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Bad Ragaz - Borussia Dortmund befindet sich nach vier Wochen unter Thomas Tuchel auf einem guten Weg. In der Torwartfrage will sich der neue Trainer noch nicht festlegen.

Vor genau vier Wochen startete Borussia Dortmunds neuer Trainer Thomas Tuchel mit seinen Spielern in die Vorbereitung. "Montag sind es schon vier Wochen?", fragte Tuchel nach dem 2:0-Sieg gegen Juventus Turin in St. Gallen überrascht.

"Da muss ich mal kontrollieren, ob das stimmt", schien er der Reporter-Einschätzung nicht ganz glauben zu wollen. 

Nach kurzem Nachrechnen kam der Borussen-Coach zu dem gleichen Ergebnis und nickte zufrieden: "Ja, okay."

Tuchel: "Lust auf Weiterentwicklung"

"Wir werden nach vier Wochen nicht sagen, wir halten jetzt unser Niveau", meinte Tuchel bei seiner Bilanz des ersten Monats und achttägigen Trainingslagers. "Die Lust auf eine Weiterentwicklung wird uns die ganze Saison begleiten", sagte der 41-Jährige. 

Die Lust auf Fußball, sie ist nach seiner einjährigen Auszeit nicht nur dem Trainer anzumerken. Auch die Mannschaft empfindet die Zeit nach sieben Jahren unter Jürgen Klopp als Neustart.

Die Effekte des Personalwechsel waren gegen Juve schon deutlich zu erkennen:

In der 4-2-3-1-Grundordnung agiert die gesamte Mannschaft weit vorgeschoben, auch die Außenverteidiger stehen höher als bisher. Gegenpressing und frühe Balleroberung bleiben dabei feste Konstanten in der BVB-DNA. 

"Wenn wir den Ball hoch gewinnen, sprich nahe am gegnerischen Tor, dann haben wir es nicht mehr allzuweit", sagt Ilkay Gündogan über die Lust zur Balleroberung. 

Die Balance stimmt

Die Gefahr: Bei Ballverlusten öffnen sich durch die aufgerückte Defensive auch für den Gegner Räume. Bei den Siegen im Trainingslager gegen den FC Luzern (4:1) und Juve (2:0) stimmte die Balance jedoch.

"In der Kompaktheit der Reihen kam das unseren Vorstellungen sehr nahe", sagte Tuchel auf SPORT1-Nachfrage nach dem Erfolg gegen den den Champions-League-Finalisten über die geschlossene Mannschaftsleistung.

"Wir fahren mit einem sehr guten Gefühl nach Hause, weil wir es geschafft haben, aus einer sehr guten Woche eine Top-Woche zu machen", urteilte Tuchel.

Die Woche in der Schweiz schweißte die Mannschaft auch ohne Teambuilding-Maßnahme weiter zusammen, bestärkte die Borussen in ihrer bisherigen Arbeit. "Wenn die Mannschaft fühlt, dass die Dinge greifen, sie sich darin wohlfühlt und dafür auch noch ein Ergebnis bekommt, hilft das mehr als alles andere", so Tuchel.

Spagat für den Trainer

Im Gegensatz zur letzten Sommervorbereitung, wo es viele Verletzte zu beklagen gab, stand diesmal mit 24 Feldspielern und drei Torhütern fast der gesamte Kader zur Verfügung. Einzig Nuri Sahin (Adduktorenprobleme) arbeitete im Schatten der Schweizer Alpen individuell an seiner Rückkehr.

Die Belastungen des intensiven Trainingslagers waren für Tuchel immer ein Spagat. Zum einen ging es darum, seine Philosophie vom Ballbesitzfußball zu vermitteln und die körperlichen Grundlagen zu legen, zum anderen, in der Kürze der Zeit bis zum Pflichtspielstart "das Rad nicht zu überdrehen", wie er es formulierte. 

"Die Basis zu legen", werde sein Team noch die gesamte Hinrunde begleiten, warnte er. 

Übungseinheiten über zwei Stunden gehörten im Thermal-Kurot Bad Ragaz aber ebenso zum schweißtreibenden Programm wie Tempoläufe über 1000 Meter oder Zirkeltrainings.

"Es hat schon geschlaucht und war sehr kräftezehrend. Trotzdem mussten wir immer den Pflichtspielstart im Auge behalten", sagte Sven Bender bei SPORT1. "Es war sehr gut, wir hatten eine intensive Zeit und fühlen uns gut", ergänzte der defensive Mittelfeldspieler.

Mkhitaryan als Regisseur

Die Einsatzzeiten in den sieben Tests waren über weite Strecken ausgeglichen verteilt. Zuletzt gegen Juve auch, "um durch die individuelle Belastungssteuerung keine Verletzungen zu riskieren", betonte Tuchel. 

Mit 28 Akteuren ist der Kader derzeit noch weit von der Größe entfernt, die Tuchel für optimal hält. Gelingt wie allseits erwartet die Qualifikation für die Gruppenphase der UEFA Europa Leaugue, wird die Borussia allerdings bis zur Winterpause 30 Spiele bestreiten.

"Da ist es ummöglich, immer mit der selben Mannschaft zu spielen", weiß Innenverteidiger Matthias Ginter angesichts des Drei-Tages-Rhythmus'.  

Schon jetzt seinen Rhythmus unter Tuchel gefunden hat Henrikh Mkhitaryan. Der Armenier soll unter Tuchel die Rolle des Regisseurs einnehmen, was ihm bisher ordentlich gelungen ist.

Roman-Duell noch offen

Einen guten Eindruck hinterließ auch der 19-jährige Neuzugang Julian Weigl als Sechser, ebenso wie Roman Bürki im Tor.

Festlegen will sich Tuchel in der Torwartfrage noch nicht. "Wir werden die Möglichkeit nutzen, beide weiter spielen zu lassen. Das wird sich auch die nächsten Spiele nicht ändern", sagte Tuchel, der aktuell mit beiden Torhütern "sehr zufrieden" ist.

"Wenn die Saison dann losgeht, wird es Sinn machen, sich auf eine Lösung festzulegen. Ob das dann für alle Wettbewerb ist oder nicht, halten wir uns offen", sagte der Trainer über das Roman-Duell zwischen Bürki und Weidenfeller.

Gonzalo Castro als dritter Neuzugang hat sich bislang ebenfalls gut in die Mannschaft eingefunden.

Er konkurriert derzeit mit 13 (!) weiteren Mittelfeldspielern um einen Platz in der Startelf, in der nur Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang gesetzt scheinen.

Verschnaufpause für das Team

Für zwei Tage ruht der Konkurrenzkampf aber erst einmal. Tuchel gönnt seinen Spielern nach der intensiven Woche eine Pause, erst am Dienstag um 18 Uhr wird wieder trainiert.

"Jetzt ist es wichtig, zu regenerieren und ein bisschen Abstand zu gewinnen", sagte Tuchel. Am Mittwochabend findet dann schon das Abschlusstraining in Klagenfurt statt.

Gegen den Wolfsberger AC (ab 20.45 Uhr, LIVE im TV auf SPORT1im LIVESTREAM und LIVETICKER) muss Tuchels Masterplan noch nicht in allen Details funktionieren.

Der Matchplan zum Pflichtspielauftakt sollte gegen die Österreicher allerdings wieder sitzen. 

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