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Hoffmanns Erzählungen Mario Götze Sushi-Shitstorm
Ein Sushi-Shitstorm dagegen - und wie Mario Götze sich dagegen wehrt: Was das an Vorstellungskraft entfesselt © Getty Images

"Mario Götze wehrt sich gegen Sushi-Shitstorm": Man dachte bei dieser Schlagzeile an Hollywood-Action. Schade, dass die Realität schnöder war. Hoffmanns Erzählungen.

Das schönste Wort der ausklingenden Fußballwoche hat leider nicht ganz die Karriere gemacht, die es verdient hätte.

Gut, okay, ja: Auf ein paar kleineren, überregionalen Nachrichtenportalen war es zu lesen, das schon.

In der ihm angemessenen Größe und Breite war es dagegen nur draußen auf den Zeitungskästen hier in der Münchener Gegend abgedruckt:

"GÖTZE WEHRT SICH GEGEN SUSHI-SHITSTORM"

Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen"
Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen" © SPORT1

Sushi-Shitstorm: Auf wie einfache Weise ein eigentlich schon olle gewordenes Modewort eine ganz neue Qualität gewinnt.

Der Shitstorm an sich hat ja, seien wir ehrlich, durch seinen ständigen Gebrauch schon etwas von seiner sprachlichen Eleganz verloren.

"Mann löst Shitstorm aus": Man liest es inzwischen ja täglich, viel aufregender als "Hund beißt Mann" ist eine solche Schlagzeile nicht mehr.

Ein Sushi-Shitstorm dagegen - und wie Mario Götze sich dagegen wehrt: Was das an Vorstellungskraft entfesselt.

Man sieht Hollywood-Action vor sich, tapfere Heldenfiguren, die ihre Lieben mit allen menschenmöglichen Mitteln gegen die Urgewalt über sie hereinbrechender Naturkatastrophen verteidigt.

Unweigerlich vermutet man den Sushi-Shitstorm in meteorologischer Nähe zum Sharknado, dem Wirbelsturm aus gefährlichen Killer-Haien, gegen den die Heroen der gleichnamigen Filmreihe gerade ja wieder mit allen denkbaren Feuerwaffen und Motorsägen-Modellen zu Felde ziehen müssen.

In einem ähnlichen Szenario kann man auch Mario Götze sich gut vorstellen: Konfrontiert mit einem noch komplexeren Witterungsphänomen, hochgerüstet mit elektrischem Tranchier- und Filetiermesser, um der tödlichen Gefahr zu begegnen - angefeuert von den jubelnden Massen, die er vor dem Sushi-Shitstorm zu erretten hat: Mach ihn, er macht ihn...

Aber gut, wir treiben es ein bisschen zu weit an dieser Stelle: Worum es eigentlich ging, haben Sie ja anderswo schon gelesen.

Das japanische Gericht, von dem Götze gesagt hat, dass ein chinesisches wäre, worauf dann alle: Hohoho - von wegen: Japan oder China, Hauptsache Italien, ne? Wobei dann rauskam, dass er das so gar nicht gesagt hat, obwohl es eigentlich gestimmt hat, also faktisch und früher mal, weil Sushi kommt ja wirklich aus China, also wahrscheinlich, aber die Quellen sind uneins und von daher - ach naja.

Keine Action jedenfalls, kein herumfliegendes Killer-Sushi, keine elektrischen Tranchier- und Filetiermesser.

Einmal mehr muss man feststellen: Wie langweilig die schnöde Realität doch ist gegen das, was man aus ihr machen kann.

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