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München und Gütersloh - Schalkes Manager Heldt beendet das Techtelmechtel zwischen Draxler und Juventus. Vom Tisch ist der Abgang des Weltmeisters deshalb noch lange nicht.

Es ist noch gar nicht so lange her - zwei Jahre, um genau zu sein - da bretterte Julian Draxler gleich auf acht Kleinlastern durch Gelsenkirchen und Umgebung. Inklusive Dortmund.

Neben dem überlebensgroßen Konterfei des damals 19-Jährigen war in ebenso überdimensionalen Lettern zu lesen: "Mit Stolz und Leidenschaft bis 2018".

Die Botschaft bei Draxlers Vertragsverlängerung war klar: Das seit seinem achten Lebensjahr für Schalke 04 spielende Eigengewächs wurde als Identifikationsfigur schlechthin hochgejazzt.

In diesem Sommer nun könnte der Ziehsohn Draxler schneller aus Schalke verschwinden als die Laster einst durch das Ruhrgebiet rollten.

Seit Montag ist zwar klar: Zu Juventus Turin wechselt Draxler nicht. Sein Verbleib auf Schalke ist damit aber noch längst nicht sicher.

20 Millionen Euro Ablöse zu wenig

Schalkes Manager Horst Heldt sprach nach dem 0:0 im Testspiel gegen den FC Porto ein Machtwort und setzte Draxlers Techtelmechtel mit Juventus Turin ein Ende.

Doch ob der hochbegabte Offensivspieler auch in der bevorstehenden Saison für die Königsblauen aufläuft, bleibt fraglich.

Schalke war die von Juve dargereichte Ablöse, die angeblich 20 Millionen Euro schwere Mitgift, schlichtweg zu wenig. Bei einem akzeptableren Gebot, vornehmlich aus England, dürfte Draxler noch vor der Saison weg sein.

Nicht anders sind auch Heldts Worte zu deuten.

"Nur das Thema Juve" sei erledigt, betonte Heldt.

Vielleicht sogar selbst das nicht: Laut Gazzetta dello Sport soll Juventus sein Angebot auf 25 Millionen Euro erhöht haben.

Di Matteo als Lustkiller

Das Dilemma mit Draxler ist eher eins für Draxler selbst.

Unter dem inzwischen von Schalke geschiedenen Trainer Roberto Di Matteo war dem Weltmeister die Lust auf Schalke gründlich vergangen.

Den Liebkosungen und Schmeicheleien anderer Vereine ist er inzwischen sichtlich zugeneigt.

Draxlers Berater war ja schon vorgeprescht und hatte eine Einigung mit Juve verkündet. Draxler selbst, so halten sich hartnäckig Gerüchte, soll am vergangenen Mittwoch ja schon eine Abschiedsfeier im Kreise der Mannschaft gegeben haben.

Draxler möchte eben gerne wieder in der Champions League spielen - dies ist mit Schalke zumindest in der kommenden Saison aber nicht möglich ist.

Draxlers Problem: Vor allem in der vergangenen Spielzeit hat er, auch gebeutelt von Verletzungen, kaum sein Potenzial gezeigt. Die ganz großen europäischen Klubs mit ihren prall gefüllten Bankkonten stehen nicht gerade Schlange.

30 Millionen Euro als Schmerzgrenze

Schalke ist da in einer komfortableren Position, Heldt kann ganz entspannt die Angebote sondieren.

Bei 30 Millionen Euro soll die Grenze liegen, ab der Schalke Draxler ziehen lassen würde. Die Fans würden es nicht übel nehmen. Es gibt nicht Wenige, die meinen, dass Draxler dem Verein mit einem finanziell einträglichen Weggang  mehr helfen würde als auf dem Platz.

Und wenn er doch bleibt? Dann besteht die Hoffnung, dass sich Draxler unter dem neuen Trainer Andre Breitenreiter mit deutlich mehr Streicheleinheiten als unter Di Matteo und wiedergewonnener Nestwärme endlich zum echten Star mausert.

Shaqiri weiter ein Thema

Es ist auch nicht so, dass Draxler Schalkes Personalplanungen blockiert.

Selbst bei seinem Verbleib könnten noch genügend Gazprom-Rubel locker sitzen, um Xherdan Shaqiri von Inter Mailand loszueisen.

"Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun", gab Heldt zu Protokoll.

Schlagkräftiger Kader

Schon jetzt wirkt der S04-Kader durchaus schlagkräftig, erst am Wochenende hatte Heldt ein nicht unerhebliches Paket geschnürt.

Sechs Millionen Euro Ablöse überweist Schalke für Zugang Franco Di Santo an Werder Bremen. Kolportierte vier Millionen Euro Jahresgehalt lässt sich der Revierklub die Dienste des Stürmers, der gegen Porto sein Debüt feierte, kosten. Eine Summe, die der Transfer von Jefferson Farfan für zehn Millionen Euro nach Abu Dhabi möglich machte.

Schwer im Magen liegt dagegen der suspendierte Kevin-Prince Boateng, der es sich nach jetzigem Stand mit einem Jahresgehalt von acht Millionen Euro auf der Tribüne bequem machen wird.

Zweiter Stürmer für Huntelaar

Unten auf dem Platz tummelt sich aber auch so genügend Klasse.

Dem Niederländer Klaas-Jan Huntelaar wurde der Wunsch nach einem zweiten Stürmer mit Di Santos Verpflichtung bereits erfüllt. Und Breitenreiter hat auch schon angedeutet, dass er gewillt ist, mit zwei echten Angreifen spielen zu lassen.

Eric Maxim Choupo-Moting ist flexibel im Sturm oder offensiven Mittelfeld einsetzbar. Beim kleinen Max Meyer hoffen sie auf den großen Durchbruch als Taktgeber. Zugang Johannes Geis könnte Meyer als Abschirmjäger im defensiven Mittelfeld den Rücken frei halten.

Bleibt noch der begnadigte Sidney Sam auf der rechten Seite, der angeblich auf Wiedergutmachung brennen soll.

Treuebekenntnis bleibt aus

Auch die Defensive gilt als ordentlich besetzt. Zumal Weltmeister Benedikt Höwedes als Routinier und Stabilisator der Abwehr weiter zur Verfügung steht.

Ein Treuebekenntnis wie Höwedes hat Draxler nicht abgegeben. Sollte er bei Schalke bleiben, dann nicht mehr aus "Leidenschaft". Es wäre nur noch ein Zweckbündnis. Aber auch so etwas kann ja funktionieren.

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