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SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold wurde 1990 Weltmeister

München - SPORT1-Experte Thomas Berthold sieht beim HSV viel Verbesserungspotenzial. Beim Blick auf die kommende Saison erkennt er nur einen Bayern-Rivalen.

Hallo Fußball-Freunde,

die Saison ist vorbei, der HSV hat sich zum zweiten Mal in Folge in der Relegation gerettet. Nach dem Freistoß in der 90. Minute habe ich sofort gesagt, dass das eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters war. Und ich habe mir gedacht: Wenn der Ball jetzt reingeht, wird es große Diskussionen geben.

Letztendlich ist das eine Tatsachenentscheidung. Aber auch ein weiteres Argument für die Einführung des Videobeweises. Es gibt so viele Sportarten, in denen Fernsehbilder zur Hilfe genommen werden. Es geht um so viel im Profi-Fußball, gerade in so einem Relegationsspiel. Der Schiedsrichter könnte über Funk mit seinem Assistenten Rücksprache halten, damit die richtige Entscheidung gefunden wird und es sportlich fair zugeht.

Wie auch immer, der HSV hat es geschafft. Schon im letzten Jahr in Fürth war es so knapp. Damals dachten die Hamburger, sie hätten die richtigen Schlüsse gezogen. Aber jetzt haben wir ja gesehen, was passiert ist. Ich glaube, in Hamburg müssen viele Positionen in dem Gesamtkonstrukt überdacht werden.

Genauso wie die Zusammenstellung der Mannschaft. Die Probleme mit der Abschlussschwäche ziehen sich jetzt schon über zwei Spielzeiten hin. Und man braucht einen Trainer, der langfristig arbeiten und eine Mannschaft entwickeln kann.

An der Spitze der Tabelle werden die Bayern weiter dominieren. In Wolfsburg und Gladbach wird gut gearbeitet. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Klubs in den nächsten zehn Jahren auf Augenhöhe mit den Bayern kommen.

Wenn Wolfsburg sich in der Spitze mit guten Spielern verstärkt, dürfte der VfL mit seinen finanziellen Mitteln noch eher in der Lage sein, den Bayern auf die Pelle zu rücken als Gladbach.

Auch Leverkusen gehört zu den Top-Klubs. Ich glaube aber nicht, dass dort so viel investiert wird. Da gibt es eine andere Politik in dem Konzern. Man muss natürlich auch schauen, was mit Dortmund passiert. Die Möglichkeiten hat der BVB, jetzt kommt ein neuer Trainer, ein neues Kapitel beginnt.

Auch einen ambitionierten Verein wie Schalke darf man nicht vergessen. Ingolstadt kommt mit Audi im Rücken in die Bundesliga. Der FCI will sicherlich nicht gleich wieder absteigen. Man muss schauen, inwieweit der Konzern investieren wird.

Und der nächste Kandidat ist dann natürlich Red Bull. RB Leipzig will nicht nur in der Bundesliga mitspielen, sondern in die Champions League. Der Konkurrenzdruck um die vier begehrten Plätze wird immer größer, die Vereine mit dem meisten Geld haben die besten Karten.

Deshalb ist für mich neben den Traditionsvereinen Stuttgart und Hamburg auch RB Leipzig die negative Überraschung der Saison. Bei den Investitionen und dem Aufwand, der betrieben wurde, hätte die Mannschaft den Aufstieg schaffen müssen.

Umso positiver ist es, was in Augsburg geleistet wird. Platz fünf ist bei den vorhandenen finanziellen Mitteln wirklich eine riesen Überraschung.

Genauso wie in Darmstadt. Das ist eine sensationelle Geschichte. Die Lilien werden geschlossen und topfit auftreten und sich so teuer wie möglich verkaufen. Für mich ist Darmstadt allerdings trotzdem der erste potenzielle Absteiger.

Aber in Darmstadt wird niemand verrückte Sachen machen. Sie werden die Einnahmen aus der Bundesliga mitnehmen und damit ihre Infrastruktur verbessern.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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