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Thomas Schaaf verlässt Eintracht Frankfurt
Thomas Schaaf sitzt laut Heribert Bruchhagen fest im Sattel © Getty Images

Frankfurt am Main - Bei Eintracht Frankfurt wird mit Sascha Lewandowski über einen Nachfolger für Thomas Schaaf diskutiert. Der mächtigste Mann am Main aber stützt seinen Trainer.

Am Freitag wird bei Eintracht Frankfurt die letzte Pressekonferenz der Saison stattfinden. Ab 13.30 Uhr wird sich nicht nur Trainer Thomas Schaaf in dem fensterlosen Raum im Erdgeschoss der Frankfurter Arena zum Verhör stellen. Auch Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen ist dabei.

Das gilt als guter Brauch bei den Hessen, gilt es doch vor dem 34. Spieltag eine Art Bilanz zu ziehen und einen Ausblick zu geben. Aber Schaaf und Bruchhagen werden nicht verhindern können, dass auch unangenehme Fragen aufkommen.

Bruchhagen positioniert sich klar

Etwa: Wie soll es in dieser angespannten Atmosphäre weitergehen? Oder: Ist im Binnenverhältnis zwischen Spieler und Trainer wirklich alles in Ordnung, dass die vertragliche fixierte Zusammenarbeit bis 2016 fortgesetzt werden kann? Bei Sky Sport News hat sich Bruchhagen am Dienstag klar positioniert: "Thomas Schaaf bleibt Trainer in der kommenden Saison - auf jeden Fall."

Gerne rühmt sich der 66-Jährige, seit seinem Amtsantritt 2003 erst ein einziges Mal - im Abstiegsjahr 2011 - eine Abfindung für einen Trainer ausgegeben zu haben. Tatsächlich sind die drei Monatsgehälter von jeweils 75.000 Euro für den damals erfolglos durch Christoph Daum ersetzten Michael Skibbe die einzige Summe, die sich in den sehr ordentlichen Frankfurter Bilanzen finden lässt.

Bruchhagen stützt Schaaf. Und sei es damit, dass der wertkonservative Ostwestfale den von ihm konsolidierten Klub als "trainerstabil" bezeichnet. Überdies gelte, dass er "nicht auf jeden Kahn aufspringt, der den Main herunterfährt". Doch auch der bestens vernetzte Boss müsste längst wissen: Die Kritik am unkommunikativen Coach kommt von Leistungsträgern - und wurde hinter vorgehaltener Hand vorgetragen.

Immerhin: In  von Vereinsseite zuletzt freigegebenen Interviews wird das Trainer-Thema nicht ausgespart. Kapitän Kevin Trapp sagte der "Frankfurter Rundschau" angesprochen darauf, ob die Mannschaft mit dem Trainer könne: "Er ist ja kein Unbekannter. Er hat Riesenerfolge gehabt. Er ist ein sehr guter Trainer, der uns viel abverlangt, der uns fordern will."

"Das Verhältnis ist normal"

Und Torjäger Alexander Meier erklärte im "Kicker" auf die Frage, ob die Kritik berechtigt sei: "Das Verhältnis ist normal. Der Trainer will Erfolg, die Mannschaft genauso. Dafür braucht er nicht unser Freund zu sein."

Zumindest aus den Zwischentönen wird deutlich: Zwischen Trainerstab - Schaaf hat mit Wolfgang Rolff, Matthias Hönerbach und Michael Kraft die ehemaligen Bremer Helfer mitgebracht - und den Spielern passt mehr als ein Blatt Papier. Und im Aufsichtsrat gibt es offenbar zwei Lager, denn nicht alle gehen in der Trainerfrage mit Bruchhagen konform. Aber das Kontrollgremium kann nicht über den Trainer entscheiden, das ist Aufgabe des Vorstands.

Interesse an Sascha Lewandowski

Wie Bild und Sportbild gleichlautend berichtet haben, besteht angeblich ein Interesse am ehemaligen Leverkusener Cheftrainer Sascha Lewandowski. Vorteil: Der Nachwuchs-Experte von Bayer Leverkusen ist mit 43 Jahren deutlich jünger als Schaaf (54) und mit der Förderung junger Spieler vertraut. Dazu stellt die "Frankfurter Rundschau" nun fest: "Schon vor der vergangenen Saison war Lewandowski ein Kandidat in Frankfurt. Es wäre eine Lösung, die Charme hätte."

Dann müsste Schaaf entweder entlassen werden und freiwillig zurücktreten. Doch dafür gibt es keinerlei Anzeichen. Schaaf selbst schweigt zu den Vorwürfen oder äußerst sich ausweichend. Denn: Der gebürtige Mannheimer und scheinbar Ewig-Bremer fühlt sich in der Mainmetropole sichtlich wohl und denkt gar nicht daran, davonzulaufen. Die Gemengelage ist vertrackt: Bruchhagen, der Schaaf persönlich im zweiten Anlauf geholt hat, hört im Sommer nächsten Jahres auf.

Aufsichtsratsvorsitzender pro Armin Veh

Zum selben Zeitpunkt soll auch der Wertpapierhändler Wolfgang Steubing den Vorsitz des Aufsichtsrates übernehmen. Öffentlich hält sich Steubing, nach dem die Halle am Riederwald benannt ist, mit Aussagen vornehm zurück. Der 65 Jahre alte Börsenmakler kann sich gut vorstellen, den kumpelhaften Armin Veh nach Frankfurt zurückzuholen, der derzeit in Augsburg wohnt und die Bundesliga aus sicherer Distanz beobachtet.

"Irgendwann werde ich wieder arbeiten", ließ der Ex-Coach der Eintracht nun verlauten. Gehandelt wird die Variante, dass Veh für ein Jahr als Trainer arbeitet und dann den Bruchhagen-Posten übernimmt. Der 54-Jährige ist trotz mangelnder Erfahrung auf solch einer Position in Frankfurt allemal vorstellbar und leicht vermittelbar, zumal der kaufmännische Bereich durch den Finanzfachmann Axel Hellmann bestens abgedeckt ist. Diese und andere Personalfragen wabern über der Eintracht, bei der das letzte Saisonspiel gegen Bayer Leverkusen (ab 15 Uhr im LIVETICKER und in unserem Sportradio auf SPORT1.fm) völlig in den Hintergrund tritt.

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