Video

Dortmund - Sieben Jahre Jürgen Klopp haben den BVB geprägt. Doch auch Thomas Tuchel zeigt schon Wirkung in Dortmund und scheut vor nichts zurück. Teil 1 der SPORT1-Serie: Die Bayern-Jäger.

Elf Stunden Flug, doch die Belohnung folgte sofort: Fast 1000 Fans bereiteten Borussia Dortmund am Montag in Tokio einen begeisterten Empfang, Marco Reus und Co. durften sich dabei wie Popstars fühlen.

Und der Klub will bei der Asien-Reise den Grundstein dafür legen, dass auch die sportlichen Ergebnisse bald wieder den Träumen der Fans entsprechen.

Unter Thomas Tuchel will Borussia Dortmund wieder den Sprung zurück an die Spitze schaffen.

Die einst zweite Kraft hinter dem FC Bayern geht als Herausforderer in die kommende Spielzeit. Der neue Trainer rief frühzeitig den Angriff auf die ersten Vier aus.

(Die weiteren Teile der SPORT1-Serie Bayern-Jäger: Teil 2: FC Schalke 04Teil 3: Bayer Leverkusen)

Was ist neu?

Zuallererst der Trainer: TT steht für Thomas Tuchel, für Trainingsfleiß und Taktikwissen, für Spaß am Tüfteln und Technik-Begeisterung - und für ganz viele Neuerungen. "Jeder Spieler, der Lust aufs Neue hat und bereit ist, sich darauf einzulassen, hat eine Chance bei mir", lautet die Vorgabe des 41-Jährigen.

Tuchel bringt für den Neustart sein Team mit den Co-Trainern Arno Michels und Benjamin Weber sowie Athletiktrainer Rainer Schrey mit. Bereits zum Auftakt setzte er Akzente: Die Leistungsdiagnostik war deutlich umfangreicher als der gewöhnliche Laktattest unter Klopp. Selbst ein Sehtest gehörte zu Tuchels ganzheitlicher Herangehensweise.

"Man merkt, er hat einen Plan, den er verfolgt. Er arbeitet sehr akribisch, es geht wirklich um jedes Detail: Wo man den Ball hinspielt, mit welchem Fuß. Alles muss ganz, ganz genau passieren", sagte Neven Subotic nach den ersten fünf Tagen unter Tuchel auf SPORT1-Nachfrage.

Auch bei der Ernährung will Tuchel noch ein paar Prozent herausholen, um wieder oben anzugreifen. Der Edel-Italiener als BVB-Hoflieferant wurde abgelöst vom Küchenchef des BVB-Jugendhauses, der nun nach Plänen von Tuchel und Schrey kocht.

Ebenfalls neu: Mittelfeldspieler Gonzalo Castro, der für elf Millionen Euro aus Leverkusen kam. Der Allrounder kann als Sechser und Rechtsverteidiger eingesetzt werden.

Torhüter Roman Bürki entfacht das Torhüterduell neu. Auch Julian Weigl sowie die zuletzt ausgeliehenen Jonas Hofmann, Moritz Leitner und Marvin Duksch sollen für frischen Wind sorgen.

Welche Schwachstellen wurden behoben, welche bleiben?

Auf der Torhüterposition hatte der BVB in der vergangenen Saison erhebliche Probleme. Weder Weltmeister Roman Weidenfeller noch Mitchell Langerak konnten sich konstant als sicherer Rückhalt auszeichnen.

Mit der Verstärkung durch Roman Bürki und Langeraks Wechsel zu Stuttgart beginnt der Kampf ums Tor neu. "Das war eine Entscheidung für die Zukunft", sagte Tuchel bei SPORT1 nach der Bürki-Verpflichtung. In der nahen Zukunft wird sich der 24-jährige Schweizer mit Weidenfeller einen heißen Fight liefern.

Ilkay Gündogan bleibt nach dem Wechsel-Hickhack vorerst in Dortmund. Kehrt er auf sein Topniveau zurück, ist der Mittelfeldstratege ein wichtiger Baustein für den BVB-Erfolg.

Im Sturm fehlten zuletzt Alternativen zu Top-Knipser Pierre-Emerick Aubameyang (25 Tore, 11 Vorlagen). Ciro Immobile konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Der Italiener selbst kokettierte mit einem Wechsel, ist aber nun doch wieder da. Bisher sollen Sportdirektor Michael Zorc keine Angebote für den Stürmer vorliegen.

Der noch am Knöchel verletzte Adrian Ramos soll in seinem zweiten Jahr als echte Alternative aufgebaut werden. Der neue BVB-Trainer hält viel von dem mannschaftsdienlichen Angreifer.

Großes Plus für eine bessere Saison als 2014/15 sollen in diesem Jahr weniger Verletzte sein. Vor allem die wichtigen Führungsspieler Mats Hummels und Marco Reus konnten aufgrund von Blessuren ihr Potenzial zuletzt nicht voll ausschöpfen.

Auch der sensible Edeltechniker Henrik Mkhitaryan soll unter Tuchel mehr Verantwortung übernehmen - und zu mehr Treffern nach und durch Standards beitragen. In der Vorsaison fiel nicht ein direktes Freistoßtor.

Welche Saisonziele werden verkündet?

Das Erreichen der Champions League ist auch in diesem Jahr wieder das vorrangige Ziel. "Wir wollen die Top vier angreifen", hatte Tuchel bei seiner Präsentation Anfang Juni erklärt.

"Der BVB ist ein großer Herausforderer in allen Wettbewerber, in denen wir spielen", betont Tuchel mit Blick auf Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League.

"Ich möchte, dass die vier Teams, die wir herausfordern, uns ständig spüren", lautet Tuchels Kampfansage an den FC Bayern, VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen.

Was macht Hoffnung bei der Bayern-Jagd?

Der Neustart unter dem neuen Trainer. Der Klopp-Nachfolger bringt frischen Wind in die eingefahrenen Strukturen, die sich in sieben Jahren unter Jürgen Klopp zwangläufig gebildet haben.

"Mein Eindruck von der Mannschaft ist ein sehr positiver. Ich habe eine sehr höfliche, rücksichtsvolle, sehr offene Mannschaft kennengelernt, die sich auf das neue Trainerteam und die neue Situation einlässt und uns mit sehr viel Offenheit, Respekt und Achtsamkeit im Umgang begegnet", sagte Tuchel auf SPORT1-Nachfrage.

"Der Trainer hat einen guten Eindruck gemacht. Alle haben Spaß und das ist das Wichtigste", sagte Kevin Großkreutz über die erste Woche mit dem neuen Coach.

Hoffnung macht vielen BVB-Fans auch, dass die Mannschaft in weiten Teilen zusammenbleibt. Bis auf die Abgänge des langjährigen Kapitäns Sebastian Kehl, Mitchell Langerak und Milos Jojic kann Tuchel auf eine in weiten Teilen eingespielte Mannschaft setzen.

Zudem hat der Klopp-Nachfolger in der Vergangenheit ein breites taktisches Repertoire demonstriert. Tuchel kann dem Team mehr Flexibilität einhauchen und die Borussia mit ihrem Gegenpressing weniger leicht ausrechenbar machen. Schon in den ersten beiden Testspielen setzte er im Gegensatz zur bisherigen 4-2-3-1-Formation auf ein 4-1-4-1-System.

Die Grundausrichtung bleibt aber gleich: "Aktiven Angriffsfußball", kündigte der Trainer an. "Dafür steht Dortmund. "Wir wollen agieren, dominant spielen und möglichst schnell den Ball erobern", kündigte Tuchel an. 

(Teil 2 der SPORT1-Serie Bayern-Jäger: FC Schalke 04)

(Teil 3 der SPORT1-Serie Bayern-Jäger: Bayer Leverkusen)

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel