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München - Ilkay Gündogan hat am Ende gar keine andere Wahl mehr, als beim BVB zu verlängern. Viele Fans sind genervt, doch er hat ein Jahr Zeit, sein Image wieder aufzupolieren.

Von Filippo Cataldo

Ilkay Gündogan bleibt also vorerst in Dortmund. Mittwoch Abend verkündeten Club und Spieler die vorzeitige Vertragsverlängerung des Mittelfeldspielers um ein weiteres Jahr. Bis zum 30. Juni 2017 läuft nun der Kontrakt des 24-Jährigen beim BVB.

Doch so sehr sich Klub-Offizielle wie Gündogan mühten, den Vetragsabschluss als schöne, heitere Sommergeschichte zu verkaufen - "es macht großen Spaß, mit den Trainern und Mannschaftskollegen zu arbeiten. Ich bin froh, dass wir nun endlich Klarheit haben und ich weiter für Borussia Dortmund Fußball spielen darf", sagte Gündogan; "Ich bin überzeugt davon, dass er seinen Teil dazu beitragen wird, damit der BVB seine sportlichen Ziele erreichen wird", erklärte Sportdirektor Michael Zorc - es bleibt ein schaler Beigeschmack.

Gündogan hat sich verzockt

Gündogan steht trotzdem als der Gelackmeierte da. Als Spieler, der sich und seinen Marktwert gnadenlos überschätzt hat. Als schlecht beratener Profi, der mit den Härten des Transfermarktes nicht zurecht kommt.

Als Raffzahn, der sich total verzockt hat und nun reumütig in den schwarzgelben Schoß zurückkehrt. Er träumte von Barcelona, München oder wenigstens Paris oder Neapel. Schöne Städte, tolle Fußballklubs. Die Realität und kurzfristige Zukunft heißt aber: Dortmund.

Wo ihm zumindest bei Teilen der Fans nun heftiger Gegenwind entgegenbläst. Die Anhänger durchschauen, dass Gündogan bei dieser Vertragsverlängerung nicht nur seinem Herzen folgte - sondern wohl schlicht keine Alternative hatte. 

Nicht alle Bayern-Bosse überzeugt

Ein Wechsel zum FC Bayern scheiterte wohl auch an Zweifeln der dortigen Bosse. Nicht alle im obersten Führungszirkel sollen überzeugt gewesen sein, dass der 24-Jährige nach seiner schweren Rückenverletzung wieder zu alter, überragender Stärke zurückfinden würde.

"Wir haben mit Bayern München mit keiner Silbe über Geld gesprochen", sagte Gündogans Berater und Onkel Ilhan Gündogan kürzlich der Süddeutschen Zeitung.

Die Bayern sollen dem Spieler demnach geraten haben, vielleicht doch noch ein Jahr beim BVB zu bleiben und dann 2016 ablösefrei zu wechseln. Doch da machte Dortmund nicht mit.

Der Verein hatte den Abschied des Mittelfeldgestalters in diesem Sommer sogar schon per Pressemitteilung verkündet. Einen weiteren Fall Lewandowski sollte es nicht geben. Dem Stürmer verweigerte der BVB so lange wie möglich die Freigabe für den FC Bayern, verzichtete so auf mindestens 30 Millionen Euro Ablöse.

Aber: Lewandowski brachte bei allem Wechsel-Hickhack immer seine Leistung, verhielt sich vorbildlich, und, vor allem, er überschätzte weder sich noch seinen Marktwert.

Als der BVB Gündogan letzten Sommer einen Einjahresvertrag gab, war noch nicht mal klar, ob der Spieler nach seiner schweren Wirbelstauchung überhaupt wieder richtig gesund werden würde. Mehr als ein Jahr war Gündogan ausgefallen, wegen der Verletzung verpasste er auch die WM in Brasilien.

BVB hat Gündogan zweimal einen Gefallen getan

Die Vertragsverlängerung letztes Jahr war so auch ein Vertrauensbeweis des BVB. Die Verlängerung jetzt scheint höchstens pragmatische Gründe zu haben. Doch für Gündogan ist sie auch eine Chance.

Er darf bleiben, weil er an guten Tagen das Spiel des BVB auf eine andere Ebene hebt. Gleichzeitig hat er jetzt eine Saison lang Zeit, Imagepflege zu betreiben, verlorenes Vertrauen bei den Fans wiederzugewinnen.

Sollte er nächsten Sommer wieder wechseln wollen, kann er das tun - nur eben nicht kostenlos. Dortmund hat Gündogan nun schließlich schon zweimal einen Gefallen getan.

Und sollte Gündogan auch nächstes Jahr keinen Top-Verein finden - oder vielleicht sogar auch selbst bleiben wollen? Dann verlängert er eben nochmal. Das BVB-Fanzine schwatzgelb fühlt sich schon jetzt an den Silvesterklassiker "Dinner for One" erinnert. 

Barcelona, PSG und die anderen europäischen Topclubs werden Gündogan weiter beobachten.

Doch er muss Top-Leistungen bringen, wenn er dort wirklich wieder ein Thema werden möchte. 

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