Video

Ismaning - Nach der Niederlage gegen Stuttgart steht der HSV vor dem Abgrund und setzt auf höhere Mächte. Hannover motzt, Paderborn trauert. SPORT1 beleuchtet den Abstiegskampf.

Unrühmlicher hätte sein Abgang kaum sein können. "Die Rettung ist für mich wertvoller als jeder Titel auf der Welt", hatte Rafael van der Vaart vor der Partie gegen Stuttgart noch voller Pathos angekündigt.

90 Minuten später schlich er mit gesenktem Kopf vom Feld. An der Eckfahne leistete sich der Niederländer in der Nachspielzeit einen Schubser, trat nach, motzte - und sah die Gelbe Karte. Es war seine zehnte in dieser Saison.

Nun muss er zuschauen. Im entscheidenden Spiel um den Klassenerhalt, um die Zukunft seines Vereins. Ein Sinnbild einer erneut verkorksten Saison des Hamburger SV (17., 23:50 Tore, 32 Punkte).

Hoffen auf Gott

Um diese noch zu retten, braucht der HSV nun das so oft titulierte Wunder - und vielleicht sogar noch mehr. "Wir müssen Schalke schlagen und ein wenig auf den lieben Gott hoffen", fasste Zoltan Stieber die fast schon aussichtlose Lage zusammen.

Denn die Hamburger haben mit ihrem blutleeren Auftritt in Stuttgart ihr eigenes Schicksal in fremde Hände gelegt. Für den direkten Klassenerhalt dürfte selbst bei einem eigenen Erfolg der VfB beim SC Paderborn nicht gewinnen. Zudem dürften Hannover und Freiburg nicht Unentschieden spielen.

"Wir haben zum beschissensten Zeitpunkt eine katastrophale Leistung abgeliefert", wurde Marcell Jansen deutlich.

"Kämpfen bis zur letzten Sekunde"

So wirklich scheint in Hamburg keiner mehr an den Klassenerhalt zu glauben, auch wenn Boss Dietmar Beiersdorfer noch nicht von der Zweiten Liga sprechen will: "Wenn wir uns jetzt zurückziehen und immer nur schlecht denken, wird es auch so kommen. Wir glauben nach wie vor dran und werden bis zur letzten Sekunde kämpfen."

Mehr als nur Durchhalteparolen? Fakt ist: Beiersdorfer, im Sommer noch als Heilsbringer geholt und gefeiert, könnte nun der Mann sein, der beim HSV die Uhr abstellt.

SPORT1 zeigt die Lage der weiteren Abstiegskandidaten:

Hertha BSC: Platz 13 (35 Punkte, 35:50 Tore)

In Berlin liegen die Nerven blank. Stürmer Salomon Kalou vergab kläglich den Sieg gegen Frankfurt und handelte sich von Keeper Thomas Kraft das wenig schmeichelhafte Prädikat "blind" ein.

Direkt absteigen wird die Hertha wohl nicht mehr, doch ein Remis zwischen Hannover und Freiburg sowie ein Stuttgarter Sieg in Paderborn könnte die Berliner zumindest noch auf den Relegationsplatz befördern.

SC Freiburg: Platz 14 (34 Punkte, 35:45 Tore)

Mit dem Sieg gegen Bayern haben sich die Breisgauer gefühlt schon gerettet. Die Fans erlebten im Stadion eine emotionale Explosion, Matchwinner Nils Petersen sprach von "enormem Rückenwind".

Nur Trainer Christian Streich, der nach dem Abpfiff in die Kabine stürmte und sich dabei auf den Hosenboden setzte, warnt noch: "Wir dürfen jetzt nicht fliegen und anfangen zu spinnen." Ein Unentschieden gegen Hannover dürfte für die Rettung reichen.

Hannover 96: Platz 15 (34 Punkte, 38:55 Tore)

Nach 151 Tagen gewinnt 96 erstmals wieder in der Bundesliga, meldet sich im Kampf um den Klassenerhalt zurück - und hat trotzdem schlechte Laune. Denn durch den Last-Minute-Sieg der Freiburger reicht Hannover ein Unentschieden nicht zur sicheren Rettung.

"In der Regel werden in der Liga ja alle von Bayern hingerichtet. Jetzt ist es plötzlich ganz anders ...", schimpfte Manager Dirk Dufner: "Möglicherweise stellen bald vier, fünf Vereine den Antrag, gegen Bayern nur in den letzten Spielen antreten zu wollen."

VfB Stuttgart: Platz 16 (33 Punkte, 40:59 Tore)

Zweiter Sieg in Folge, den HSV kämpferisch und spielerisch dominiert: Die Schwaben haben den breitesten Brustring im Abstiegsthriller.

Noch vor wenigen Wochen beinahe abgeschrieben, kann Huub Stevens' "Affenbande" mit einem Sieg am letzten Spieltag den Klassenerhalt perfekt machen.

SC Paderborn: Platz 18 (31 Punkte, 30:63 Tore)

Bei Aufsteiger Paderborn sieht es düster aus. Kämpferisch überzeugt, haufenweise Torchancen kreiert und am Ende doch wieder keine Punkte. Unglücksrabe Uwe Hünemeier besiegelte kurz vor Schluss mit einem Eigentor die bittere Niederlage auf Schalke.

"Wir müssen dieses Spiel nun erst einmal verarbeiten und aus den Köpfen bekommen", sagte ein geknickter Andre Breitenreiter. Aufgeben will der Trainer jedoch nicht: "Es zeichnet uns aus, dass wir die Köpfe immer wieder hoch bekommen."

Mit einem Sieg gegen Stuttgart ist zumindest die Relegation noch in Reichweite.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel