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Medaille eingesackt, den Titel des Toptorjägers nicht: Robert Lewandowski (r.) © Getty Images

München - Robert Lewandowski reagiert trotz Meistersause verwundert auf die Auswechslung durch Bayern-Trainer Pep Guardiola. Die Torjägerkrone ist perdu, die Teamkollegen beschwichtigen.

Ein 2:0 über Mainz 05 zum Saisonabschluss, ein eigenes Tor, dazu die Meisterfeier: Eigentlich hätte Robert Lewandowski strahlen müssen. Stattdessen mühte sich der Stürmer des FC Bayern, seine angeknackste Laune nicht allzu offen zur Schau zu stellen.

Denn in der 73. Minute nahm ihn Pep Guardiola vorzeitig vom Feld.

"Ich war ein bisschen überrascht", gestand Lewandowski gut zwei Stunden nach Spielende und schon in feinen Zwirn gehüllt.  Der Pole war auf dem Weg zur Teamfeier im gediegenen Postpalast, die Auswechslung hatte er jedoch längst nicht verwunden.

Zwei Tore fehlten dem Stürmer noch, um mit Alex Meier gleichzuziehen und wie der Frankfurter auf 19 Saisonstore zu kommen. Doch Guardiola beorderte Lewandowski vom Feld. Nicht den erneut blassen Mario Götze oder einen anderen Offensivspieler.

Lewandowski vermisst 20 Minuten

Nein, Lewandowski, der in der ersten Hälfte noch den Elfmeter zur Bayern-Führung verwandeln durfte. "Natürlich hat man noch 20 Minuten, da kann viel passieren", sagte der Angreifer.

Es klang wie eine Klage, auch wenn er pflichtschuldig hinzufügte: "Es ist aber die Entscheidung des Trainers, in diesem Moment freue ich mich, dass wir Deutscher Meister sind, das ist die Hauptsache."

Doch dann gab der 26-Jährige noch einmal Einblick in sein Seelenleben: Ja, er hätte sich schon noch zwei Tore zugetraut. "Claudio hatte auch Chancen."

Eben jenem Claudio Pizarro verhalf Guardiola - verdientermaßen - zum letzten Auftritt seiner großen Karriere im Bayern-Dress.

Doch warum er dafür Lewandowski opferte, dürfte das Geheimnis Guardiolas bleiben. Vom Trainer selbst gab es dazu keinen Kommentar, die Mitspieler, allesamt in Feierlaune, versuchten zu beschwichtigen.

"Wissen, was Robert geleistet hat"

Medhi Benatia warf sich sogar richtig für Guardiola in die Bresche.

"Ich bin sicher, dass der Trainer wollte, dass Robert die Kanone holt, das ist auch ein Titel für die Mannschaft", sagte der Marokkaner im Gespräch mit SPORT1

"Wir wissen, was Robert mit der Maske für uns geleistet hat. Er wird aber noch öfter die Gelegenheit haben, Toptorjäger zu werden, er hat riesige Qualitäten."

Von Kapitän Philipp Lahm gab es ähnliche Töne zu hören. Eine Entscheidung des Trainers eben.

Die zumindest nicht besonders feinfühlige Aktion sollte die fröhlichen Stunden am Samstagabend nicht belasten. Die Bayern hatten sich zur Jubiläumsmeisterschaft, dem 25. Titel, einiges vorgenommen, die fein gedeckten Tische im noblen Ambiente warteten.

Müller in Feierlaune

Thomas Müller hoffte dabei darauf, dass die Kameras des klubeigenen Fernsehens bei den Tanzeinlagen ausblieben. Im inoffiziellen Teil sollte die Feierstimmung ja noch ein wenig nach oben getrieben werden.

Doch schon zuvor war Müller vor den Augen von 75.000 Fans in der Allianz Arena in seine Lieblingsrolle geschlüpft: Mit Stadionmikro war der Bayern-Star nach Spielende auf den Zaun vor der Südkurve geklettert und hatte die Humba angestimmt.

Weißbierdusche erwischt Guardiola

Die Meisterschale, übergeben von Liga-Präsident Reinhard Rauball um 17.41 Uhr, hatten die Münchner da längst im Schlepptau. Müller führte die Feierkombo an. Er schwang auch zu den Klängen der Indie-Band Imagine Dragons auf der Bühne die Schlagstöcke. 

Bei den Weißbierduschen hatte es frühzeitig Guardiola erwischt, der nahm die Dusche durch Jerome Boateng mit Humor. Vielleicht war er auch froh, dass er nicht Lewandowski in die Quere gekommen war.

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