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Jürgen Klopp wurde mit Borussia Dortmund 2011 und 2012 Deutscher Meister © Getty Images

Sinsheim - Seit Jürgen Klopps Rücktrittsankündigung dreht der BVB wieder auf. Der Trainer wirkt deutlich gelöst, seine Spieler glauben an einen erfolgreichen Abschluss.

Dreieinhalb Wochen sind es noch, bis in Dortmund die Stunde null schlägt. Dreieinhalb Wochen, bis Jürgen Klopp zum letzten Mal als Trainer der Borussia an der Seitenlinie steht. Dreieinhalb Wochen, die einem angesichts der siebenjährigen Ära Klopp wie ein Wimpernschlag erscheinen - in denen man beim BVB aber noch einiges vorhat.

Das Saisonfinale - und vor allem Klopps - steigt am 30. Mai in Berlin. Beim Pokalfinale.

"Bis zum Ende alles aus dieser Saison herauspressen", sie "so überragend wie möglich zu Ende bringen", ihr "noch einen kleinen Stempel verpassen". All das hat Klopp seiner Mannschaft seit seiner Rücktrittsankündigung am 15. April bei verschiedenen Gelegenheiten zur Aufgabe gemacht. Und die Spieler scheinen zu hören.

Eindeutige Statistik

3:0 gegen Paderborn, 2:0 gegen Frankfurt, 1:1 in Hoffenheim: Seit jenem 15. April ist der BVB ungeschlagen. Zum Vergleich: Bis zum 28. Spieltag gelangen dem BVB nur 1,25 Tore bei 1,32 Gegentoren pro Partie, der Punkteschnitt lag bei für Klopps Verhältnisse unterirdischen 1,18 je Bundesliga-Spiel. Seit seiner Rücktrittsankündigung kommt die Borussia im Schnitt auf zwei eigene Tore bei nur 0,3 Gegentoren - und 2,33 Punkte pro Spiel.

Borussia Dortmund Celebrate Winning Bundesliga and DFB Cup
Klopps Traum: Noch einmal mit dem Laster um den Borsigplatz © getty

Den vorläufigen Höhepunkt der Dortmunder Wiederauferstehung lieferte das dramatische 3:1 nach Elfmeterschießen im Pokal-Halbfinale beim FC Bayern. Ein Sieg am 30. Mai im Endspiel in Berlin gegen Wolfsburg und Klopps Wunsch, noch einmal mit dem Laster um den Borsigplatz fahren zu dürfen, würde wahr.

"Es hat uns natürlich beeinflusst", hatte BVB-Kapitän Mats Hummels bereits nach dem Spiel gegen Paderborn über Klopps bevorstehenden Abschied gesagt, "aber vielleicht eher so, dass jetzt alle diese hundertprozentige Überzeugung haben und das hundertprozentige Ziel, dem Trainer einen gebührenden Abschied zu bereiten."

Hummels: "Hoffe, die Punkte fehlen am Ende nicht"

Ein gebührender Abschied, das würde in jedem Fall bedeuten, sich nach einer über weite Strecken katastrophalen Saison am Ende immerhin noch in die Europa League zu retten - egal, ob durch den Pokalsieg oder einen Platz unter den ersten Sieben der Bundesliga. Insofern verpasste die Borussia am letzten Wochenende bei 1899 Hoffenheim eine große Chance, sich eine noch bessere Ausgangsposition zu verschaffen.

"Ich hoffe, die beiden Punkte fehlen uns am Ende nicht", stellte Hummels nach dem Spiel fest, betonte aber auch: "Wir haben es immer noch selbst in der Hand. Davon bin ich überzeugt." Kapitänsvorgänger Sebastian Kehl stimmte ihm da vorbehaltlos zu, vor allem da man "viele Sachen gut gemacht" habe.

Das größte Manko machte der Routinier in der Chancenverwertung seiner Mannschaft aus. Zu Recht. Nachdem Hoffenheim die Partie vor der Pause bestimmte, legten die Schwarz-Gelben gegen Ende der Partie deutlich zu.

Gisdol: Aubameyang "unfair schnell"

Shinji Kagawa direkt nach der Halbzeit, der eingewechselte Ciro Immobile drei Minuten vor dem Ende und Ilkay Gündogan nach feinem Solo in der Schlussminute verpassten freistehend einen möglichen Führungs- oder sogar Siegtreffer. Ganz zu schweigen von Pierre-Emerick Aubameyang, der in der zweiten Hälfte allein dreimal frei vor 1899-Keeper Oliver Baumann auftauchte.

"Aubameyang ist einfach unfair schnell", klagte Hoffenheims Trainer Markus Gisdol ehrfurchtsvoll: "Das ist fast nicht zu verteidigen, wenn der antritt." Lediglich der Killerinstinkt ging dem Gabuner, mit 14 Saisontreffern bester BVB-Torschütze, am Samstag in der Sinsheimer Arena ab.

Hochgeschwindigkeitsfußball mit reihenweise besten Torchancen, aber eine ausgeprägte Fahrlässigkeit beim Verwerten derselben? Der eine oder andere BVB-Fan musste sich erinnert fühlen an jene Mannschaft, die trotz regelmäßigen Chancenwuchers zwischen 2010 und 2013 zu drei nationalen Titeln und einer Finalteilnahme in der Champions League gestürmt war.

Rückkehr des Gute-Laune-Kloppo

Zeiten, in denen Jürgen Klopp vor und nach den Spielen als strahlender Gute-Laune-Kloppo und während der 90 Minuten als brodelnde Emotionsmaschine jede Menge Sympathien gewann. Wesenszüge, die in den letzten Wochen wieder verstärkt beim Dortmunder Trainer zu beobachten sind.

In Sinsheim stürmte Klopp während des Spiels mehr als einmal in altbekannter Manier auf den Vierten Offiziellen zu, auf der Pressekonferenz war er dann schon wieder zu Späßen aufgelegt.

Wie er das Spektakel in der zweiten Halbzeit als Trainer erlebt habe, wurde der BVB-Coach gefragt. "Ich bin nicht dazu da, dass mir ein Spiel gefällt, oder zum Genießen", antwortete Klopp zunächst sichtlich unbeeindruckt, fügte dann aber mit einem Augenzwinkern an: "Aber wenn es den Leuten gefallen hat, ist das auch in Ordnung. Ist nicht schlimm."

Spektakel gerne - so lange die Ergebnisse stimmen

Das Spektakel, für das er in Dortmund jahrelang so erfolgreich gesorgt hat, gönnt Klopp den BVB-Fans auch in den letzten Wochen seiner Amtszeit nur zu gerne - so lange auch die Ergebnisse stimmen. Obwohl das gegen Hoffenheim nicht der Fall war, sprach Klopp doch davon, dass bei seinem Team gegen Ende des Spiels "ein Ventil aufgegangen" sei.

Er könnte damit genauso gut die Schlussphase dieser lange Zeit so verkorksten Saison gemeint haben. Gut möglich, dass ausgerechnet seine Rücktrittsankündigung den Anstoß dazu gegeben hat.

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