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Dortmund - Die Entscheidung von Jürgen Klopp für eine Pause hat vielfältige Gründe und prominente Vorbilder. SPORT1 analysiert die Gründe für den Entschluss und nennt künftige Optionen.

Salzige Meeresluft einatmen, die frische Brise um die Nase wehen lassen, ausspannen und durchatmen auf Sylt.

Mit seiner Frau Ulla und Mischlingshündin Emma die gemeinsame Zeit genießen, lange Strandspaziergänge, ein gutes Buch im eigenen Reetdachhaus in Kampen.

So oder ähnlich sieht Jürgen Klopps nahe Zukunft aus. Kein Training, kein Spiel, kein Reisestress, keine Termine, keine Journalisten, die es anzublaffen gibt.

Erholung heißt das Stichwort für den langjährigen Trainer von Borussia Dortmund. "Bis auf Weiteres" gönnt sich der 47-Jährige, wie er am Montag wissen ließ, eine Auszeit. Ist der Power-Trainer tatsächlich müde, leer - oder fand' sich im Sommer kein passendes Angebot in Europa?

SPORT1 analysiert Klopps Entschluss.  

Die Entscheidung

Als Jürgen Klopp am 15. April seinen Abschied als Dortmund-Trainer ankündigte, hörten sich die Pläne für seine Zukunft noch anders an. Keine Pause, kein Sabbatjahr, erklärte Klopp da.

"Ich habe noch kein Gefühl dafür, wie es weitergeht", hatte Klopp schließlich auf der Zielgeraden der Saison zu seinen Zukunftsplänen gesagt.

Mit etwas Ruhe hat er nun die Auszeit gewählt - und sich diese Entscheidung reiflich überlegt. Das galt auch schon für den vorzeitigen Rücktritt von seinem bis 2018 laufenden Vertrag, auch wenn die Verkündung Mitte April für viele Fans und Beobachter überraschend kam.

Klopp hat sich in der wichtigen Frage, wie es nun weitergeht, zuallererst mit seiner Frau Ulla beraten. Auch sein Berater Marc Kosicke hat seinen Anteil an der Entscheidungsfindung.

Das Wort von Josef Schneck, ehemaliger Pressesprecher des BVB und inzwischen nicht nur in Medienfragen ein Klopp-Vertrauter, hat für den 47-Jährigen ebenfalls Gewicht.

Dass sein Entschluss zwei Tage nach dem verlorenen Pokalfinale nicht spontan gefällt wurde, sondern schon vorher feststand, dürfte klar sein.

Der richtige Zeitpunkt für die Verkündung war aus Klopps Sicht jedoch erst nach der Saison gekommen. Zuvor hatte er mit Blick auf die Ziele des BVB wiederholt betont: "Ich bin voll hier."

Die Belastung

Vierzehneinhalb Jahre stand Jürgen Klopp als Trainer bei Mainz 05 und Borussia Dortmund am der Seitenlinie. Immer bis zum Anschlag, immer Vollgas. Selbst bei einem energiegelandenen Typen wie Jürgen Klopp zehrt das an den Kräften.

"Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie Leere verspürt. Mein Kopf ist eher immer zu voll", sagte Klopp am Samstag in Berlin auf der Abschiedsparty im "Kraftwerk".

Um den Kopf auch mal freizukriegen, abzuschalten, "die unzähligen Erinnerungen zu verarbeiten, bevor ich mit meinem Trainerteam frisch und hochmotiviert eine neue Aufgabe übernehme", wie er in der Mitteilung am Montag zitiert wurde.

Die selbst verordnete Zwangspause wird Klopp nutzen, um den Akku wieder aufzufüllen - und auf das richtige Angebot zu warten.

Die Vorbilder

Ottmar Hitzfeld hat es gemacht, Pep Guardiola, Ralf Rangnick, Thomas Schaaf und auch Thomas Tuchel, Klopps Nachfolger in Dortmund und Mainz - sie alle haben nach intensiven Zeiten als Trainer eine Pause eingelegt.

So setzte Guardiola nach seiner erfolgreichen Zeit beim FC Barcelona 2012 für ein Jahr aus, lebte mit seiner Familie unter anderem längere Zeit in New York.

Bei Hitzfeld hatte die Auszeit einen ernsten Hintergrund: 2004 stand er als Bayern-Trainer vor einem Burnout. Nachdem sich der einstige BVB-Coach erholt hatte, kehrte er 2007 noch einmal nach München zurück.

Der 66-Jährige hatte Klopp schon im April dazu geraten, nach dessen Rücktritt im Sommer "ein halbes oder ganzes Jahr auszusetzen, Kraft zu tanken und für die Familie da zu sein."

"Um nachher im Vollbesitz der mentalen und körperlichen Kraft wieder anzugreifen", so Hitzfelds Rat an den Trainerkollegen. Genauso scheint es Klopp machen zu wollen.

Der Anspruch

Klopp hat die Wahl - und darf auch wählerisch sein. Nach der Erfolgsgeschichte mit Borussia Dortmund - zwei Meisterschaften, Pokalsieg, Champions-League-Finale - gehört der gebürtige Stuttgarter zu den gefragtesten Trainern Europas.

In Deutschland gibt es nicht mehr viele Vereine, die für ihn infrage kommen. Sein Anspruch: Ein Spitzenklub mit internationalen Ambitionen.

Seine Fähigkeiten hat er nachhaltig bewiesen. Dass er kein Mann für einen Kurzzeit-Job ist, zeigt die Verweildauer bei seinen bisherigen Stationen. Auch deshalb muss bei einem künftigen Engagement alles passen.

Siebeneinhalb Jahre trug er bei Mainz 05 die Verantwortung, sieben Jahre waren es beim BVB. Sein Bauchgefühl wird bei der Entscheidung für einen neuen Arbeitgeber eine wichtige Rolle spielen.

Die Optionen

"Madrid? Mailand? Das andere mit M?", fragt Schauspieler Joachim Król in einem aktuellen Werbespot mit Klopp. Die Optionen scheinen in der Tat vielfältig zu sein: Auch Manchester City und München wurden zuletzt spekuliert.

Ein Engagement beim FC Bayern kann sich Klopp vorstellen, wie er kürzlich betonte. Allerdings nicht unmittelbar jetzt, denn aktuell ist der Posten ohnehin bis 2016 von Pep Guardiola besetzt.

Doch möglicherweise spekuliert Klopp. Denn danach könnte der Weg frei sein, Klopps Sabbatjahr wäre die perfekte Überbrückung.

"Ich kann jeden deutschen Dialekt", behauptet Klopp. Bayerisch lernen müsste er also auch nicht mehr. Aber - ganz ohne Augenzwinkern - auch sein Englisch lässt ihm alle Möglichkeiten.

Der FC Liverpool gilt als Interessent. Aktuell scheint Trainer Brendon Rodgers aber doch weitermachen zu dürfen. Doch sobald es bei den "Reds" wieder unruhig wird, werden die Rufe nach "Klopp for the Kop" wieder lauter werden.

So wie bei jedem anderen ambitionierten Klub, der demnächst in der Krise steckt. Ob Klopp die Rufe durch die frische Brise und rauschende See erreichen, liegt allein an ihm.

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