Hannover 96

"Hannover 96 hat bis zuletzt alles versucht, dem Trainer den Rücken zu stärken und im Umfeld für Ruhe zu sorgen. Das ist nicht gelungen. Dann mussten Martin Kind und seine Mitarbeiter reagieren. Mit einem so negativen Trend muss man leider ein Zeichen setzen, bei dem Kollege Tayfun Korkut gehen musste. Nachvollziehbar und verständlich.

Aber es macht jedem einzelnen die Situation klar, in der sich der Verein befindet. Für Hannover spricht die Tatsache, dass die Ultras wieder da sind. Diese machen aus den letzten Heimspielen wirkliche Heimspiele.

Auch in Wolfsburg kann 96 mit den eigenen Fans im Rücken punkten. Von der Qualität der Mannschaft her müsste es eigentlich reichen. Der Trend ist Hannovers Nachteil, denn er ist der schlechteste von allen, die unten stehen." Tendenz: Es sieht nach Abstieg aus

Hamburger SV

"Bei Hertha BSC bin ich mal als dritter Trainer in einer Saison angetreten mit dem Irrglauben, noch etwas verändern zu können. Der HSV hat jetzt bereits den vierten dieser Spielzeit, wobei Peter Knäbel nicht unbedingt als Trainer anzusehen war. Bleiben aber immer noch drei. Die Mannschaft muss innerhalb einer Saison drei verschiedene Vorgehensweisen lernen.

Und dann die Zeitkomponente: Wann sollen Bruno Labbadias Methoden greifen? Wenn sie greifen, ist die Saison zu Ende. Was beim Hamburger SV gemacht wurde, ist der fußballerische Wahnsinn. Sollte es den Fußballgott geben und sollte der HSV unten nochmal rauskommen, sollte man sich oben bedanken. Denn vier Trainer in einer Saison können keinem Verein helfen.

Die Hamburger haben aus den Fehlern der letzten Saison nichts gelernt. Sie machen einfach so weiter, wie es damals gelaufen ist. In diesem Jahr wäre man schon froh, den Relegationsplatz zu belegen. Die Mannschaft ist von den einzelnen Spielern her sicher stark genug um drinzubleiben. Mit dem letzten Trainer hat man noch ein bisschen Hoffnung. Die ist aber nicht groß." Tendenz: Der HSV geht runter

SC Paderborn 07 v SV Werder Bremen - Bundesliga
Paderborns Mario Vrancic tritt eine Ecke gegen Bremen © Getty Images

SC Paderborn

"Sie haben von vornherein gesagt: Wir sind als Aufsteiger überhaupt erst sensationell in die Bundesliga hineingeraten, nennen wir es einmal so. Sie haben in der 2. Bundesliga tollen und erfolgreichen Fußball gespielt und haben auch in der ersten Liga ihre Strukturen gar nicht großartig geändert.

Für den Kader haben sie nur punktuell Verstärkungen geholt. Diese haben durchaus eingeschlagen, nennen wir zum Beispiel Moritz Stoppelkamp. Sie haben dem Trainer Vertrauen geschenkt, die Sache gemeinschaftlich durchzuziehen. Wenn man vorher sagt: Wenn wir drin bleiben, wäre das die größte Überraschung überhaupt - warum soll man dann seine Linie verlieren?

Andre Breitenreiter macht einen tollen Job, er bringt Begeisterung rüber. Dass der SC Paderborn möglicherweise absteigt, kann man keinem Trainer und keiner Vereinsführung anlasten. Das ist eben so. Paderborn hat im Abstiegskampf zusammen mit Freiburg die geringsten Möglichkeiten. Von allen Teams sind sie eigentlich das schwächste." Tendenz: Für die Relegation kann es reichen

VfB Stuttgart v SC Freiburg - Bundesliga
Zuletzt nur ein Punkt gegen Freiburg: zu wenig für Stuttgart und Filip Kostic © Getty Images

VfB Stuttgart

"Stuttgart hat sich ähnlich verhalten. Sie haben den Trainer aus anderen Gründen im Laufe der Saison gewechselt. Armin Veh ist freiwillig gegangen, hat die Perspektive nicht mehr gesehen.

Auch in diesem Jahr vertraut man wieder Huub Stevens, was ich für richtig halte. In der Situation nochmal den Trainer zu wechseln, wäre von Panik gekennzeichnet. Der VfB Stuttgart spielt noch gegen Paderborn und den HSV: zwei Spiele, die man gewinnen muss." Tendenz: Macht den Relegationsplatz mit Paderborn unter sich aus

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