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Matthias Sammer (l.) und Karl-Heinz Rummenigge arbeiten seit 2012 beim FC Bayern zusammen © SPORT1/getty

Die Münchner Bosse sind auf Kurssuche. Sportvorstand Sammer will keinen radikalen Umbruch, die Vorstellungen von Karl-Heinz Rummenigge hören sich anders an.

Wie stellt sich der FC Bayern für die neue Saison auf? Und vor allem, wie sehr greift der finanzkräftige Klub auf dem Transfermarkt zu? Die Erinnerung an vergangene Jahre, als der FCB wie nach der Triple-Vizesaison 2012 in neue Spieler 70 Millionen Euro investierte, sind frisch.

Andererseits tröstete im Mai die Meisterschaft die Münchner über die verpassten Chancen in Champions League und DFB-Pokal hinweg. Matthias Sammer hat das im Hinterkopf, wenn er über die Planungen für die neue Spielzeit spricht.

Dabei schließt der Sportvorstand einen radikalen Umbruch aus.

"Das ging die Hose"

"Einen solch großen Schnitt gab es beim FC Bayern 1990 nach der Weltmeisterschaft. Der ging ziemlich in die Hose", sagte Sammer im Interview mit der Welt am Sonntag.

"Wir  werden keine bestehenden Hierarchien zerstören, das wäre kontraproduktiv. Unser Mannschaftsgefüge hat sich bewiesen."

1990 verließen fünf Spieler, darunter Ludwig Kögl, Hansi Flick und Hansi Dorfner den Klub, der 21-jährige Stefan Effenberg sowie sechs weitere Profis kamen.

Rückendeckung für Schweinsteiger und Alonso

25 Jahre später will Sammer nichts überstürzen. Und das trotz zig Münchner Routiniers der Kategorie Ü30 wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Arjen Robben, Franck Ribery und Xabi Alonso. Aus Sicht des Europameisters von 1996 sind diese Profis aber allesamt noch zu Glanztaten fähig.

Das gelte auch für das Mittelfeldduo Schweinsteiger und Alonso. "Natürlich geht die Karriere von Bastian und Xabi in den Herbst. Doch ich habe schon wunderbare Herbsttage erlebt. Wir haben keinen Grund zur Panik."

Die Kritik an der Altersstruktur nervt den Münchner Chefstrategen ohnehin.  "Es wird gerade so dargestellt, dass die Mannschaft über den Zenit sei - das ist überhaupt nicht der Fall", hatte er bereits am Freitag bei Sky festgestellt.

"Es wird keinen Aktionismus geben"

Also Spardose und Festgeldkonto statt einer großen Transferoffensive?

Sammer bleibt zurückhaltend, "punktuell" soll das Team aufgefrischt werden, "Reizpunkte" müssten gesetzt werden.

Die klare Ansage: "Es wird keinen Aktionismus geben."

Sammer lobt zwar Begabungen wie Noch-Dortmund-Profi Ilkay Gündogan, äußert sich aber vorsichtig. Ein Zeichen, das die Führungsetage des FC Bayern auf Kurssuche ist.

Rummenigge schaut sich um

Denn die Worte von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge lassen andere Rückschlüsse zu.

Bei der Meisterfeier am Marienplatz sagte er zu den immer heißer umkämpften Transferjuwelen: "Wir müssen geduldig und klug sein und brauchen etwas Glück."

Das Rennen um die großen Stars wie beispielsweise Manchester-United-Profi Angel di Maria, das weiß auch Rummenigge, läuft immer später ab. Es wird gepokert. Oft bis zum allerletzten Moment.

"Hierarchien in Frage stellen"

Rummenigge hat mehr als einmal erfolgreich um Ausnahmespieler wie Franck Ribery (2007) oder Javier Martinez (2012) gestritten. Der Baske kam vor drei Jahren gar in einer spektakulären Aktion aus Bilbao, Medizincheck mitten in der Nacht.

Rummenigge will alles, ohne sein Blatt zu überreizen. "Wir sind immer bemüht, auf jeden Fall was zu machen", sagte Rummenigge zuletzt im SPORT1-Interview.

"Erst mal um die Qualität, die ohne Frage schon vorhanden ist, noch mal ein bisschen zu verbessern und auch - da mache ich keinen Hehl daraus - die Hierarchien in Frage zu stellen."

Wohin soll es gehen?

Sammer will "keinen Aktionismus", Rummenigge möchte an den Hierarchien rütteln. Gibt es also nur eine Politur des aktuellen Kaders oder einen Umbruch? Beides zusammen geht nicht. Die beiden Vorstandsmitglieder müssen sich jetzt abstimmen und zudem natürlich Trainer Pep Guardiola im Blick haben. Der muss aus den Spielern schließlich eine Siegermaschine bauen.

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