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Mario Götze FC Bayern
Mario Götze kam 2013 für 37 Millionen Euro von Borussia Dortmund zum FC Bayern © Getty Images

München - Der WM-Held ist bei Pep Guardiola offensichtlich nur noch zweite Wahl. Trotz aller Treuschwüre: So wie im Moment macht die Liaison weder für Bayern noch für Götze Sinn.

Mario Götze hatte keine Lust mehr. Zu reden.

Der WM-Held verließ die Allianz Arena am Dienstagabend kommentarlos. Was sollte er auch sagen, ohne ins Fettnäpfchen zu treten?

Die erneute Missachtung durch Pep Guardiola im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Barcelona spricht ohnehin eine eindeutige Sprache.

Denn angesichts der Torflaute von über sechs Stunden und dem Zwang, nach dem 0:3 aus dem Hinspiel voll auf Offensive setzen zu müssen, hatten eigentlich alle Beobachter mit einem Einsatz von Götze in der Startelf gerechnet.

87 Minuten auf der Bank

Doch Guardiola ließ den 37-Millionen-Einkauf aus Dortmund 87 Minuten auf der Bank schmoren, die drei Minuten plus Nachspielzeit am Ende konnte man schon fast als die nächste Demütigung auffassen.

Mitspieler und Verantwortliche wollen den offensichtlichen Konflikt aber anscheinend nicht wahrhaben. "Es ist nie einfach. Gerade bei Topvereinen gibt es 14, 15 Spieler auf dem gleichen Niveau", meinte Bastian Schweinsteiger im Gespräch mit SPORT1.

"Mario ist ein sehr talentierter Spieler und als junger Spieler sehnt man sich nach Vertrauen. Aber ich kann aus Erfahrung sprechen: Ich habe auch mal öfter nicht gespielt, als ich jung war. Da muss man einfach dran bleiben und das macht der Mario. Das hat er auch bei der WM bewiesen, als er schlussendlich das entscheidende Tor gemacht hat. Er ist ein guter Kerl, hat den richtigen Charakter und auch den Willen."

Kapitän Philipp Lahm sieht es ähnlich: "Mario ist ein wichtiger Spieler, der sehr, sehr viel Talent hat. Das hat er häufig schon bewiesen. Deswegen muss man in so Situationen ruhig bleiben und das macht er auch."

Gute Hinrunde, schlechte Rückrunde

Allerdings kann man sich vorstellen, dass es im Innern des 22-Jährigen anders aussieht. Schließlich hatte er nach dem WM-Siegtreffer ganz andere Ziele und wollte nach dem durchwachsenen ersten Jahr bei den Bayern durchstarten, was ihm in der Hinrunde auch gelang.

Doch nach der Winterpause zeigt die Tendenz bei Götze steil nach unten. Nur beim 8:0 gegen den Hamburger SV Mitte Februar trug sich der Offensivspieler noch zweimal in die Torschützenliste ein, seitdem blieb er torlos. Und in den wichtigen Spielen wie zuletzt gegen Dortmund oder Barcelona war er nur noch zweite Wahl.

Entsprechend hart ist die Kritik an Götze, weshalb Oliver Bierhoff bei Sky vor allem gegen die Medien schoss. "Ich finde es unsäglich, wie jetzt auf Mario rumgehackt wird. Er ist ein unglaublich professioneller Spieler bei uns, er beschäftigt sich wahnsinnig viel mit seinem Beruf, ist ein sehr junger Spieler und hat schon große Schritte gemacht. Dass es mal Momente gibt, in denen es nicht so läuft, ist auch ganz normal."

Keine Zukunft unter Guardiola?

Doch eigentlich kann man Bierhoffs Worte genauso gut auf Guardiolas Umgang mit seinem Jungstar münzen, der ursprünglich eigentlich Barca-Star Neymar haben wollte. Die Unzufriedenheit darüber muss dem Anschein nach Götze ausbaden, mit dem der Trainer kaum noch sprechen soll.

Angeblich möchte Guardiola seinen teuren Bankdrücker beim geplanten Umbruch im Sommer aussortieren. Allerdings können sich nur wenige Vereine in Europa Götzes nach wie vor hohe Ablösesumme (rund 30 Millionen Euro) und sein Gehalt leisten, schon gar nicht Ex-Verein Borussia Dortmund.

„Mario Götze hat Vertrag, warum soll es keine Zukunft geben?", wies Sportvorstand Matthias Sammer daher auch die täglich lauter werdenden Wechselgerüchte vehement zurück. "Er ist ein junger Spieler und manches braucht manchmal auch ein bisschen Zeit. Wir sind an seiner Seite, wir helfen ihm, er hat unsere ganze Unterstützung und wir brauchen ihn natürlich auch.“

Bleibt die Frage, ob die Bayern-Bosse mit ihren Treueschwüren nur den Preis hoch halten wollen oder tatsächlich an eine Versöhnung mit Guardiola glauben. So wie im Moment macht die Liaison jedenfalls weder für den Spieler noch für den Verein Sinn.

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