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Hamburg - Unter Bruno Labbadia läuft es beim HSV besser. Mit dem Trainer kehrt die Hoffnung zurück. Für Labbadia selbst ist es die Chance, die Kritiker zu überzeugen.

Von Clemens Gerlach

Soviel Einigkeit gab es lange nicht beim Hamburger SV.

"Er ist ein leidenschaftlicher Trainer und ein Kerl, der zupacken kann", sagen die einen. "Er erreicht die Spieler, weil er deren Sprache spricht", sagen die anderen. Vor allem aber stimmen unter dem gepriesenen Bruno Labbadia die Ergebnisse.

In den sechs Begegnungen, die der 49-Jährige zu verantworten hat, holte der HSV zehn Punkte. Nur deshalb konnten sich die Norddeutschen in die Relegation retten und haben überhaupt noch die Chance, die Klasse zu halten.

Am Donnerstag geht es im Hinspiel gegen den Zweitliga-Dritten Karlsruher SC los. Die Partie (ab 20.30 Uhr LIVE im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) war sehr schnell ausverkauft. Der Optimismus, es wie schon vergangene Saison (damals gegen Fürth) zu schaffen, ist groß. "Jetzt schlagen wir jeden", tönte HSV-Torwart Rene Adler.

Labbadia als Vater des Erfolges

Dass sich die Stimmung beim HSV aufgehellt hat, ist hauptsächlich das Verdienst Labbadias. Der Chefcoach, je nach Zählweise der dritte oder vierte der laufenden Spielzeit, hat es verstanden, einen Teamspirit zu entwickeln. Und er hat den hochbezahlten, aber leistungsschwachen Profis neues Selbstvertrauen gegeben.

Die HSV-Bosse sind entsprechend zufrieden. Sie freuen sich, dass endlich einmal eine ihrer Personalentscheidungen gegriffen hat. Der bisherige Erfolg Labbadias zeigt aber auch, wie viel beim HSV in puncto Übungsleiter falsch gelaufen ist.

Labbadia sagt es ja selbst: "Ich bin kein Zauberer." Wäre er einer, würde es das Unterfangen erheblich erleichtern. Vorerst reicht es jedoch, dass beim HSV jemand fachlich versiert ist und mit voller Unterstützung seiner Arbeit mit der Mannschaft nachgehen kann.

Drei Vorgänger

Das war trotz gegenteiliger Bekundungen in den vergangenen Monaten nicht der Fall. Mirko Slomka ging bereits angezählt in die Saison und durfte nach drei Null-Tore-Auftritten einpacken. Dessen Nachfolger Josef "Joe" Zinnbauer, befördert von der HSV-Reserve, wurde nie das Image los, nur der Platzhalter für Thomas Tuchel zu sein.

Und da wäre noch Peter Knäbel. Der amtierte für zwei Spiele. In diesen zeigte der Sportdirektor des HSV, dass er ein Sportdirektor ist, der auf der Trainerbank Platz genommen hat, in seinem eigentlichen Metier aber besser aufgehoben ist.

Dann kam Bruno Labbadia. Mit ihm ging es aufwärts. Von Platz 18 auf Platz 16. Erreicht hat der HSV damit nicht die Rettung, sondern nur die Teilnahme an der Relegation. Schon das wird wie ein Wunder gefeiert.

Labbadia, der vor seinem Wiedereinstieg beim HSV fast 20 Monate ohne Job im Fußball war, bleibt nüchtern. "Wir haben uns zwei Endspiele erarbeitet." Natürlich hofft der Fußballlehrer, auch kommende Saison ein Team in der ersten Liga betreuen zu dürfen. Sein bis 2016 laufender Vertrag gilt aber selbst im Falle des Abstiegs.

"Für mich war das Kapitel HSV nie so richtig beendet", hatte Labbadia vor Beginn seines zweiten Anlaufs in Hamburg erzählt. Ende April 2010 war er nach zehn Monaten beurlaubt worden. Wie schon zuvor in Leverkusen hatte sein Team stark begonnen und dann kräftig nachgelassen.

"Wir müssen uns selbst helfen"

Insofern geht es Labbadia beim HSV auch darum zu beweisen, dass er eine Mannschaft nicht nur kurzfristig heiß machen, sondern langfristig entwickeln kann. Derzeit pflegt der HSV mangels spielerischer Qualität einen sehr rustikalen Stil. Es ist ein Revival des Kick and Rush. Weite Bälle und dann hoffen.

"Es geht nicht mit Handauflegen, wir müssen uns selbst helfen", umschreibt Labbadia seinen pragmatischen Ansatz. Dass er schönen Fußball spielen lassen kann, hat er bei seinem ersten Engagement in Hamburg bewiesen.

Der damaligen Vereinsführung um Bernd Hoffmann waren aber die Resultate nicht gut genug. Drei Spieltage vor Saisonende feuerten sie Labbadia. Der HSV stand auf Rang sieben. Heute würden sie so eine Platzierung mit Kusshand nehmen.

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