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Mönchengladbach - Das Fernduell zwischen Gladbach und Leverkusen birgt viel Brisanz. Die große Frage: Reagieren die Bayern auf Titelgewinn, Pokalaus und Personalmisere mit einer B-Elf?

Christoph Kramer ist entspannt.

Der FC Bayern am Boden? Geschockt durch das bittere Pokalaus gegen Borussia Dortmund? Gebeutelt durch die Verletzungen von Arjen Robben und Robert Lewandowski? Möglicherweise sogar nur auf halber Kraft aufgrund des bereits feststehenden Meistertitels und des anstehenden Halbfinales in der Champions League gegen den FC Barcelona?

Wettbewerbsverzerrung also möglicherweise im Topspiel des 31. Spieltags am Samstag (ab 18 Uhr im LIVETICKER und in unserem Sportradio SPORT1.fm) bei Bayer Leverkusen?

Falls ja, völlig egal.

"Uns ist bewusst, dass wir ohnehin nur unsere eigene Punkteausbeute beeinflussen können", sagte der Nationalspieler von Borussia Mönchengladbach. Und auch Max Kruse sieht die Konstellation vor dem Fernduell um den dritten Platz und die damit verbundene direkte Qualifikation für die Königsklasse pragmatisch.

Bayern wollen jedes Spiel gewinnen

"Wir können das nicht beeinflussen. Aber ich glaube jeder weiß, dass die Bayern jedes Spiel gewinnen wollen. Alle elf, die auf dem Platz stehen, versuchen jedes Spiel zu gewinnen", sagte Kruse, der die Borussia nach SPORT1-Informationen nach der laufenden Saison in Richtung Wolfsburg verlassen wird.

Dem gegenüber stehen zunächst Pep Guardiolas Gedanken. "Die Bundesliga haben wir eh schon gewonnen, die ist vorbei", sagte Bayerns Trainer am Freitag. "Unser Blick ist schon etwas auf Barcelona. Wir können aber nicht acht oder neun Spieler rotieren, das ist gar nicht möglich. Außer den sicheren Ausfällen wird wohl jeder mitfliegen, auch Rafinha und Juan Bernat."

Zwei Talente bei Bayern

Nach SPORT1-Informationen bleiben jedoch Thomas Müller und Jerome Boateng in München. Dafür reisen Rico Strieder und Lukas Görtler aus der zweiten Mannschaft der Münchner mit.

Kramer stellte klar: "Wir fokussieren uns auf unsere Aufgabe, wir haben es in der eigenen Hand und in Berlin eine schwere Aufgabe."

Die Borussia hat derzeit zwei Punkte Vorsprung auf Bayer, Schützenhilfe der Bayern wäre also nicht nur hilfreich, sondern bei einem eigenen Sieg einen Tag später bei der Hertha schon eine kleine Vorentscheidung bei dann fünf Zählern Vorsprung und dem dann folgenden direkten Duell mit Bayer.

Doch das ist erst einmal nur Rechnerei. In Leverkusen geht man sowieso davon aus, dass die Bayern Selbstvertrauen tanken wollen. Nach dem Stolperstein BVB wieder aufstehen und Schwung aufnehmen wollen, für das große Ziel, den Gewinn der Champions League.

Ein heißer Tanz

"Das Spiel wird ein heißer Tanz werden, denn sie wollen bei uns nicht verlieren und dann mit einem schlechten Gefühl in das Spiel beim FC Barcelona gehen. Und selbst wenn sie einige vermeintliche Ersatzspieler bringen werden, werden die auch brennen. Bayern hat nicht nur zwölf, 13 Weltklassespieler, sondern über 20", sagte Torhüter Bernd Leno.

Was bei aller Sorge um Wettbewerbsverzerrung gerne mal vergessen wird: Natürlich hat Bayer Leverkusen ganz nebenbei auch die nötige Qualität, um die Bayern vor Probleme zu stellen, auch in Bestbesetzung. Zu bewundern war das erst Anfang April, als der Rekordmeister sich im DFB-Pokal über das Elfmeterschießen in das Halbfinale quälte.

"Da haben wir gegen eine Top-Mannschaft gut mitgehalten, waren mindestens gleichwertig und hätten das Spiel auch gewinnen können. Deshalb müssen wir uns auch nicht verstecken. Wir wollen gegen die Bayern auf jeden Fall gewinnen", gab es von Leno bereits eine Kampfansage nach München.

Ein schmaler Grat

Fakt ist: Es ist ein schmaler Grat für die Bayern. Die Tatsache, dass Guardiola in den vergangenen Wochen aufgrund der Verletzungsprobleme nicht ausgiebig rotieren konnte, wird im Endspurt Spuren hinterlassen.

Und auch wenn die Bayern die bittere Pokalpleite hinter sich lassen können, wird das nur vier Tage später anstehende Halbfinal-Hinspiel bei Barca bereits in den Hinterköpfen sein. Auch wenn so etwas natürlich immer fleißig dementiert wird.

Gut möglich also, dass der Katalane im Hinblick auf das Duell mit seinem Ex-Klub und einem drohenden Horror-Szenario mit dem Aus in der Königsklasse tatsächlich einige Leistungsträger schont, die noch nicht zur Verletztenliste gehören. Damit die nicht noch unnötig länger wird.

Denn Fakt ist auch: Wettbewerbsverzerrung hin oder her - die Bundesliga steht nach dem verpassten Pokalfinale für die Bayern nur noch an zweiter Stelle. Wenn überhaupt.

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