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SPORT1-Experte Thomas Berthold analysiert die Lage der Liga © Sport1

SPORT1-Experte Thomas Berthold sieht die Schwaben im Abstiegskampf im Vorteil. Die Krise auf Schalke begründet er mit Planungsfehlern am Kader.

Hallo Fußball-Freunde,

Der Abstiegskampf spitzt sich immer weiter zu und wird immer enger. Es ist Wahnsinn, was im Tabellenkeller los ist.

Stuttgart ist zwar immer noch Letzter, aber der VfB hat das Momentum auf seiner Seite. Gegen Mainz hatten sie einen enormen Druck, aber sie haben nie die Nerven verloren, spielerisch überzeugt und verdient gewonnen. Wenn der VfB auch am kommenden Samstag gegen Hamburg so weiterspielt, kann er den HSV mit den eigenen Fans im Rücken schlagen und vorbeiziehen.

Stuttgart gegen Hamburg - was für eine Story! Bruno Labbadia kommt an seine alte Wirkungsstätte zurück, Huub Stevens war mal Trainer in Hamburg, es gibt Motivation von allen Seiten. Bruno Labbadia hat der Hamburger Mannschaft wieder Leben eingehaucht, aber der HSV hat in den letzten Spielen in Mainz und gegen Freiburg das Glück ziemlich strapaziert.

Irgendwann ist es auch mal aufgebraucht. Der Einsatz stimmt, die Mannschaft lebt, aber spielerisch hat mich der HSV nicht überzeugt. Da ist der VfB einen Tick stärker.

Wenn Stuttgart den HSV schlägt, reicht vielleicht sogar am letzten Spieltag in Paderborn ein Unentschieden. Ich glaube, dass es am Ende auf das Torverhältnis ankommen kann. Da haben der HSV und Paderborn die schlechtesten Karten.

Paderborn ist für mich der erste Absteiger. Der SC spielt am Samstag auf Schalke, aber die Königsblauen brauchen selbst jeden Punkt für die Europa League. Wenn Schalke das nicht gewinnt, muss man die Spieler in die Verantwortung nehmen.

Schalkes Auftritt in Köln war erschreckend. Mit Glück packen sie vielleicht den siebten Platz, der könnte ja noch für die Europa League reichen.

Die Erwartungshaltung bei Schalke ist allerdings nicht, dass man noch in die Europa League hineinrutscht, sondern dass man mindestens Vierter wird und die Champions League erreicht. Schalke ist aber mittlerweile Welten entfernt von Mönchengladbach und Leverkusen. Nicht nur punktemäßig, sondern auch spielerisch und was den Kader angeht. Da liegen Lichtjahre dazwischen.

Wichtige Spieler wie Jefferson Farfan und Julian Draxler sind lange ausgefallen, Roberto Di Matteo hat keine anderen Tempospieler, die im Eins gegen Eins den Unterschied ausmachen. Das Spiel ist zu sehr auf Klaas-Jan Huntelaar ausgerichtet, die Zusammenstellung der Mannschaft lässt dem Trainer kaum Optionen. 

Die Kaderplanung muss hinterfragt werden, dazu kommt Di Matteos eher defensive Ausrichtung, unter der das spielerische Element leidet. Man muss den Trainer an seiner Arbeit messen, aber man muss ihn auch in Schutz nehmen, weil Schlüsselspieler fehlen und lange ausgefallen waren.

Bis zum nächsten Mal, Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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