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FC Bayern Muenchen - Season Opening
Und plötzlich ist Bastian Schweinsteiger weg © Getty Images

München - Der FC Bayern reagiert auf den Abschied von Bastian Schweinsteiger. Philipp Lahm hätte ihn am liebsten nicht ziehen lassen. Rummenigge erklärt die Entscheidung und wehrt sich.

Von Mathias Frohnapfel, Sebastian Bernsdorff und Sascha Bandermann

Manuel Neuer hockte unter dem Dach der Bayernbank, der Regen prasselte heftig auf das Plastikdach. "Ich vermisse ihn", sagte der Nationalkeeper schlicht im Gespräch mit SPORT1.

Und dann fügte er an, dass er ihm natürlich schon eine SMS geschrieben habe.

Ihm, Bastian Schweinsteiger. Dem Kluburgestein, dessen Wechsel die Fußballrepublik am Samstag kräftig durchgeschüttelt hatte.

Neuer konnte  Schweinsteiger nicht mehr von einem Wechsel zu Manchester United abbringen.

Philipp Lahm genauso wenig. Dem Münchner Kapitän war am stärksten anzumerken, dass ihm Schweinsteiger fehlen wird. "Ich habe bis zum Ende gehofft, dass er bleibt", sagte Lahm während der LIVE-Übertragung der Teampräsentation des FC Bayern auf SPORT1.

"Ein bayerischer Bub"

Schweinsteiger sei doch ein "bayerischer Bub". Bruder Tobias betonte deshalb auch bei SPORT1: "Ich glaube nach 17 Jahren in dem Verein hat er lange überlegt. Schlussendlich hat er die Entscheidung für sich gefällt. Die hat man zu akzeptieren. Er geht auch schweren Herzens, er weiß, was er an dem Klub hat."

Den Sprössling aus dem Landkreis Rosenheim zieht es jetzt nach England. Hin zu Trainer Louis van Gaal, der ihm während der gemeinsamen Bayern-Zeit die Sechserrolle auf den Leib geschneidert hatte.

Auf der Insel wird Schweinsteiger nach SPORT1-Informationen ein festgeschriebenes Jahresgehalt von knapp 13 Millionen Euro erhalten, die Ablösesumme soll laut Bild rund 20 Millionen Euro betragen.

Damit der Deal perfekt ist, fehlt noch der obligatorischer Medizincheck und die Unterschrift unter den Vertrag. Das dürfte am Sonntag folgen.

Abschiedsspiel als Trostpflaster für die Fans

Wichtige Details zwar, aber eben doch Details. Karl-Heinz Rummenigge sprach von einem "seriösen und sehr guten Gespräch" mit Schweinsteiger zum Abschied. Und der Vorstandsboss erwähnte mehrmals das Abschiedsspiel, das Schweinsteiger bekommen soll. Eines Tages, wenn er seine Fußballstiefel an den Nagel hängt.

Die Bayern-Fans applaudierten leidenschaftlich, als sie das um kurz nach 15 Uhr hörten. Zuvor hatte es aber Pfiffe für Rummenigge gegeben. Ein Orkan war das aber nicht. Eher ein Protest gegen das Unvermeidbare.

Fußballgott auf der Achterbahn

Schließlich hatte Schweinsteiger 17 Jahre lange die Knochen für seinen Klub hingehalten. Hatte Krisen durchlebt, den Elfmeter im Champions-League-Finale 2012 gegen Chelsea verschossen und plötzlich seine Karriere mit Henkelpott und Weltmeisterpokal vergoldet.

Er, den die Anhänger Fußballgott nannten. Dessen Verkauf lange Zeit so ausgeschlossen war wie ein Preis von 10 Euro für die Wiesnmaß.

Rummenigge erklärte noch, dass man versucht habe, Schweinsteiger vom Verbleib zu überzeugen. Einfach Nein wollte der Klub aber nicht zum Wechselgesuch sagen.

Teamhierarchie ändert sich

Der Abschied wird jetzt mit erhobenem Haupt vollzogen - von beiden Seiten. Ein unumstrittener Stammplatz war für den Kapitän der Nationalelf bei Pep Guardiola nicht mehr gesichert. Die Macht des Trainers dürfte gewachsen sein.

Und das Gefüge im Bayern-Kader wird sich weiter verändern. "Basti ist nicht eins zu eins zu ersetzen in seiner Persönlichkeit", meinte Sportvorstand Matthias Sammer, "aber wir haben eine sehr gute Struktur und Mischung."

Rummenigge wehrt sich

Beide Bayern-Bosse wehrten sich an diesem für den Klub historischen Tag leidenschaftlich gegen die Hypothese, dass Schweinsteiger wegen Guardiola das Weite suche.

"Dass er geflüchtet ist, kann man total vergessen", stellte Rummenigge fest. Und dann ließ er noch durchblicken, dass Ex-Präsident Uli Hoeneß in Schweinsteigers Abgang nicht involviert war.

Dem Bayern-Patriarchen ging es also am Samstag nicht anders als vielen Teamkollegen Schweinsteigers und Fans: Auch ihm blieb nur Wehmut nach einem doch ziemlich plötzlichen Abschied.

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