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Borussia Mönchengladbach Trainer Lucien Favre (2.v.r.) mit Neuzugang Lars Stindl
Gladbachs Trainer Lucien Favre (2.v.r.) mit Neuzugang Lars Stindl © Imago

Mönchengladbach - Für Borussia Mönchengladbach startet das Abenteuer Champions League. Zwei wichtige Personalrochaden geben dem Team einen etwas anderen Charakter.

Lucien Favre ist ein notorischer Skeptiker. Das wird sich auch nicht mehr ändern.

Es verwundert deshalb nicht unbedingt, dass sich der Schweizer zu Beginn der Saisonvorbereitung erst einmal zurückhaltend äußert, Platz drei und die erste Qualifikation für die Champions League hin oder her.

Bei Favre gehört das zum Naturell. Den Ball flachhalten, die Erwartungen eindämmen, die Euphorie sowieso. Die ist nach dem Erreichen der Königsklasse so groß wie lange nicht.

Doch der Trainer von Borussia Mönchengladbach lässt sich davon nicht anstecken, betrachtet kühl die Möglichkeiten und wägt dabei nüchtern ab, was möglich und was nötig ist. Denn bislang hat sich in seinen knapp viereinhalb Dienstjahren in Gladbach zur neuen Saison bei aller gelebten Kontinuität immer etwas verändert. Mal mehr, mal weniger.

So auch diesmal.

(Die weiteren Teile der SPORT1-Serie Bayern-Jäger: Teil 1: Borussia DortmundTeil 2: FC Schalke 04, Teil 3: Bayer Leverkusen)

Was ist neu?

Die Nationalspieler und Leistungsträger Christoph Kramer und Max Kruse haben den Klub verlassen. Für sie bekam Favre in Lars Stindl und Josip Drmic adäquaten Ersatz, dazu Youngster Nico Elvedi.

Der Schweizer kommt als vielversprechendes Talent vom FC Zürich, geplant ist zudem noch eine Leihe des Dänen Andreas Christensen vom FC Chelsea. Elvedi (18) und Christensen (19) sind in der Defensive vielseitig einsetzbar und sollen ernsthafte Alternativen für die Routiniers Martin Stranzl (35) und Roel Brouwers (33) werden. Die bisherigen Neuverpflichtungen passen laut Eberl "perfekt in unsere Philosophie. Wir haben Erfahrung mit jungen Spielern ersetzt, die viel Potenzial haben."

Die größten Baustellen sind damit frühzeitig abgearbeitet. "Bei noch zehn Wochen Transferperiode und dem Geld, das wir noch zur Verfügung haben, sollte man aber aufmerksam sein. Wenn ich als Manager sagen würde, wir hätten alles erledigt, würde ich mich sehr einschränken“, so Eberl. Heißt: Vieles kann noch, nichts muss.

Welche Schwachstellen wurden behoben, welche bleiben?

Stindl kann nicht nur Kramers Lücke auf der Sechs stopfen, sondern ist variabel einsetzbar. Das schafft die Möglichkeit, dem eigenen Spiel noch mehr Variationen zu verleihen, noch schwerer auszurechnen zu sein. "Er hat die letzten Spiele in Hannover rechts gespielt, er hat Neuneinhalb, aber auch Sechs, oder besser: Acht, gespielt. Wir werden sehen", sagte Favre.

Drmic ist ein anderer Spielertyp als Kruse, zwar auch ein spielender Stürmer, dabei aber mehr Vollstrecker denn Vorbereiter. Neu wird deshalb in gewissen Zügen auch das Offensivspiel werden, das zudem mit Andre Hahn im Zentrum variiert werden kann.

So wird die Offensive, die in der Vergangenheit oft auf Kruse und Raffael fixiert und von deren Form abhängig war, noch flexibler. "Ich möchte Josip nicht nur aufs Toreschießen reduzieren. Er ist ein Stürmer, der auch unheimlich viel für die Mannschaft arbeitet und Räume reißt", sagte Manager Max Eberl.

In der Abwehr hat Eberl einen Umbruch eingeleitet. Allerdings klafft eine große Lücke zwischen den Routiniers und dem Nachwuchs, was Alter und Erfahrung angeht. Dafür hat der Großteil des Kaders in der vergangenen Saison bewiesen, dass er die Dreifachbelastung stemmen kann, wenn auch mit der Europa League auf einem etwas niedrigeren internationalen Niveau.

Welche Saisonziele werden verkündet?

Die inzwischen üblichen, die sich bewährt haben. Erst einmal zurückhaltend, sich selbst Luft nach oben lassend und dabei den Druck von der Mannschaft nehmend. "Wir wollen in der Einstelligkeit leben und nahe an den europäischen Plätzen dran sein", sagte Eberl. Eine ebenso konsequente wie logische Fortführung der Klubpolitik der vergangenen Jahre.

"Wir wissen, dass wir eine unglaublich schwere und neue Situation vorfinden werden. Wir können uns gar nicht vorstellen, was das für einen Druck bedeutet. Mit den Belastungen müssen wir erst einmal klarkommen", so Eberl schon mal vorbeugend.

Was macht Hoffnung bei der Bayern-Jagd?

Natürlich in erster Linie die vergangene Rückrunde. Konstant auf hohem Niveau, unbeirrt von Rückschlägen und getragen von der Euphorie spielte sich die Borussia da zur besten Rückrundenmannschaft. Die Gladbacher haben nicht nur eindrucksvoll gezeigt, wo ein Lauf hinführen kann. Sondern auch, wie essentiell ein unaufgeregtes Umfeld, verbunden mit klugen Personalentscheidungen, letztendlich ist.

Wichtig wird es sein, sich von Rückschlägen, die bei der Klasse in der Königsklasse wohl zwangsläufig kommen werden, nicht beirren zu lassen. "Die Champions League wird noch mal eine neue Herausforderung, mit noch stärkeren Teams und noch schönerer Atmosphäre. Darum gilt es, die Momente, die wir erleben, positive wie negative, nicht mit in die Bundesliga zu nehmen. Das wird unsere Hauptaufgabe sein", sagte Stranzl. Also vor allem die des Trainers.

Und bei aller notorischen Skepsis: Bislang hat Favre es immer geschafft, mit seiner Mannschaft den nächsten Schritt zu machen.

(Teil 1 der SPORT1-Serie Bayern-Jäger: Borussia Dortmund)

(Teil 2 der SPORT1-Serie Bayern-Jäger: FC Schalke 04)

(Teil 3 der SPORT1-Serie Bayern-Jäger: Bayer Leverkusen)

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