Hamburg - Freiburg ist im Duell der beiden Absteigskandidaten das bessere Team, verpasst dennoch den Sieg. Beim Hamburger SV wird erneut Gojko Kacar der Retter.

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Von Clemens Gerlach

Der Mann des Abends ließ nicht locker. Gojko Kacar setzt nach und ging noch einmal zum Kopfball hoch – mit Erfolg. In der Schlussminute der regulären Spielzeit drückte der Serbe den Ball aus kurzer Distanz über die Linie und rettete dem Hamburger SV im Abstiegsduell mit dem SC Freiburg das 1:1 (0:1).
"Ich habe wieder geglaubt, noch an den Ball zu kommen", sagte Kacar. Schon im vergangenen Spiel bei Mainz 05 hatte der Serbe im zweiten Anlauf den 2:1-Siegtreffer erzielt.

HSV-Trainer Bruno Labbadia sah in Kacar das "Sinnbild der Mannschaft". Die Hamburger gaben vor 57.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion trotz eines Rückstands durch Admir Mehmedi (25. Spielminute) nicht auf. "Gojko hat sich reingehauen", lobte auch HSV-Rechtsverteidiger Heiko Westermann. "Wir haben nur mit Willen das Tor gemacht", sagte Kacar.

Verbleib über den Sommer?

Seit 2010 ist der 28-Jährige beim HSV. Voll überzeugen konnte er nie, für ein halbes Jahr war er sogar schon nach Japan ausgeliehen worden. Kacars zum Saisonende auslaufender Vertrag sollte eigentlich nicht verlängert werden. Doch seit Labbadia da ist, läuft es beim Mittelfeldspieler richtig gut. Nun kann sich Kacar doch noch Hoffnungen machen, beim HSV bleiben zu dürfen.
Nicht nur Kacar, der gesamten Mannschaft hat Labbadia Selbstvertrauen eingeimpft. Spielerisch ist es immer noch schwer erträglich. In der ersten Halbzeit und dem Großteil der zweiten gegen Freiburg ging es gar nicht.

"Da haben mir Körpersprache und Mutlosigkeit nicht gefallen", kritisierte Labbadia, "doch dann haben wir alles, was wir noch hatten, nach vorne geschmissen und das 1:1 erzwungen." Für die auf Platz 14 rangierenden Hamburger war es ein demnach gewonnener Punkt.

Schadenfreude für Freiburg

"Freiburg ist unten geblieben, das ist das Wichtigste", sagte Kacar. Und Labbadias Team hat zudem die Gewissheit, trotz Mangel an Eleganz und Kreativität Erfolge erzielen zu können.

"Wir haben nun eine gute Ausgangslage", führt Labbadia aus. Beim VfB Stuttgart steht in der kommenden Woche das nächste Kellerduell an. "Das ist für uns ein Endspiel", sagte Kacar, "da müssen wir viel mehr investieren."
Der SCF hingegen kann mit dem Unentschieden in Hamburg nichts anfangen. Am Ende steht der Frust, wachsen die Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit. Wieder einmal vergab das Team trotz etlicher Chancen den entscheidenden Schlag und baute so den unterlegenen Gegner auf. Seit sechs Begegnungen hat Freiburg nicht mehr gewonnen.

Streich kämpferisch

Trainer Christian Streich betonte erneut, dass seine Mannschaft in dieser Saison "unglaubliche Niederschläge erlebt" hätte. Er verwies auf "wahnsinnig viele Verletzte".

Der SCF-Coach lobte darüberhinaus den Einsatzwillen seiner Spieler und deren professionelle Haltung. Doch was bringt das alles, wenn dem Sport-Club nicht glückt, was laut Labbadia im Abstiegskampf einzig zählt: "Ergebnisse liefern."
Streich verspricht: "Wir geben nicht auf." Dennoch laufen die Freiburger Gefahr, zum spielerisch stärksten Absteiger seit langer Zeit zu werden. Am vorletzten Spieltag gastieren die Bayern im Breisgau, dann geht es nach Hannover. Da schmerzen die zwei in Hamburg liegengelassenen Punkte ganz besonders.

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