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1. FSV Mainz 05 v FC Bayern Muenchen - Bundesliga
Franck Ribery wurde mit dem FC Bayern München fünf Mal Deutscher Meister © Getty Images

München - Franck Riberys ominöse Verletzung wirft weiter viele Fragen auf, der Franzose ist längst ein Politikum im Verein. Seine Zeit in München droht leise zu Ende gehen.

Vor eineinhalb Jahren stand Franck Ribery genau da, wo er nach eigenem Verständnis hingehört. Auf der Bühne des Zürcher Kongresshauses. Bei der Gala zur Wahl des Weltfußballers. Auf einer Stufe mit Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, den besten Fußballern der Welt.

Doch während sich Ronaldo und Messi seitdem in immer weitere Sphären der Superlative begeben, hat Ribery den Anschluss verloren. Als es am Ende dieser Saison um die ganz großen Titel ging, war er zum Zuschauen verdammt. Gestoppt von einer ominösen Verletzung, die ihn seit geraumer Zeit außer Gefecht setzt.

Saisonstart fraglich

Nach dem Achtelfinalrückspiel der Champions League gegen Schachtjor Donezk Anfang März klagte der Franzose über Schmerzen im Sprunggelenk. Zunächst wurde lediglich eine Stauchung diagnostiziert, Ribery selbst ging "von ein paar Tagen Pause" aus.

FC Bayern Muenchen v FC Shakhtar Donetsk - UEFA Champions League Round of 16
Am 11. März 2015 stand Franck Ribery (l., mit Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth) zum letzten Mal für den FC Bayern auf dem Platz © Getty Images

Mittlerweile sind mehr als drei Monate vergangen. Nach zwischenzeitlicher Kapselentzündung heißt die Diagnose nun chronische Knochenhautentzündung. Eine konservative Behandlungsmethode schlug fehl, das Sprunggelenk wurde "ruhig gestellt", wie der FC Bayern mitteilte. Aus ein paar Tagen sind fast 100 geworden. Comeback beim Saisonstart? Äußerst fraglich.

"Da muss mehr dahinterstecken"

Genauere Infos zur Verletzung und zur gescheiterten Behandlung gibt es von Seiten des Vereins nicht, zu viel Rummel gab es in der vergangenen Saison bereits um den medizinischen Bereich.

"Man muss natürlich sehen, dass ein Sprunggelenk eines Fußballers mit 32 nicht mehr so schön ist wie mit 20. Aber die verschiedenen Diagnosen, die nach und nach gestellt wurden, ergeben dennoch keinen Sinn. Auch eine Knochenhautentzündung ist normalerweise spätestens nach fünf bis sechs Wochen verheilt. Daher muss bei Ribery eigentlich noch mehr dahinterstecken", vermutet der Chefarzt einer Münchner Sportorthopädie im Gespräch mit SPORT1.

Nach SPORT1-Informationen hat sich Ribery sogar bereits mehrfach einem Eingriff am rechten Bein unterzogen - ohne Erfolg.

Immer wieder verletzt

Es ist nicht das erste Leiden des Franzosen in den vergangenen Monaten und Jahren. Vor gut einem Jahr verpasste er wegen einer Rückenverletzung die WM, der französische Mannschaftsarzt Franck Le Gall erhob seinerzeit schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen der Bayern und deren Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth.

Le Gall hatte behauptet, dass die Bayern Ribery trotz dessen chronischen Rückenleidens fitgespritzt hätten. "Mindestens 30 Spritzen" soll Ribery erhalten und so gar "eine Spritzenangst" entwickelt haben.

"Das ist Unsinn. Ich habe keine Angst vor Spritzen", erklärte Ribery damals. "Aber ich wollte mir vom französischen Arzt kein Kortison spritzen lassen. Ich weiß, dass das nicht gut ist."

Ribery wird zum Streitfall

Ein Wissen, das er seinem Trainer Pep Guardiola offenbar voraus hat. Denn bei Guardiolas Vertrauensarzt Ramon Cugat in Barcelona sind Kortison-Spritzen bei der Behandlung von Verletzungen an der Tagesordnung.

Die Personalie Ribery soll bei der Trennung von Müller-Wohlfahrt daher ebenso eine große Rolle gespielt haben wie bei Neuausrichtung der gesamten medizinischen Abteilung.

Immer wieder gab es zuvor Konflikte, wie schnell verletzte Spieler wieder einsatzfähig sein sollten - Tendenz bei Guardiola: möglichst schnell. Tendenz bei Müller-Wohlfahrt: lieber etwas mehr Regeneration.

Angesprochen auf Riberys Gesundheitszustand gab sich Guardiola auf SPORT1-Nachfrage wiederholt schmallippig und verwies in dieser Frage an die Ärzte. Hat der Spanier nie selbst bei einem seiner wichtigsten Spieler nachgefragt, wie es ihm geht?

Rückendeckung sehr wichtig

Ribery ist bekannt dafür, dass das Umfeld für seine Leistungen eine große Rolle spielt. Nur wenn er sich wirklich wohlfühlt und frei im Kopf ist, dreht der Franzose richtig auf.

In der Triple-Saison 2013 sah man den wohl besten Ribery aller Zeiten - vor allem auch dank Trainer Jupp Heynckes. "Heynckes ist ein unglaublicher Mensch", schwärmte Ribery damals und war begeistert davon, wie sehr Heynckes sich auch außerhalb des Trainingsplatzes um den Franzosen bemühte.

Aderlass der Vertrauten

Doch die Wohlfühloase, in der er sich damals befand, ist längst keine mehr. Nach dem Triumph in der Königsklasse wurde Heynckes durch Startrainer Pep Guardiola ersetzt, Ribery verlor seine Vaterfigur.

FBL-GER-CUP-DFB-BAYERN MUNICH-STUTTGART
Franck Ribery und Ex-Trainer Jupp Heynckes (r.) verband ein ganz besonderes Verhältnis © Getty Images

"Pep ist ein komplett anderer Trainer. Es sind zwei große Trainer, aber komplett unterschiedlich", betonte Ribery zu Beginn der Amtszeit des Spaniers bei SPORT1. Wie SPORT1 weiß, hat er sich intern bereits beklagt, dass Guardiola sich zu wenig nach ihm erkundige.

Dazu trat wenig später der damalige Präsident Uli Hoeneß, Mentor und wichtiger Ansprechpartner Riberys, seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung an.

Gelingt das Comeback?

Hoeneß ist mittlerweile zwar wieder zurück an der Säbener Straße, den alten Ribery bekommt aber auch er nicht zu sehen.

Ob Europas Fußballer des Jahres  noch einmal an seine Bestform anknüpfen kann ist fraglich. 32 Jahre ist er inzwischen alt, verpasste in der vergangenen Spielzeit 28 von 51 möglichen Pflichtspielen und ließ trotz starker individueller Statistiken (19 direkte Torbeteiligungen) meist die nötige Spritzigkeit vermissen.

Nur wenn der Franzose hundertprozentig fit ist, kann er seine Stärken im Eins-gegen-Eins ausspielen. Gelingt ihm das, kann er in einem Spiel nach wie vor den Unterschied ausmachen.

Zu Beginn der Saison wird ihm das wohl nicht möglich sein, der Zeitpunkt für die Rückkehr auf den Trainingsplatz ist ungewiss. Selbst ein frühzeitiges Karriereende scheint nicht mehr völlig abwegig.

Auf der Suche nach Alternativen

Die Bayern bereiten sich zumindest schon auf einen mögliches längeres Szenario ohne Europas Fußballer des Jahres 2013 vor.

Hatte Sportdirektor Matthias Sammer zuletzt noch erklärt, dass ein Umbruch nicht zwingend notwendig sei, hat sich diese Meinung mittlerweile geändert.

Die Suche nach einem Nachfolger soll auf Ansage von Guardiola höchste Priorität genießen. Intensiv wird nach einem Kracher für die Außenbahn gesucht.

Leises Ende?

Auch Ribery selbst hat die Zeichen der Zeit offenbar erkannt. Nachdem er vor einigen Wochen schon Zweifel an Kevin de Bruyne geäußert hatte, warnte er nun mit Antoine Griezmann den nächsten potenziellen Nachfolger vor dem Qualitätsanspruch der Bayern.

Sollte Ribery irgendwann dann doch wieder auf den Platz zurückkehren, hat sich die Hierarchie in der Mannschaft möglicherweise bereits grundlegend verändert.

Realisieren die Münchner einen Transfer der Größenordnung Angel di Maria oder Griezmann, bleibt für "König Franck" in der Endphase seiner Karriere wohl nur noch die Rolle des Edeljokers.

Obwohl dies nicht dem Selbstverständnis des stolzen Franzosen entspricht, wird er die Bühne des Kongresshauses in Zürich künftig anderen überlassen müssen.

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